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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte.
Nr. 1. 1926.
und die bedeutende Mächtigkeit des Sand- und Kiesstrandes an der gegenwärtigen Küste auf Stabilität
des Landes seit geologisch mäßig langer Zeit,
Gleich den Tyrrellschen Beweisen stehen Beils Ansicht entgegen: die Karte des Hubert Jaillot,
Partie de la Nouveile France (1696), die dartut, das Coekispenny und Ministiskawatane schon 1696 Halb
inseln und nicht Inseln waren; ferner die Meinung verschiedener ungenannter Gegner, daß das Vor
kommen von Treibholz auf den Strandterrassen der Ostküste der Wirkung außerordentlich hoher Flut
wellen zuzuschreiben sei, wären doch diese einmal während eines heftigen Nordoststurms bis zum
Fronttor der Palisadeneinfassung von Rupert House, nämlich 9 in hoch, emporgestiegen.
Bell hat auf die Beweisführung seiner Gegner nicht geantwortet, nur den zuletzt genannten
Gedanken einer außerordentlichen Flut hat er zurückgewiesen: besonders hohe — wenn auch nicht bis
9 m hohe — Springfluten kämen bei Nordstürmen in der Trichterform der Rupertbucht wohl vor, nicht
aber an der Ostküste, um die es sich bei der strittigen Frage ja handle; auch hätte er bei seinem Be
suche in Rupert House 1895 nichts über jene Flut erfahren können, das erwähnte Tor schiene ihm
auch nicht mehr als 4,5 m über dem Meeresspiegel zu liegen.
Aus dem Für und Wider der beiden Meinungen ergibt sich wohl mit Sicherheit, daß der Nord
westen (Churchillgebiet) und der Westen des Hudsonmeers in geschichtlicher Zeit nicht beträchtlich
gehoben worden sind. Für den Süden, den Osten und das Hinterland sind die Gegner Beils den vollen
Beweis allerdings bis jetzt noch schuldig geblieben. Die Maße, die Bell angibt, sind entschieden viel
zu hoch. Aber eine gewisse, wenn auch ganz geringe Hebung wird wohl eingetreten sein und kaum
merklich noch weiter gehen — auch Tyrrell lehnt eine solche nicht völlig ab, wie aus seiner Beweis
führung über die Inschriften an den Wänden von Sloop’s Cove zu ersehen ist. Dem entspräche auch
die Theorie, die Idee: Soll das durch die Eisbelastung gestörte kontinentale Gleichgewicht, also der
voreiszeitliche Zustand wieder hergestellt werden, * 8 ®) so muß sich das Hudsonmeer mit seiner Umgebung
noch weiter heben, muß sich so lange heben, bis es völlig verschwunden ist und sein Grund wieder
das Unterlaufsgebiet des großen präglazialen Stromnetzes darstellt, das sich in die Schlauchmündung
der Hudsonstraße ergießt. Daß die Hebung sich so langsam vollzieht und daher nach Verlauf von
2Y 2 Jahrhunderten noch kaum zu erkennen ist, liegt eben daran, daß die Meerestransgression mit
ihrer kolossalen Wasserlast der normalen Entwicklung einer natürlichen nachglazialen Hebung im Be
reiche des Hudsonmeers hemmend entgegensteht.
b) Das gegenwärtige Hudsonmeer.
1) Größe.
Das aus der Champlain-Überflutung her aus gehobene Hudsonmeer wir d im Nor den am besten
durch eine Linie abgegrenzt, die vom Kap Nuvuk, südwestlich von Kap Wolstenholme, in nordwest
licher Richtung über die Nordküste der Southam{.|ön-Insel hinweg nach Beaeh-Point zieht, also die
beiden Punkte scharfer südlicher Einschwenkung verbindet; Kap Nuvuk ist zudem der Punkt, wo die
Steilküste der Hudsonstraße deutlich zur Flachküste des Hudsonmeers herabsinkt. Hudsonstraße, 84 ) Fox
kanal und Frozen Straße gehören also nicht zum Hudsonmeere. Im Süden ist aber die Jamesbai selbst
verständlich dem Hudsonmeere zuzurechnen.
Durch die sperrende Lage der Southampton-Insel werden von den 580 km der nördlichen Grenz
linie nur 220 für Ausgänge offen gelassen, und zwar für Roes Welcome 40 und für den östlichen Aus
gang 180km. 8S )
In nordsüdlicher Richtung dehnt sich das Hudsonmeer vom 51. (Süden der Jamesbai) bis zum 66.°
n. Br. (Beaeh-Point) aus, durch rund 1650 km. Die Längenerstreckung beträgt im äußersten Falle, vom
83 ) W. Upham. The Glacial Lake Agassiz, S. 522.
8 *) Deckert, S. 39. G. Schott. Geogr. d. Atl. Oz. 1912.
s5 ) Auf den meisten Karten, auf denen die Bell-Halbänsel der Sonth.-Insel noch als Insel eingetragen ist, 3
Ausgänge!