Studienrat Dr. Margarete Gans: Das Hudsonmecr.
1906 zwischen York Faktory und Severn, wie stark der Nordwind die eisabtreibende Kraft der West
winde auf der Westküste zu hemmen vermag.
Die lange Anwesenheit des Treibeises bestätigen zahlreiche Erfahrungen der Hudsonmeerfor
scher: So mußte Low auf seiner Reise von Moose bis Fort George im Juni (1887) durch große Eismas
sen hindurchfahren. Lofthouse fand Anfang Juli (1898) an der Tha-Anne-Mündung noch viele Eis
schollen angehäuft. Bernier geriet ebenfalls Anfang Juli (1905) nördlich von Churchill in 280 km Ent
fernung von der Küste in starkes Packeis. Wie schwer das Eis der Jamesfeai im Juli und August
schmilzt, konnte schon Thomas James 1632 feststellen. Am 20. August 1901 reichte das Treibeis der
Jamesbai südwärts bis zur Bear-Insel. Owen O’Sullivan hatte vom 21. Juli bis 12. Sept. 1906 vor der Süd
küste beständig Treibeis in Sicht, 5*4 km von der Fluthöhe sah er große Eisfelder.
Das Hudsonmeer ist also während der ganzen Zeit vom Mai bis August nie völlig eisfrei. 141 ) Und
die herrschenden Winde tragen die über dem treibenden Eise lagernde Kühle den Küsten zu.
Wie gestaltet sich nun nach diesen allgemeinen Tatsachen der Temperaturgang an den Hudson
meerküsten vom Mai bis zum August im besonderen?
Dem Beginn des Eisbrucbs entsprechend, wird erst im Mai ein monatliches Temperaturmittel er
reicht, das sich über den Nullpunkt erhebt, und zwar vom Süden des Hudsonmeers nordwärts nur bis
etwa 58° n. Br., auf beiden Seiten annähernd gleichmäßig. Zieht man den ganzen Jahreslauf in Betracht,
so steht damit fest, daß erst der Mai der Frühlingsmonat am Hudsonmeere ist, oder daß sich der Früh
ling am Hudsonmeere bis zum Mai verzögert.
Moose zeigt 6.3°, York 1.5° und Great Whale River 2.6° C. Maimittel. Churchill bleibt, da nörd
licher gelegen, mit — 2.5° C. auch im Mai noch durchaus in der winterlichen Jahreshälfte stecken.
Damit eng verbunden ist die Tatsache, daß in der Regel erst im Mai die Flußmündungen süd
wärts von 68° n. Br. eisfrei und die Häfen geöffnet werden. Bekannte Daten sind: für den Nelson nach
Bell 1876 der 15., 1877 der 21., 1878 der 15. und 16., nach Hann im Durchschnitte der 18. Mai; 142 ) für
den Hayes bei York Faktory nach 53 Jahre umspannenden statistischen Angaben der Hudsonbaigesell
schaft aus dem Jahre 1880 im Mittel der 15.; für den Moose 1891 der 17.; 143 ) für den Lütte und den Great
Whale River der 21. Mai. 144 ) Starke örtliche Gezeitenströmungen bewirken nach Lows Beobachtungen
(1887) im Kanal bei House-Point (Ostküste der Charlton-Insel), desgleichen zwischen der Roß- und Be-
langer-Insel (dem Eingänge zum Richmordgolfe gegenüber) ein etwas früheres öeffnen des Eises. Da
gegen taut der Albany, trotz seiner südlicheren Lage, wegen der matten Gezeitenbewegung und der
längeren Eisversackung in der Jamesbai später auf als der Nelson und Hayes, meist erst Anfang
Juni. 145 )
Von den niedrigen Maitemperaturen des Hudsonmeers 146 ) heben sich die höheren der kanadischen,
dem Hudsonmeer-Eise entrückten Binnenorte in bemerkenswerter Weise ab. Winnipeg übertrifft Moose
um 5.8; Chipewyan Moose um 1.5, York um 6.3, Churchill um 10.3, Great Whale-River um 5.2; Fort
U1 ) Bogultiwski, Handb. d. Ozeonogr., 1884, S. 28: „Die Hudsonbai ist den größten Teil des Jahres mit Eis an-
gefüllt.“ Charlevoix: (Allg. Gesch. und Beschreibung von Neu-Frankreieh. Bd. XIV, S. 274) „Die Hudsonbay ist
nur vom Anfänge des Heumonats bis zu Ende des Herbstmonats vom Eise frey, doch ausgenommen das Treibeis.“
143 ) Hann, Handbuch der Klimatologie III, 1911, S. 440.
i«) Met. Zeitschrift 1894, S. 432.
Nach Willson Beckles (S. 124/125) vollzieht sich der Aufbruch der westlichen Flüsse mit furchtbarem Geräusch,
unheimlieh schnell steigt das Wasser, nnd die Eismassen blockieren die Flüsse. (Aehnliehe Ansicht bei Bell,
Geol. Surv. of Can. 1879/80.) Dagegen stellt H. H. Lawson (Geogr. Journal Bd. 43, 1914, S. 34) fest, daß sich 1913 der
Eisbmch auf dem Nelson und Hayes so ruhig wie auf einem See vollzogen habe, ohne Stoßen und Pressungen.
“‘) Geol. Surv. of Can. 1902, S. 38.
145 ) Vgl. Dobbs, S. 12.
no) Vgl. Krümmel, Handb. d. Ozeanogr. 1911, II, S. 664.
Ueber den Norden des Hudsonmeers, wo der Vorgang des Eisbruchs nnd -ahströmens, bzw. -schmelzen® sicher
stark verzögert wird oder kaum eintritt, sind wir gar nicht unterrichtet. App. II zu ,T. E. Bernier, Cruise of the
Arctic, 1908/09 (Ottawa 1910, S. 341) bringt eine Tabelle über Eisbildung und -rüekgang in Fnllerton im Winter
1904/05. Darnach findet ungefähr am 10. Mai ein Rückgang in der Eisdicke statt, von 72 auf 65 inches.