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Full text: 44, 1927

88 
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 
Nr. 1. 1926. 
Nur die Entwicklung des A gassiz-See-Abfluss es von Süden her bis zum Einschwenken in den 
alten Nelsonlauf ist in großen Zügen bis jetzt bekannt. Die Untersuchungen Warren Uphams werden 
von T. B. Tyrrell und Chamberlin gestützt. 56 ) Uphani nimmt im ganzen 4 Abflußrinnen des Agassiz- 
Sees nach dem Nordosten an. Oertlich hat er sie aus Mangel an genauer Durchforschung des schwie 
rigen, bewaldeten, unbewohnten Geländes nicht festlegen können, gewiß ist nur, daß die erste über die 
Wasserscheide zwischen Poplar und Severn nordostwärts lief und die letzte dem Nelson- bez. Hayes- 
laufe entsprach. Dagegen bestimmt er sie zeitlich näher, und zwar nach den Strandlinien des Agassiz- 
Sees: Jeder Abzugsrinne entsprechen nach seiner Auffassung mehrere Strandlinien, da die Abflüsse 
wahrscheinlich alle zu beträchtlicher Tiefe erodiert wurden. 57 ) Der erste Abfluß umfaßte die 3 Blam- 
hard-Strandlinien und die Hilsboro-Strandlinie, er wurde ungefähr 14 m eingesohnitten. In dem ver 
hältnismäßig großen Zeiträume bis zur Emerado-Strandlinie wurde er in ein neues Bett verlegt, das er 
während der nächsten, durch kürzere geologische In tervalle getrennten 5 Strandlinien ungefähr 30 m 
tief erodierte. Das Sinken des Wasserspiegels des Agassiz-Sees zur Niverville-Strandlinie deutet wieder 
die Entstehung einer neuen Abzugsrinne an. Diese wurde bald für die noch niedrigere des Nelsons ver 
lassen. Der erste nordöstliche Abfluß begann, als der Agassiz-See in der Breite des heutigen Winnipeg- 
Sees ungefähr 300 m über dem gegenwärtigen Meeresspiegel stand, und 'der letzte lenkte in das Nelson 
tal ein, als der Agassiz-See auf etwa 220 m gesunken war. 58 ) 
Der differenzialen Hebung entsprechend, müssen die Mündungen der Agassiz-See-Abflüsse west 
lich der gegenwärtigen Küstenlinie des Hudsonmeers am heutigen Binnenlande gelegen haben. Auch 
werden sich die einmündenden Wassermassen mit ihren Sinkstoffen noch vielfach mit den zurück 
ziehenden Inlandeismassen und ihrem Moränenschut t begegnet haben. Es mag sein, daß die ausgedehnte 
Sandebene an der heutigen Einmündung des Otter- in den Fawnfluß mit der Mündung (wahrscheinlich 
Deltamündung) des ersten Agassiz-See-Abflusses und die von J. B. Tyrrell festgestellten gewaltigen Sink 
stof fmassen am Hayesunterlaufe 59 * ) mit der Mündung des letzten der 4 Abflüsse (in eine mäßig breite 
Einbuchtung der postglazialen Küstenlinie) Zusammenhängen. 
Für die Heraushebung des Hudsonmeers aus der Champlain-Überflutung war der Zeitpunkt be 
sonders wichtig, da die Abtrennung der nördlicheren Wasser vom Großen Seen-St. Lorenzbecken er 
folgte, die großen Inseln des Nordens aus den Fluten auftauchten und im Nordwesten die Verbindung 
zum Arktischen Ozean schwand: die Geburtsstunde des Hudsonmeers in seiner Urform, des Ur-Hud- 
sonmeers. Die Umrisse dieses Ur-Hudsonmeers können nach dem gegenwärtigen Stande der Forschung 
noch nicht gezeichnet werden. Auch wenn man annehmen könnte, daß ihre südliche Grenzlinie sich 
mit der heutigen südlichen Wasserscheide deckte und die nördlichen Inseln zur selben Zeit erschienen 
wären, so bliebe doch immer noch die bedeutsame Frage unbeantwortet, wie weit um die gleiche Zeit 
die West- und die Ostküste gehoben waren. Das bisherige Beobachtungsmaterial zu diesem Problem 
erstreckt sich — abgesehen von den erwähnten Binnenküstenerscheinungen — auf Angaben über das 
weiteste Vorkommen mariner Schichten bez. Fossilien, mutmaßlicher höchster Strandlinien im west 
lichen, südwestlichen und östlichen Hinterlande und einiger anderer Küstenbildungen auf jetzt binnen 
ländischem Boden. Es ist sehr unvollständig, vielfach ungenau und wegen der zeitlichen Unverhältnis- 
mäßigkeit eben für die Lösung des Problems des Ur-Hudsonmeers nicht recht brauchbar. 
Die Grenze mariner Sedimente wurde festgestellt von J. B. Tyrrell am Severn in 152, am Fawn 
in 183, 6Ö ) von Bell am Attawapishkat in 152, am Albany und Kenogami in 91 m Seehöhe, 61 ) von Low 
am Rupert 170 km, am Great Whale-Flusse 80 km von der Mündung aufwärts in 180 m Seehöhe. 62 ) 
*>) Geikie. The Great J c e Age. 3. Aufl. 1894. Plate XIV. 
67 ) Monographs XXV, S. 227 \md S. 234. 
58 ) Geol. Magazine IV, Vol. I, 394—99. 
=») J. B. Tyrrell 1912, 8. 50 f. 
«") J. B. Tyrrell 1912, S. 41, S. 45. 
«*) Die Entfernungen von der gegenwärtigen Küste sind leider nicht angegeben. Vgl. Monogr. XXV, S. 505. 
M) Vgi, Uebe. Diss. Leipzig, S. 33.
	        
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