Studienrat Dr. Margarete Gans: Das Hudsonmeer.
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Dasselbe gilt bis zu einem gewissen Grade leider auch von dem einzigen wirklich ausgezeichneten
Naturhafen des Hudsonmeers, dem Churchillhafen, der auf dem 59. Breitenkreise, also hart an der
Grenze kommerzieller Entwicklungsmöglichkeit liegt. Trotzdem sind seine Vorzüge, von allen Forschern
und Seefahrern rühmend anerkannt, bedeutend. Die der amtlichen Seekarte des Hudsonmeers beigege-
bene, bis heute gültige Aufnahme des Hafens stammt von Gordon und Markham, aus dem Jahre 1886.
Durch das letzte Auseinanderweichen und Wiederentgegenkommen der Churchillufer wird das
etwa 3,7 km lange und 1—2 km breite Hafenbecken abgerundet. Es ist tief in das feste Ordovician-Ge-
stein eingesenkt, das im Osten und Westen (die Churchillmündung hat südnördliche Richtung) bis 30 m
hohe Wände bildet. Infolgedessen und auch wegen der halbinselartigen Verlängerung des westlichen
Ufers und deren Fortsetzung in der Insel mit Eskimo-Point ist der Hafen sehr gut geschützt; einfah
rende Schiffe werden außerdem infolge der Verengung des Ausgangs bald dem Wellengänge der offe
nen See entrückt. Ferner machen die kühnen Wände die Einfahrt bei nur einigermaßen klarem Wetter
auf 18—22 km Entfernung erkennbar. Befriedigend sind auch die bei dem felsigen Gestein und der
Klarheit des Stroms feststehenden Tiefenverhältnisse. Die Zufahrtsrinne in Richtung auf Eskimo-Point
ist nach der Seekarte 37—35 m tief, für den Eingang verzeichnet Gordon im Westen 20—33, im Osten 13
und 15 m, für das nördliche Innere (etwa bis in die Breite der Gezeitenlagune) durchschnittlich 7, weiter
südlich 6—2 m. Das eigentliche benutzte Hafengebiet ist nur das über 7 bez. 6 m Tiefe. Es wird vom
Department of the Naval Service 126 ) auf nur 1.3 qkm geschätzt, einen Raum, in dem etwa 3—4 große
Schiffe gleichzeitig Platz finden können. Dieser — neben der nördlichen Lage — 2. Nachteil des Chur
chillhafens wird aber durch die Tatsache, daß die Seeschiffe bei allen Stadien der Gezeiten ein- und
ausfahren können, erheblich gemildert. Schließlich sei noch erwähnt, daß die starken Gezeitenströmun
gen am Ausgange des Hafens und an der Einmündung der Lagune die Sicherheit des Hafens in keiner
Weise beeinträchtigen und daß bei trübem Wetter die strenge Befolgung von Gordons Doppelregel:
innerhalb des Kalk- und Kiesgebiets in südwestlichr Richtung die 37-, im Bereiche des weichen Strom
schlammes mit SJ4 W-Kurs die 18-m-Tiefenlinie ein zuhalten, alle Schwierigkeiten überwinden hilft.
Am ungünstigsten gestalten sich die Hafenve rhältnisse an der mittel- bzw. obersilurischen und de
vonischen Küste. Genaue Aufnahmen sind bisher nur vom Nelson- und Hayes-Ästuar gemacht worden,
und zwar 1886 von Gordon, Ashe und J. W. Tyrrell (1906 verbessert) und 1912 von Anderson und Pari-
zeau. 127 )
Überall sind wegen der Flachheit der Ufer die Einfahrtsstellen schwer erkennbar, wegen der
Untiefen, Sand-, Schlammbänke und Barren, die bei Ebbe fast durchweg trocken liegen, die Tiefenver
hältnisse der Zufahrts- und der Hafengebiete selbst außerordentlich trostlos. Der einzige günstige Um
stand ist das Vorhandensein eines Schiffahrtskanals in einigen der betreffenden Flußmündungen. Der
Schiffahrtskanal des Nelson, durch starke Gezeiten Strömungen von 3*4 knots = Wt km bei Springflut
erzeugt und erhalten, als North River ins Hudson meer hinaus fortgesetzt, verläuft etwas gewunden,
ist verhältnismäßig eng, nämlich östlich von Flamborough Head 61 m, zwischen Sam Creek und Marsh-
Point 1km, bei Bear-Creek 1,8 km breit und weist annehmbare Tiefen auf: im Innern des Ästuars 27,
zwischen Sam Creek und Marsh-Point 12—6, an der Öffnung 7—6, weiter draußen über der Barre vor
der Vertiefung zum Hudsonmeere 5y 2 —5 m. Ankerplätze des Nelsontrichters sind Flamborough Head
im Innern und York Roads zwischen Sam-Creek und Flamborough Head. Der Schiffahrtskanal des
Hayes ist im allgemeinen 3—4 m bei Ebbe, 6 m bei Flut tief. Diese Tiefen hat der Ankerplatz bei York
Faktory; ein bedeutend besserer, der beste des ganzen Doppel-Ästuars, ist Five Fathom-Hole, ungefähr
13 km unterhalb Yorks. Die Sohiffahrtskanäle der Rupert- und der Noddawai-Mündung, die sich in der
Rupertbai rechtwinklig treffen, haben eine Tiefe von 4—5 m, nur fehlt zur Zeit noch die genaue Mar
kierung, damit die Kanäle in der seichten Umgebung sicher gefunden werden können. Der verhält
nismäßig tiefste Mündungsarm des nach Low als Hafen außerordentlich schlecht geeigneten Albany
deltas geht nördlich der Insel vorbei, auf der Albany liegt. Von den 3 Kanälen der in gleicher Weise
’•■*) Tyrrell 1912, S. 49.
127 ) Als Beikarte zuin Rep. of the Department of Naval Service 1912.