Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte.
Nr. 1. 1926.
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Inlandeises stellte Tyrrell lest: die von ihm benannte, ein späteres Stadium des Rückganges dokumen
tierende Trout Lake-Moräne auf einem hohen Granitrücken südlich des Trout Lake, schließlich eine
dritte Moräne, die südlich der Fawn-Mündung als ein ostwestlich, der Hudsonmeerküste parallel ziehen
der Rücken beginnt, den Hayes in der Nähe der Sh amattawa-Mündung kreuzt, dann eine Reihe ost
wärts laufender Hügel mit zwischengelagerten Seen bildet, 47 ) sich als Rücken quer über das Quell
gebiet des Goose-Flusses, — den Goose-See aussparend — fortsetzt, den Severn quer überschreitet und
sich zuletzt ostwärts im Lande verliert.
Kleinere Reste von Moränen — ob von Grund- oder von Endmoränen, ist noch nicht durch For
schung eindeutig geklärt worden — sind auch zahlreiche Inseln des Hudsonmeers: im Nordwesten —
offenbar dem Keewatin-Inlandeise entstammend — die Sir Bibby-Insel, 2 Inseln vor dem Dawson-
Inlet, die Egg-Insel und fast alle Inseln vor der Nevillebucht; viele kleine Inseln vor dem nördlichen
Rogen der Ostküste — von welchem Inlandeise niedergeschlagen, ist nicht bekannt - ; vor allem aber
fast alle Inseln der Jamesbai — von dein Labrador- oder dem Patricia-Inlandeise hinterlassen — und
zwar an erster Stelle: Charlton, Danby, Cary, Woods, Little Charlton, die Struttons, Weston, Salomons
Temples, die Twins, Spencer, Walter, Grey Goose, die Bear-Inseln; zum andern mehrere, teilweise un
benannte Inseln, deren Moränencharakter schon aus Coats’ Schilderungen und später den Berichten der
Angestellten der Hudsonbaigesellschaft hervorgeht 48 )
Das entscheidendste Ereignis für das Werden des Hudsonmeers beim Rückzuge der diluvialen
Eismassen war jedoch die Untertauchung der Mitte und der nördlichen bzw. nordöstlichen Teile des
vergletscherten Gebiets unter den Spiegel des Atlantischen Ozeans und deren Ueberflutung durch das
Meer, die sogenannte Champlain-Transgression. Durch diese Transgression wurde der marine Charakter
des heutigen Hudsonmeers geschaffen. In keiner Weise wurden aber seine heutigen Umrisse ge
bildet. Denn die gewaltige Ueberflutung umfaßte ja noch: den Osten Manitobas, das Ottawa-, das
Lorenzstrom- und das Lorenzgolfbecken, Neuschottland, den Norden von Massachusetts, einen westlichen
Streifen Labradors und schließlich, nach dem völligen Rückgänge des Eises den Norden: die Hudson
straße, das Baffinland, den Foxkanal, den weiten Nordwesten des Hudsonmeers mit einer wahrschein
lichen Verbindung zum Arktischen Ozean, auf deren Grunde jetzt Chesterfield-Inlet, Schultz- und Aber
deen-See liegen. 49 ) In der Champlain-Ueberflutung war also nicht nur das Volumen des gegenwärtigen
Hudsonmeers verschlungen, sie reichte auch weit über sein heutiges Zuflußgebiet hinaus und hatte
für das spätere Hudsonmeer nicht die Bedeutung eines Urhudsonmeers.
Die Senkung und die marine Ueberflutung ging zum Teil schon vor dem Rückzuge bzw. wäh
rend des Rückzuges des Inlandeises vor sich. Deshalb wurden Moränen verschiedentlich im Meer
wasser niedergeschlagen. Im Bereiche des Hudsonmeers sprechen dafür die auffallend ebene und
regelmäßige Oberfläche der Grundmoräne verschiedener Gegenden südwestlich der Jameshai und die
gute Erhaltung der Oberfläche mancher Endmoränen, z. B. der, die sich von der Shamattawamündung
zum Severn zieht. Besonders interessant sind in dieser Hinsicht auch eigenartige Ablagerungen im
Süden der Jamesbai: ursprünglich marine Sedimente, die aber durch Zusammenknetung mit glazialem
Material ihren sedimentären Charakter verloren haben, Ablagerungen, die Tyrrell folgendermaßen er
klärt: 50 ) Das Labrador-Inlandeis habe auf seinem Rückzüge über das marin gewordene Jamesbaigebiet,
durch Wasserdruck schwebend gehalten, bereits niedergeschlagene Sedimente emporgehoben, mit süd
wärts getragen und unter seine eigenen Ablagerungen gemischt.
47 ) Dieses Gebiet ist ein berühmter Jagdgrund der Indianer von York-Faetory, ihnen bekannt unter dem
Xamen „Wachi“. (Berg.)
**) Hebe sieht (Labrador. Diss. Leipzig 1999, S. ÄO), auf Low fußend, in einer vom Südende der Jamesbai bis
über die Breite der Big Fluß-Mündung reichenden Insel reihe (mit Charlton als der größten), da sie „einen flachen,
nach Osten offenen Bogen“ bilden, Teilstiicke einer Stirnmoräne des Labrador-Inlandeises. Diese Ansieht ist zur
Zeit nicht zu halten; denn nach der nmtl. Seekarte des Hudsonmeers bilden die betr. Inseln keinen nach Oster),
eher einen nach Westen offenen Bogen, könnten also Toilstiieke einer Stirnmoräne des Patricia-Inlandeises sein.
* 9 ) .T. B. Tyrrell. Geol. Surv. nt Canada 1896, S. 1-lOff.
so ) J. B. Tyrrell 1912, 8. 40.