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Full text: 44, 1927

Studieurat Br. M a r g a rote G a 11 s: Bas Hudsonmeer, 
33 
Nach Upharas Ergebnissen zogen diesem Gebiete höchstwahrscheinlich folgende Stromläufe zu: 
Während des tertiären Cyklus (Pliozän) 1. die Wasser des Athabaska-Clearwater (Fluß und See) — 
Isle ä la Crosse — Churchill-Talzuges*’) und 2. die Wasser des Saskatohewan-Nelson-Tales; 31 * ) während 
des frühquartären Cyklus außerdem die Wasser des weit verzweigten Red River-Systems, (wozu ge 
hörten: a) der alte Missouri-Lauf 8i ) mit den 4 Zuflüssen: 33 * * Cannon Ball River, Grand und Moreau- 
River (zu jener Zeit ein Fluß), Sheyenne und White River, h) der Rainy River-Lauf), eines Riesen 
stromsystems, das sich nordwärts mit dem etwas älteren Nelsontale vereinigte, und durch dessen Ge 
walt das Becken des glazialen Agassizsees ausgefurcht wurde. 54 ) Bell rechnet auch die scharfen Kur 
ven des Kenogami einem Tale aus der Lafayette-Periode zu. Über südliche und östliche Zuströme 
fehlen noch jegliche Angaben. Es ist aber wahrscheinlich, daß während der beiden Erosionscyklcn 
auch die nordwestlichen Täler aus der vorpaläozoischen Zeit erneut ausgewaschen wurden. 
Alle voreiszeitlichen ostwärts ziehenden Ströme vereinigten sich offenbar auf dem Raume, den 
heute das Hudsonmeer überspült, zu einer gewaltigen Wasserader, die an der Nordwestecke Labra 
dors durch die damals ebenfalls auf dam Festlande liegende 33 ) Talung der Hudsonstraße nach dem 
Atlantischen Ozeane hinausfloß. Aus der Ansicht Lows, 36 ) daß die Niederung Richmondgolf—Ungava- 
bai im Norden Labradors — in der direkten Linie Nelsonmündung — Ungavabai gelegen — ein voreis 
zeitliches Flußtal darstelle, einer Ansicht, die durch die jüngst von James White ausgearbeitete Relief 
karte Kanadas 37 ) stark gestützt wird, ließe sich die Möglichkeit einer Stromteilung um eine vom 
äußersten Nordwesten Labradors gebildete Insel ableiten. 
Im Diluvium (Kartenskizze I) wurde das große ostkanadische Stromnetz unter der ge 
waltigen Masse des nordamerikanischen Inlandeises begraben, und zwar unter seiner östlichen 
Hälfte, der laurentischen Gletschergruppe (Laurentide group, Dawson). Charakteristisch und 
durchaus der unmittelbar vorausgehenden geologischen Entwicklung entsprechend ist nun die 
Tatsache, daß das Festlandsstück unter dem jetzigen Hudsonmeere innerhalb der laurentischen 
Gletschermasse kein Ausstrahlungscentrum bildete. A. R. Goidon 38 ) und Chamberlin 39 40 ) huldigten noch 
dieser irrigen Ansicht; sie wurde aber von Dawson 1888, von Bell 1889, J. B. Tyrrell 1895 und Low 1904 
widerlegt und überholt.' 10 ) Es lagen vielmehr 3 Aiisstrahlunigscentren oder „Inlandeise“ — in der nord- 
amerikanischen Literatur meist kurzweg „Gletscher“ genannt — rund um das Becken des heutigen Hud 
sonmeers herum: nach Alter und Lage zur heutigen Hudsonmeerküste: das Keewatin-, das Patricia- und 
das Labrador-Inlandeis. Das Keewatin-, das älteste, im Nordwesten und Westen lagernde, und das 
Labrador-, das jüngste, im Osten sich entwickelnde Gletschercentrum, waren schon den älteren Glazial- 
geologen bekannt; das Patricia-, nach der Zeit seiner Bildung die Mitte haltende, im Südwesten ausge 
breitete Gletsohercentrum, wurde erst 1912 durch J. B. Tyrrell entdeckt und in seinen mutmaßlichen 
Umrissen erforscht. 41 ) 
3<) ) Vgl. auch Bell 1882, S. 291. 
**) B. G. Connel wies lin South - Saskatchewan - Nelsontale Flttüablager u»gcu der Lafaycttc-Zeit, die sogen. 
„Saskatehewau-gravels“ nach. (Bull, of tlie Geol. Soc. of Am. V, 1894, S. 87—100.) 
**) Wahrscheinlich dem heutigen James-River oder BakotttJtiver entsprechend, mit Fortsetzung nach dein 
südlichsten Bogen des heutigen Sonris-River oder nach dem Sheyenne und dem Red River. 
**) Aus topographischen Gründen von Todd angenommen. 
3*) Eine Parallelerscheinung ist die ebenfalls früh-quartäre Ausfurchung des Mississippi-Tales südl. von 
Cairo: ein etwa 900 km langer, 60—90 in tiefer und durchschnittlich 110 km breiter Kanal. 
s3 ) Bell, Geol. Surv. of Can. 1898, S. 15. 
3®) Geol. Snrv. of Can. 1896, S. 40. 
37 ) White. A11 itudes in the Bominion of Canada. Geol. Surv. 745. Ottawa 1901. Biese Reliefkarte trennt durch 
einen breiten Streifen von nur 30—300 m Höhe etwa zwischen 61 und 56° n. Br. ein nordwestliches und südliches 
Gebiet von 300—1500 m Höhe. Man bedenke auch die Eintragung einer Wasserstraße in dieser Niederung auf 
früheren Hudsonmeerkarten. 
ss ) Rep. on tlie Hudson’s Bay Expedition 1884. 
■3») Beitrag zu J. Geikie’s „Great .lee Age“. 3. Ausg. London 1894, 8. 730. 
40 ) Vgl. auch Uebe, Labrador. Biss. Leipzig 1909, 8. 26, Anm. 1. 
41 ) Dawson, Low, Beekert, Chamberliii u. Salisbury wissen noch nichts von diesem Inlandeise. Dawson setzte 
also nur den Keewatin- und den Labrador-,.Gletscher“ unter der Bezeichnung „Laurentide group“ zusammen.
	        
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