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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — Nr. 1. 1926.
Die mit Temperatur und Wind in Wechselwirkung stehenden Nitderschlagsverhältnisse gestalten
sich nach dem vorhandenen Beobachtungsmaterial, wie folgt: Als durchschnittliches jährliches Bewöl
kungsmittel ergibt sieh für Moose 59, York 58, Churchill 57 und Great Whale-River 67%. Bei den
4 Orten bleiben die Monate Januar bis mit März und, außer bei Great Whale-River, der jedesmal heißeste
Monat (Juli) unter dem Durchschnitte. Dazu kommen noch: bei Moose, Churchill und Great Whale-River
der April und bei York der Dezember, so daß für alle ein 4monatiger geringer bewölkter Winterab
schnitt erkennbar ist. Außer den ßewölkungsmitteln ist noch die Summe der bewölkten Tage (über 30%
Bewölkung) aus den Tabellen zu entnehmen. Es sind für Moose 153, York 119, Churchill 129 und Great
Whale-River 184; und zwar fallen die meisten in Moose auf Mai und Juli bis Dezember, in York auf
Juni bis Dezember, in Churchill auf April bis Juni und' Oktober bis Dezember und in Great Whale-
River auf Mai bis Dezember. Die meisten klaren Tage weisen in allen 4 Stationen Januar bis März auf,
in Churchill kommt noch der Dezember dazu.
Die Zahl der vollen Nebeltage ist am Hudsonmeere aber ganz gering. 177 ) Auf das Jahr entfallen
im Durchschnitt in Moose 10, in York 11, in Churchill 14 und in Great Whale-River 43. Davon liegen
die meisten in den Sommermonaten. (In Moose von Juni bis August die Hälfte, in York von Mai bis
Juli fast 4 /s, in Churchill und Great Whäle-River von Mai bis August ungefähr Z U.) Viele Winter
monate zeigen 0 Nebel. 170 ) Die verhältnismäßig starke Abweichung des Ostens vom Westen (geringere
Sominerwärme!) wird auch durch Einzelbeobachtimgen Lows in den Sommern der Jahre 1887 u. 1888 be
stätigt: * 179 ) 1887 ergaben 53 Beobachtungstage, 20, 1888: 51 Beobachtungstage 28 Nebeltage.
Besonders eigenartig ist der im Winter bei strenger Kälte über offenen Wasser-steilen zu un
zähligen spitzen, feinen, vom Winde umhergetriebenen Eisnadeln gefrierende Wassierdunst, der „ge
frorene Nebel“, über dessen Vorkommen bei York Ellis und Umfreville ausführlich berichten. 180 )
Zahlenmäßige Angaben über Regen- und Schneefall bieten die Tabellen leider nur für die West
küste des Hudsonmeers. Darnach geht an Regen nieder: in Moose 39.79, in York 41.18 und in Churchill
19.31 am; an Schnee in Moose 135.12, in York 139.51 und in Churchill 164.60 cm. Das ergibt als Gesamt-
niedersohlag( der Schnee auf 1 /io reduziert!) in Moose 53.29, in York 55.13 und in Churchill 35.77 cm.
Bemerkenswert ist, daß York etwas besser versehen ist als Moose.
Der meiste Regen fällt in den Sommermonaten Juli bis mit September. (In den Nordweet-Terri-
torien von Mitte Mai bis Ende Juli, in Manitoba von Mai bis August.) Moose ist wegen seines regen
reichen Sommern bekannt. Auf die 3 genannten Monate kommen in Moose 55, in York 73 und in Chur
chill 74% der Gesamtregenmenge. Stupart führt an, 181 ) daß in Churchill 1897 im August und September
50, in Moose 1899 im August allein 40% der Gesamtregemnenge gefallen, und daß im August und Sept.
bisweilen auch innerhalb eines Tages ganz ungeheure Regenmengen niedergegangen seien, so in Moose
im August 1897: 3.60 cm, in York im August 1899: 5.08 cm und in Churchill im September 1897: 3.89 cm.
Die Hauptschneemonate sind November, Dezember und März in Moose, November bis Januar in
York und November und Februar bis April in Churchill. Auf sie kommen 63 bez. 51 bez. 60% der Ge
samtschneemenge.
Für die Regen- und Schneeverhältnisse der Ostküste ist bemerkenswert bis jetzt das allgemeine
Urteil Beils. 182 * ) Er lobt da-s gute, regenarme Wetter im Juli, August und September und deutet an, daß
beträchtlicher Regen im Frühlings und Herbste falle; mit Schnee sei die Ostküste nicht so reichlich
bedacht wie die Westküste.
W) Nelson, App. E. — Tyrrell, The New North West II, S. 93. Bell, The New North-West III, S. 120. Owen
O’Snllivan. Summ. Rep. Geol. Surv. of Canada 1906.
17 ») Dann und wann kommen im April Nebel taste vor.
179 ) Geol. Surv. of Can. 1867/88, S. 36.
iso) Neue Beiträge zur Völker- und Länderkunde, Teil 6, Leipzig 1791, S. 175. — Hann, Handb. der Klima
tologie III, 2. S. 440.
ist) Stupart. The Canadian Climate. Rep. of the 8th Int. Geogr. Congi-cö 1904. Washington 1905, S. 297 ff.
J8! ) Geol. Snrv. of Canada 1877/78.