Studienrat Dr. Margarete Gans: Das Hudsonmeer.
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6) lange, niedrige Rücken an der Westküste des Hudsonmeers, und zwar in den Wäldern etwas
landeinwärts von der Flutgrenze, (z. B. nahe der Mündung des Nelson, am Attawapishkat und an ver
schiedenen Stellen zwischen Attawapishkat und Albany), jedoch aus von den Flutwellen herangetrage
nem Material: aus Treibholz und anderen vegetabilen Trümmern in völlig verfallenem bez. verfaultem
Zustande, infolge der Entfernung vom Meere und des besseren Bodens bereits mit Moos bedeckt und mit
Buschwerk und Bäumen bewachsen. Ähnliche Rücken, erst in der Bildung begriffen und in frischerem
Zustande, fand Bell an der gegenwärtigen Flutlinie; dazu Dünen in 300 km Entfernung von York, 15 m
über der jetzigen Flutmarke;
7) das Übergreifen der Waldlinie auf die breiten Alluvialniederungen im Süden und Westen der
Jamesbai, desgl. das allmähliche Eintrocknen der Salzsümpfe westlich der Jamesbai und in der Nähe
von York Faktory; 75 )
8) eine Fülle toter, aber noch gut erhaltener (Epidermis erhalten!) Schalen von zahlreichen, für
mäßig tiefes Wasser charakteristischen Molluskenarten (Bell führt leider keine an!) im Geschiebelehm
rund um die Jamesbai;
9) zwei landfest gewordene Inseln, nämlich die große Halbinsel Ministiskawatane (zwischen der
Rupert- und der Hannahbucht) und der Küstenvorsprung Cockispenny (zwischen Moose Faktory und
Fort Albany), deren indianische Namen den früheren Inseleharakter andeuten: Ministiskawatane s Mi-
nistik-oo-watum dnsel mit einer Höhle und Cockispenny*Ka-ka-ki-sip-pin-a-wayo=Insel, wo der Kormoran
(corvus marinus) Eier legt;
10) neu auf tauch ende, wachsende und sich nach 40—50 Jahren mit Bäumen bedeckende Inseln
in der Moosemündung;
11) zunehmende Seichtigkeit der Häfen und Schiffahrtsrinnen rund um die Küste des Hudson
meers. Für diese wirtschaftlich hochbedeutsame Erscheinung bringt Bell außerordentlich viele Bei
spiele. Er vergleicht dabei meist seine eigenen Beobachtungen mit früheren, vielfach 200 Jahre zu
rückliegenden Erfahrungen anderer: In die Flußmündungen der Ostküste einzufahren, hätte allem An
scheine nach Ende des 17. Jhh. den Schiffen der Hudsonbaigesellschaft keine Schwierigkeiten bereitet,
später hätten die Häfen der Ostküste wegen wachsender Seichtigkeit aufgegeben werden müssen, so
East Main, Little Whale-River, und der jüngste Eingang zum Richmondgolf sei gerade tief genug, um
das Wasser passieren zu lassen. Den langen, schmalen Kanal zwischen der Middleton-Insel und dem
Ostufer der Rupert bucht habe er, Bell, zu seiner großen Enttäuschung im Herbste 1895 mit seinen
Kanus bei Flut nicht durchfahren können, was ihm einige Jahre vorher möglich gewesen ¡sei. Die Nie
derlassung der Hudsonbaigesellschaft habe bereits 1685, nach lOjährigem Bestehen, von Hayes Island
flußaufwärts nach Moose Island verlegt werden müssen, und in den folgenden 2 Jahrhunderten hätten
sich die Anfahrtsverhältnisse so verschlechtert, daß zum Verkehr zwischen dem Hafen und dem draußen
liegenden Seeschiffe immer flachere Fahrzeuge nötig geworden wären. Ferner sei der Kanal zwischen
der Prinzeß-Insel und der Moose-Faktorei, der zu Beginn des 19. Jhh. auch bei stärkster Ebbe Wasser
geführt hätte, 1895 bei Niedrigwasser völlig trocken geblieben. Zwischen der Agoomski-Insel und der
Westküste der Jamesbai hindurchzufahren, sei 1674 Charles Bayley mit einer Schaluppe gut gelungen,
1886 Bell mit Rindenkanus nur unter Schwierigkeiten. Im „ship hole“ von York Faktory seien 1895
Schiffe von geringem Tiefgänge bei Niedrigwasser auf Grund geraten, während früher tiefer gehende
Seeschiffe der Hudsonbaigesellschaft auch bei geringem Wasserstande flott geblieben wären. So sei
es Schiffen auch nur 1782 möglich gewesen, mit Kanonen auf der Südostseite ¡des Nelsons zu landen
(Admiral La Pérouse) oder unter dem Schutze der Dunkelheit aus der Hayesmündung zu entfliehen.
Das neue Fort Prince of Wales (Churchill) habe 1782 über einen trennenden Kanal hinweg, der jetzt
trocken liege, durch eine Brücke mit dem Festlande verbunden werden müssen; ferner sei in letzter
Zeit die Landungsbrücke mehrmals verlängert worden, damit die Küstenboote bis zu ihrem äußersten
Ende Vordringen könnten. Über den schmalen Eingang zu „Sloop’s Cove“, einer kleinen Bucht im
75 ) Nach Bell sehr zum Verdrusse der Leute der Hudsonbaigesellschaft, die dadurch ihre Geflügelnahrung
verlieren.