Aus dem Archiv der Deutschen Seewürfe.
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— Nr. 1. 192«.
4) die Reise des Regierungseisbrechers Minto unter Kapt. F. Anderson 1912, die die endgültige
Vermessung und Durchforschung des Nelsonhafens vollbrachte und die bisher wertvollste, amtlich auf
der Seekarte von 1910 noch nicht verarbeitete Karte dieses Hafens lieferte, eine Expedition, die ferner
die Eisverhältnisse, die Küsten der Jamesbai, besonders die Mündungen der Flüsse (als Endpunkte für
Eisenbahnen!) den Wert des Hinterlandes und die magnetische Deklination im Hudsonmeere erkunden
ließ.
Im Hinblick auf den Bau einer Eisenbahn erforschte Owen O’Sullivan 1906 die Strecke zwischen
Split-Lake und Fort Churchill und W. Thibaudeau 1907 das Land zwischen Fort Churchill und The
Pas und zwischen Fort Churchill und Owl-River.
Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Forschungsreisen mit stark wirtschaftlichem Zwecke fin
den sich in den amtlichen Berichten der betreffenden Abteilungen, mit Karten und zahlreichen Tabellen.
An dritter Stelle lieferten mehrmals politisch orientierte Regierungsfahrten Material zu genauerer
wissenschaftlicher Erfassung des Hudsonmeers. Die große Neptune-Kreuzerfahrt Lows 1904, durch die
die arktische Inselwelt Nordamerikas offiziell für Großbritannien in Besitz genommen werden sollte,
verbesserte durch astronomische Nachprüfungen wesentlich das Kartenbild des nördlichen Hudson
meers. Die Küstenstrecken zwischen Chesterfield-Inlet und Wäger bucht, die Westküste der Sout
hampton-Insel, die Fisherstraße zwischen Southampton- und Coats-Insel und die Ostseite der Sout
hampton-Insel bis zum Seahorse-Point wurden genau festgelegt; die Walrus-Insel wurde im Gegen
sätze zu früheren Karten als eine Insel erkannt, die 120m hohe Nordspitze der Coats-Insel von Low
dem kanadischen Minister zu Ehren Kap Prefontaine getauft. Der mitreisende Geologe Ring stellte
auf der nördlichen Inselwelt wichtige geologische Untersuchungen an. Die gesamten Ergebnisse sind
als Einzelwerk mit wertvoller Karte erschienen. Besonders erfolgreich für die genaue Vermessung des
südwestlichen Hinterlandes war die im Aufträge der Provinz Ontario ausgeführte politische Reise
J. B. Tyrrells 1912 nach dem neugebildeten, 1912 von Manitoba an Ontario abgetretenen Distrikte
Patricia. 107 ) Es wurden erforscht und kartiert: der Echimamish, der Hayes von der Quelle bis zum
Shamattawa-River — von dort bis zur Mündung vermaß ihn dann L. B. Stewart —, der Shamattawa,
der Machichi, der Severn bis zum Trout-Lake und darüber hinaus. Am Cat-Lake wurde der Anschluß
an Vermessungen der kanadischen geologischen Landesaufnahme gewonnen. Die Ergebnisse brachte
der 22. Bericht des Ontario Bureau of Mines 1918 mit 2 Karten: eine vom Nelson und Hayes, die an
dere vom Reisegebiete Hudsonmeer bis Cat-Lake.
Schließlich ergaben Fahrten der amerikanischen Polarforscher und Thrantierjäger aus den Neu
englandstaaten einen gewissen Beitrag zur wissenschaftlichen Klärung d'es Bildes vom Norden des Hud
sonmeers. Neben mancher Einzelerrungenschaft ist das Hauptverdienst dieser Nordfahrer die endliche
wissenschaftlich genaue Festlegung der Southampton-Insel, deren Gestalt wie die keines andern
Stückes des Hudsonmeers auf den früheren Karten „amphibisch gewechselt hatte“. Der amerikanische
Polarforscher C. F. Hall bewies durch seine Fahrt durch die Fisherstraße als erster die große Zwei
teilung der bisher als eine Einheit angesehenen Southamptoninsel. Er nannte sie Nord- und Süd-
southampton-, letztere auch Coats-Insel. Halls Karte zeigt zum 1. Male diese Trennung. Allerdings
sind die Umrisse der Einzelteile bei ihm noch nicht völlig klar. Weiter trug Hall als erster den öst
lichen Ausgang der Fisherstraße, Evans Inlet, der bei Back bereits angedeutet wurde, in seine Karte
ein; die englische Admiralitätskarte nahm ihn 1884 auf. Doch wurde Hall auch der Urheber eines kar
tographischen Irrtums, indem er, den tatsächlichen Verhältnissen zuwider, im Nordosten der Southamp
ton-Insel eine Insel abtrennte. Diese hielt sich als Beil-Insel jahrzehntelang auf den Karten, ja bis in
die neueste Zeit. Low berichtigte 1903 diesen Fehler durch seine Landung bei Seahorse-Point. <Die
völlige Eisfreiheit der Fisherstraße brachte ihn auf die Vermutung, daß keine Meerenge zwischen
der Southampton- und der Beil-Insel vorhanden sein könne.) Die Kapitäne der beiden Walfischfänger
„Era“ und „Active“ bestätigten Lows Annahme durch einen Versuch, die vermeintliche Straße zu durch
107 ) Nach der Tochter des Generalgonverneurs, Earl Grey, von Kanada benannt.