Studienrat Dr. Margarete Gans: Das Hudsonmeer.
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denn Shelfcharakter in seinen nördlichen Teilen zu dem modifizierten der Fjordstraßen über.“ Da sich
auch an der Ausgangsstelle geringere unter die bedeutenderen Tiefen mischen, würde das Hudsonmeer
bei einer Hebung um etwa 150 m (80fathoms) von der Hudsonstraße abgeschnürt und bis auf einen
Binnensee südlich der Coats- und der Southampton-Insel trocken gelegt.
Die Einförmigkeit des Hudsonmeerbodens wird an verschiedenen Stellen — und zwar nach den
bisherigen Forschungsergebnissen vorwiegend in der Nähe der Küsten — unterbrochen durch Sand
bänke und Geschieberiffe in seichteren, durch Felsenriffe in tieferen Gebieten. Gefürchtet sind die
ungefähr 28 km lange und 15 km breite Nelson-Sandbank, die Albert- und die Gasket-Sandbank in der
Jamesbai, die breiten Untiefensäume an den Küsten der Jamesbai, der Westküste und um die Jamesbai-
und die nördlichen silurischen Inseln, ferner die langen Geschieberiffe an den Inseln der Jamesbai,
namentlich der Oharlton-Insel, und an den flachen Seiten der Nastapoka-Inseln; schließlich die Felsen
riffe im Bereiche des mittleren Bogens der Ostküste und im Nordwesten, besonders zwischen dem
Chesterfield- und dem Winchester-Inlet. Die Höhe des Hudsonmeers ist nach Beils Meinung im großen
und ganzen frei von Untiefen und Felsen.
Die Unvollständigkeit der Tiefenforschung erlaubt zur Zeit noch nicht eine wissenschaftlich ein
wandfreie Berechnung des Hudsonmeervolumens. Krümmel bestimmte es vorläufig auf ungefähr
156 690 obkm. 109 )
Auch die Inselbildung des Hudsonmeers ist eng mit seiner geologischen Entwicklungsgeschichte
verknüpft. Infolge der relativen Einförmigkeit des Grundes und der Tatsache, daß junge vulkanische
Ergüsse auf dem kanadischen Schilde fehlen, ist das Hudsonmeer verhältnismäßig arm an Inseln. Al
lerdings ist auch die Unvollkommenheit der Erforschung, namentlich der Mitte, in Rechnung zu ziehen.
Krümmel gibt als Wert für die Insulosität des Hudsonmeers 5.5 an.
Drei große Inseln beherrschen die Ausgangsstelle im Norden, zahlreiche kleine erfüllen die
Jamesbai, maskieren in doppelter Reihe die Ostküste und liegen der Nordwestküste von Kap Eskimo
bis Kap Fullerton vor. Nur spärlich treten Inseln vor der übrigen West- und Nordwestküste und in
der Mitte auf; ja sie fehlen dort auf weiten Strichen ganz.
Nach ihrer Entstehung sind es teils Festlandsinseln, d. h. Inseln aus anstehendem — und zwar
laurentischem, proterozoischem, paläozoischem — Gestein, teils Moräneninseln — also diluviale Rester
scheinungen — teils alluviale Aufschüttungsgebilde in Flußmündungen.
Innerhalb der 1. Gruppe treten die laurentischen Inseln zurück. Zu ihnen gehören, abgesehen
von mehreren kleinen vor der nördlichen Ostküste und im Nordwesten zwischen Kap Eskimo und Kap
Fullerton, desgleichen abgesehen von dem Osten der Southampton- und dem Rücken in der Ooats-
Insel: die Digges-Insel 110 ) und der Emily-Rook 111 ) zwischen der Walther- und der Süd-Twin-Insel in der
Jamesbai. Von größerer Bedeutung und Eigenart sind die proterozoischen Inseln. Im Nordwesten sind
es allerdings nur: die Marble-Insel, die unmittelbar westlich von ihr gelegene Deadman’s Insel und
einige Inseln vor der Rankin-Inlet. Im Osten gehört dazu aber die innere, festlandnahe Reihe: die
183 m hohe Kap Smith-Insel, die Inseln vor dem Eingänge zur nördlichen Moskitobucht, die Hopewell-,
die Nastapoka- und die Manitounuck-Kette, die Inseln im südlichen Teile des Richmondgolfs, Long
Island, in der Jamesbai die Kap Hope- und die Salomons Temple-Inseln, — ferner die äußere Reihe,
d. h. die Ottawa-Inseln (nördliche Sleepers?), die Brothers, die beiden Gruppen der südlichen Sleepers,
die King George-Inseln, das Bakers Dozen, die Nord- und die Süd-Beichers, vielleicht auch die jüngst
von Flaherty im Centrum des Hudsonmeers entdeckten Inseln, die der äußeren Inselreihe entsprechen
sollen. 112 ) Die meisten der proterozoischen Inseln bestehen aus Trapp, nur 'die Ottawa-Inseln aus Diorit.
109 ) Handb. d. Ozeanographie, Stuttgart 1911, I, S. 144. Vgl. den Versuch einer Tiefenkurvenzeichnung auf
Grund der bisher gewonnenen Lotungsergebnisse auf Karte 194/195 des Andreeschen Handatlasses. (1920.)
110 ) Steile, guer laufende, zwischen den Hügeln fast bis auf den Meeresgrund eingesehnittene Täler erwecken
von fern den Eindruck, als handle es sich um mehrere Inseln.
1U ) Auf der Seekarte Family Kock genannt.
115 ) Geogr. Journ. 1915, S. 440. — Bull, of the Am. Geogr. Soc. 1915, S. 531 und Geogr. Zeitsehr. 1915, S, 593.