Aus dein Archiv der Deutschen Seewarte. — Nr. 1. 11)26.
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Für das Keewatin- und das Labrador-Inlandeis sind Wanderungen bemerkenswert: das erster«
lag nach J. B. Tyrreils Untersuchungen ursprünglich zwischen 100 und 104° westl. L. auf dem 64.°
u. B., nordwestlich des Baker- und nördlich des Doobauntsees; es zog sich, mit zunehmender Dicke des
Eises, näher zur heutigen Hudsonmeerküste: auf 100° w. L. und 62° n. Br. zwischen Doobauntsee und
-fluß einerseits und Yathkyed-See andrerseits; schließlich, beim Schwinden des Eises, ganz an die ge
genwärtige Küste, auf ungefähr 96° w. L. und 57° n. Br., südwestlich von Churchill. 4 42 ) Das Labrador-
Cent rum lag zuerst in der Mitte Südlabradors, zwischen 50 und 51° n. Br., dann nordwestlich davon in
54° n. Br., zuletzt noch weiter nordwestlich, zwischen 55 und 56° n. Br., ungefähr 185 km landeinwärts
von der heutigen Küste. Dagegen ruht e das Patricia-Ausstrahlungsoentrum nach den bisherigen
Forschungsergebnissen dort, wo es sich gebildet hatte: auf der Wasserscheide zwischen Hudsonmeer und
Oberem See, südöstlich des Trout-Sees, nach dem Albany zu.
Von sämtlichen 3 Gletscherzentren ging eine starke Eisbewegung in das alte Flußsammeloentrum
hinein. Das beweisen zahlreiche gut erhaltene Schrammen, zum Teil auch die Lagerung erratischer
Blöcke. 43 44 )
Südöstliches Ahfließen des „Keewatingletschers“ bezeugende Schrammen wiesen nach: Low
(1904) an den Ufern von Roes Welcome, bei Whale-Point und südlich bis Winchester-Inlet, J. B. Tyrrell
(1893 u. 94) im Innern des Chesterfield-Inlet, auf Bakers Forelanö, um Rankm-Inlet, Kap Jones, Cor-
bett-Inlet, in der üPistolbucht, der Whale-Cove, der Mistake-Bucht, dem Bawson-Inlet, am Ferguson- und
am Kazanflusse, am Yathkyed-See und an der Küste entlang bis Churchill. Desgleichen beobachtete
J. B. Tyrrell (1912) am Hayes beim „Rock“ ein südöstliches Vorrücken des Keewatin-Eises über «einer
westlichen Bewegung des Patricia-„Gletschers“.
Nordöstlich gerichtete Schrammen von abströmenden Eismassen des T’atricia-„Gletschers“ stellte
Tyrrell (1912) 52 km oberhalb «der Severnmündung bei den Limestone-Rapids und am Fawn-River fest.
Der Weg, der westlich und südwestlich abströmenden Massen «des Labrador-Eises ist besonders
bemerkenswert: Sie durchfurchten — etwa südlich der Breitenlinie von Churchill — das Gebiet des
heutigen Hudsonbeckens, besonders «der späteren Jamesbai, schoben sich weiterhin — durch den all
mählichen Anstieg nicht sonderlich gehindert — die devonischen und sibirischen Schichtgesteine und
schließlich noch das höhere archäische Areal ungefähr bis zur «heutigen Wasserscheide zwischen «dem
Hudsonmeer und «den Großen Seen hinauf, Ihr Vorwärtsdringen bezeichnen außer (den Schrammen, die
in der Regel die des Patricia-Gletschers überdecken, zahlreiche Geschiebe verschiedener Größe aus
charakteristischem Gestein «der Ostküste: dunkelgrauem, kieselhaltigen Felsit oder Grauwacke mit runden
Flecken, 41 ) niedergelegt und noch erhalten an der Churchillmündung, am unteren Nelson, in den
Blockriffen zwischen der Agoomska-In&el und der Küste, im Süden «der Jamesbai, in den Tälern des
4i ) J. B. Tyrrell. Geol, Surv. of Can. 1S97, Rep. on the Doobaunt ete. Die beigefügte Kartenskizze veran
schaulicht den Vorgang sehr gut. Haas führt (Pet. Mitt. 191)4) nur die ersten beiden Verschiebungen des Glet
schers an.
**) Gletscherschrammen-Tabellen sind sehr zahlreich in der Literatur. Besonders erwähnt seien nur:
a) Bell. Geol. Surv. of Can. 1877/78, S. 30 ff.
b) Uptiam. The Glacial Luke Agassiz. Mon. U. St. XXV, S. 633 ff.
c) J. B. Tyrrell. Geol. Mag. Scpt, 1894, S. 895 ff.
d> J. B. Tyrrell. Geol. Surv. of 1896, S. 179 ff.
e) Will. Mclnnes, The Weenisk River in the Keewatin District. Geol. Surv. of Can. 1902—03.
f) W. J. Wilson. Reconnaissance Surveys of 4 Rivers south—west of James Bay. Geol. Surv. of Can.
1902/03.
g) Low 1904, S. 231 ff.
h) J. B. Tyrrell 1912 u. a. 111.
44 } Nach Bell (Geol. Surv, of Can. 1871, S. 112) vor allem auf Long Island bei K«P Jones verkommend.