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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — Nr. 1. 1926.
mit unerfreulichen natürlichen Bedingungen ausgestatteten Moosemündung (Lows, Coats’ Schilderun
gen!) gewährt nur der mittelste Schiffen von knapp 4 m Tiefgang Einlaß, aber auch er ist nach Low in
rascher Auffüllung begriffen; zudem kann die Barre vor der Mündung nur bei Flut (4 m Wasserhöhe!)
überfahren werden, bei Ebbe muß jedes Schiff 11 km vor der Barre an einer zwar lim tiefen, aber
bei Nordoststurm sehr gefährlichen Stelle warten. Ankerplätze im Mittelkanal sind das Ship-Hole, 7 km
aufwärts von der Barre, mit 6 m Tiefe bei Ebbe, ferner Coats’ Little Ship-Hole unmittelbar bei der Barre.
Als verhältnismäßig gut brauchbar für die Höhe der Jamesbai wird der ITouse-Point-Hafen im Osten der
Charlton-Insel erwähnt.
Auf der laurentisohen-proterozoisohen Ostküste des Hudsonmeers ist die natürliche Hafenbildung
im allgemeinen besser als auf der West- und der Südküste. Wegen zahlreicher Untiefen und gefähr
licher Barren sind allerdings für Handelsverkehr völlig ungeeignet: Die East Main-, 'die Little Whale-
Mündung und die zahlreichen kleinen Häfen auf der Außenseite der Inselketten; ferner trotz guter ge
schützter Ankerplätze wegen eines durch Barren und Felsen nicht ungefährlichen Zuganges wenig
brauchbar: die Mündungen des Nastapoka- und des Langland-Flusses. Dagegen gilt als ausgezeich
neter, als bester Hafen der gesamten Jamesbaiküste der nördliche Mündungskanal des Big River und
die 7 km nordwestlicher gelegene, durch 2 felsige Inseln wohl geschützte Bucht Stromneß-Harbour.
Der Schiffahrtskanal führt, bei Flut stets mindestens 6 m tief, in 2 scharfen Windlungen aus dieser Bucht
in den Big River, diesen ungefähr 4 km aufwärts zu dem auf einer Insel gelegenen Fort George. Auch
der Great Whale River hat von Natur einen ausgezeichneten Hafen, die seinen Zugang versperrende
Barre könnte nach Lows Meinung durch einen Kanal durchschnitten werden. Wirklich gute Häfen
birgt ferner die Innen(-Ost-)seite der Nastapokagruppe, nämlich je einen auf der Ostküste der Taylor-
und der Nicholson- und je 2 auf der Ohristie- und der Broughton-Insel. Dazu kommt, daß die Sunde
zwischen den Inseln und dem Festlande, mit Ausnahme der HopewelliNarrows, ausgezeichnete Schiff
fahrtsstraßen sind, ferner, daß mehrere charakteristische Landmarken die Schiffahrt auf der gesamten
Ostküste unterstützen, so der Sherriok’s Mount (213 m), die Kap Hope-Insel (93 km nördlich der East
Main-Mündung), die Paint Hills, die Wastioun-Insel (76 m hoch, etwa 9 km nördlich der Big River-Mün
dung), das Portland-Vorgebirge (152 m), die Smith-Insel (183 m) und der Kettlestone-Knob (15 m).
Im Norden bietet die zwar durch „Heftigkeit der Strömungen und Schroffheit der Küsten“ sonst
schwer zugängliche Southampton-Insel doch im Süden in der Southbai mit dem 11—13m tiefen Coral-
Harbour und im Norden in der Duke of York-Bai gute Ankerplätze.
6. Klima. (Hierzu: 11 Tabellen und Kartenskizze II.)
Wissenschaftlich völlig ungenügend sind die zahlreichen älteren Berichte über die klimatischen
Verhältnisse des Hudsonmeers aus der Zeit von Hudson bis etwa in die 70er Jahre des vorigen Jahr
hunderts; denn sie berücksichtigen in der Regel einseitig nur die Winterszeit und sind außerdem meist,
weil die Frage zweckmäßiger Ausrüstung zu erträglicher Überwinterung in hohen Breiten noch recht
unvollkommen gelöst war oder weil Unzufriedenheit, Mißmut und Enttäuschung über gescheiterte Pläne
zur Entdeckung der nordwestlichen Durchfahrt schwer zu meistern waren, stark pessimistisch gefärbt
und persönlich übertrieben. Viel Unzuverlässiges mischt sich auch noch in die jüngere und jüngste
klimatologische Literatur des Hudsonmeers. Das gilt vor allem von den klimatischen Erörterungen
zur Befürwortung des „neuen Hudsonbaiwegs”. Malten die älteren Berichte zu schwarz, so daß im
Volksbewußtsein die Vorstellung von einem völlig kulturfeindlichen Kältegebiete entstehen mußte, 128 * )
so malen die jüngsten zu licht und lassen die Meinung aufkommen, als ob es sich an den Gestaden
des Hudsonmeers durchaus angenehm lebe. Zuverlässig als Grundlage zur Gewinnung wissenschaft
licher Ergebnisse über das Klima des Hu'dsonmeers sind allein die Tabellen des kanadischen amtlichen
Wetterdienstes. Nur sind ihrer bisher leider recht wenige und die vorhandenen vielfach unvollständig
128 ) Vgl. Bell. On the Commercial Importance . . . Proc. Boy. Geogr. Soe. Can. 1881: „In tlie populär inind,
Hudson’s Bay is apt to l>e associated witli tbe polar regions.“