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Volltext: 44, 1927

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 
Nr. 1. 1926. 
Nach dem Temperaturverlauf gliedert sich das Jahr am Hudsonmeere in eine nur kurze wärmere 
Periode vom Mai bis August bzw. September und in eine längere kalte vom Oktober bis April. Wie 
im übrigen Kanada sind die Übergangsjahreszeiten nicht scharf «ausgeprägt, nur der Mai ist dem Früh- 
linge, nur der September und Oktober sind dem Herbste zu vergleichen. 
Die niederen Temperaturen während der ersten Jahresperiode beruhen im wesentlichen auf den 
Eis- und Windverhältnissen des Hudsonmeers. 
Über diese ist vom Mai -bis August folgendes bekannt: 
Anfang Mai wird durch lokale, im einzelnen noch nicht erklärte Westwinde aus dem wärmeren 
Inneren Kanadas das Eis vor der Westküste zum Bersten gebracht. Es treibt, etwa um die Mitte des 
Monats, vom Westufer weg der Ostküste zu. In gleichem Sinne wie dieser Westwind arbeitet in der 
1. Hälfte des Mai auf der Ostküste ein ebenfalls noch unerklärter Ostwind, eine starke ’’breeze off 
shore“. Er säubert die Kanäle vor dem Ufer allmählich vom Eise und treibt dieses bis vor die äußere 
Inselkette, wo er seine Kraft verliert. Von Westen und Osten herangetrieben, staut sich und türmt 
sich eine gewaltige Eismenge auf der Höhe des Hudsonmeers nahe den äußeren Inselketten überein 
ander. 137 * ) 
Zu den örtlichen kommen Ende Mai und Anfang Juni beträchtliche arktische Eismassen. In 2 
Strömen werden sie von Nordwinden, die um diese Zeit nach der Depression im Süden der Jamesbai 
ziehen, ins Hudsonmeer hineingeschoben. Der eine Strom zieht durch die Frozen Strait, an der West 
seite der Southampton-Insel entlang durch Roes Welcome und umkreist die Hudsonmeerküsten in 
einer dem Uhrzeigersinne entgegengesetzten Richtung; der andere dringt aus dem Foxkanal durch 
die Fisher-Straße zur Mitte des Hudsonmeers vor. 133 ) 
Das Vorhandensein so vieler Eismassen bildet etwa vom Monat Mai ab über dem Hudsonmeere 
notwendigerweise dem bereits stärker erwärmten Hinterlande gegenüber ein barometrisches Maxi 
mum heraus. Das beweisen östliche Winde auf der West- und westliche auf der Ostküste. Die erste- 
ren — es sind an allen 8 Beobachtungsstationen vorwiegend nordöstliche Winde — werden in Moose 
vom April, in York vom Mai, in Churchill vom Juni ab herrschend; sie entsprechen in ihrer Richtung 
zugleich den sommerlichen Hauptwinden für ganz Nordamerika, bedingt durch das atlantische Hoch 
nördlich des Wendekreises. 139 ) Die letzteren überwiegen in Great Whale-River vom Mai ab. Doch 
dauern diese Windverhältnisse nicht überall am Hudsonmeere bis zum August an, nämlich nicht auf 
der südlichen Hälfte der Westküste. Denn in Moose gewinnt vom Juli, in York vom August ab die 
Gruppe der westlichen Winde die Oberhand, wenn auch im einzelnen die nordöstlichen teilweise noch 
die Höchstziffer haben. Diese eigenartige Tatsache ist wahrscheinlich mit den Minima im Süden Lab 
radors zu erklären. Sie scheinen nach den Ergebnissen 12jähriger Beobachtung stärker zu sein als 
die von Uebe auf Grund 8jähriger Beobachtungen gewonnenen. 140 ) 
Alle die verschiedenen Winde bewirken eine ungeheuer vielseitige und lang andauernde Eisbewe 
gung im Hudsonmeere. Das Anstauen und Umhertreiben von Eismassen bis weit in den Sommer, ja bis 
in den September, den Monat der Neueisbildung, hinein gehört wesentlich zum Klima-Bilde des 
Hudsonmeers. Besonders verhängnisvoll ist dabei der Verlauf der Küstenlinie und die Gestalt des Hud 
sonmeers: die Eisschollen werden mit besonderer Kraft in die Buchten, vor allem stark in die James 
bai gedrückt und versacken sich darin. Dabei arbeiten die Winde vielfach zu ungünstigem Ergebnisse 
einander entgegen: O’Sullivan beobachtete 1905 zwischen Kap Henrietta Maria und York Faktory und 
2. Fort Hope, 51° 32' n. Br., 88° w. L., — m, ein Ort, der den kühlenden, bzw. mildernden Einfluß des Hudson 
meers nach dem Innern zu erkennen läßt. 
Ferner wurden noch Port Laperriere (Insel Digges) und Port de Boucherville, zwei von Gordon 1884—1886 vor 
übergehend eingerichtete Stationen am nordöstlichen Ansgange des Hndsonmeers, herangezogen. lieber die genaue 
Breiten- und Längenlage der 4 Hndsonmeerstationen unterrichten die beigegebenen Tabellen. 
137 ) Zuweilen verzögert sich die Ostbrise bis in den Juli hinein. (Low. Geol. Surv. of Can. 1902, 8. 41.) 
13S) Deckert, S. 37/38. 
»ä«) Deckert, S. 72. 
14 °) Uebe, Labrador. Diss. Leipzig 1909, S. 61 und Windhäufigkeitstabelle S. 109.
	        
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