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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — Nr. 1. 1926.
Morphologisch ist kennzeichnend iür alle die steile östliche Kliffseite von 30—120 m Höhe und die
flache Westseite; für die innere Reihe außerdem die eiszeitlich bedingte Sichelform. Im besonderen
umfaßt die Hopewell-Gruppe nach Bell 113 ) 10 Hauptinseln, die Nastapoka-Gruppe nach Low 114 ) 65 Ein
zelinseln von verschiedenster Größe und mannigfaltigster Oberflächengestaltung. Die bedeutendsten
Nastapoka-Inseln heißen Flint-, Beianger-, Roß-, Anderson-, Lutit-, Clarke-, Gillies-, Taylor-, Miller-,
Gordon-, Mowatt-, Christie-; Davieu-, Nicholson-, Broughton-, Mac Tavish- und Cotter-Insel. Die größte
ist die Broughton-Insel, 21 km lang und bis 4,8 km breit. Die neu entdeckten Inseln sollen sich in
nordsüdlicher Richtung durch ungefähr 7001cm erstrecken und etwa 10 000 qkm umfassen.
Die paläozoischen bzw. vorwiegend paläozoischen sind die größten Inseln des Hudsonmeers: die
3 hauptsächlich silurischen: Southampton-, Coats- und Mansel-Insel 115 ) und die devonische Agoomska-
Insel. Die Southampton-Insel hat als größte nordsüdliohe Ausdehnung ungefähr 338 km, als größte ost-
westliche etwa 322 km und einen Flächeninhalt von 40 000 qkm; die Coats-Insel hat eine 161 km lange nord-
östlich-südwestliche und eine 40 km lange ostwestliche Achse; die Mansel-Insel erstreckt sich durch
120 km in fast genau meridionaler Richtung; die Agoomska-Insel mißt ebenfalls durchschnittlich 16 km
von West nach Ost. Trotz einiger bemerkenswerter Erhebungen (Seahorse-Point im Nordosten derSouth-
ampton-Insel über 300, einige Höhen auf der Mansel-Insel ungef. 91, auf der Coats-Insel 61 m), trotz
mehrerer enger Canons und turmartiger Felsbildungen, besonders auf der Mansel-Insel, wirken die drei
nördlichen silurischen Kalksteininseln vorwiegend flach und niedrig. Auch spielen auf der Coats- und
der Mansel-Insel eiszeitliche Erscheinungen eine gewisse Rolle: niedrige Rücken, dahinter lange Seen
klaren Süßwassers, die Landformen verhüllender Glazialschutt. Die Agoomska-Insel bildet mit ihren
sumpfigen Niederungen und ihren Blockanhüufungen aber noch ausgesprochener den Übergang zu den
Moräneninseln des Hudsonmeers.
Diese liegen in geringerer Zahl vor der Nordwestküste (Sir Bibby-Insel, 2 Inseln vor dem Daw-
son-Inlet, die Egg-Insel, fast alle Inseln vor der Nevillebucht) und der nördlichen Ostküste, in reicher
Menge aber in der Jamesbai. Seit Lows Forschungen 1887/88 sind letztere in großen Zügen nach Lage
zu einander, Größe, Morphologie und Topographie bekannt. Die wichtigsten sind: die Gharlton-Insel
als die größte, mit 33 km langer nordöstlich-südwestlicher und 22 km langer nordwestlich-südöstlicher
Diagonale, die Danby-, die Oary-Insel, die Struttons, die Tiders, Westens, die Twins, die Walther-, die
Spencer-Insel, die Bear-Inseln und viele andere, zum Teil noch unbenannte Inseln. Abgesehen von dem
mutmaßlichen Zusammenhänge der Bär-Inseln, der Twins, Westens mit der Charlton-Insei als End
moränenzug, ist die Anordnung der Moräneninseln der Jamesbai durchaus regellos. Als Stücke ehe
maliger Moränen bauen sie sich auf aus Geschiebelehm, Decksand, erratischen Blöcken (Granit oder
paläozoischer Kalkstein), manchmal fast nur aus letzterem, wie die Struttons und die Tiders. Morpho
logisch eigenartig ist die relativ bedeutende Steilheit und Höhe der Ost-, meist auch der Südküsten,
die als Escarpments bezeichnet werden, im Gegensatz zu den im allgemeinen flach geneigten Noid-
und Westseiten. So finden sich im Osten und Süden Höhen von 18, 21, 23, 61m. (Charlton-Insei.)
Die Escarpments sind vielfach Träger der Strandlinien. (Charlton, Struttons, Cary-Insel.) Ergebnisse
postglazialer Weiterentwicklung sind sumpfige Strecken zwischen Escarpment und Küstenlinie und
breite Schlickniederungen zwischen der Hoch- und Niedrigwasserlinie.
Alluvialinseln aus Flußsinkstoffen sind die Seal- und die Gillam-Insel im Gezeitenbereiche des
Nelson. In der Severnmündung wurden in postglazialer Zeit infolge Ablenkung des Flußkanals meh
rere Inseln des umgebenden Landes abgeschnitten.
Der marine Charakter des Hudsonmeers zeigt sich im Salzgehalt seines Wassers. Infolge der be
trächtlichen Süßwasserzufuhr vom Festlande her wird aber der allgemeine Prozentsatz des Weltmeers
*>*) Geol. Surv. of Can. 1877/78, S. 18.
u *) Geol. Surv. of Can. 1900, S. 7ff. Dort sind auch viele bemerkenswerte Einzelheiten über die Nastapoka-
Inseln niedergelegt, die im Rahmen dieser Arbeit nicht dargestellt werden können.
lls ) Low bezeichnet (1903/04) diese 3 Inseln zusammen mit der Nottingham-, der Salisbury-, der Akpatok- und
der Resolution-Insel als die I. natürliche Gruppe der arktischen Archipels.