Neumann, &.: Triftströmungen an der Oberfläche bei „Adlergrund“-Feuerschiff, 87
Bezeichnen wir, sO wie es Thoörade getan hat, den von der Theorie gefor-
derten und durch die Beobachtungen als konstant bestätigten Faktor X der
Kürze halber als „Windfaktor“, so erhält man als Mittelwert für die Windstärken
| bis 9 Beauf, nach Tab, 8 X =2,26-10-—*% und für die universelle Konstante
A = X Vsin eg = 2.04 + 1078
Für „Adiergrund“-Feuerschiff läßt sich also die Geschwindigkeit des Triftstromes
an der Oberfläche in Abhängigkeit von ‚dor Windgeschwindigkeit darstellen durch
A
° Ysin@ .
wobei man die Triftstromgeschwindigkeit s in cm/seo erhält, wenn man die Wind-
geschwindigkeit v in m/sec angibt.
In der Literatur sind des öfteren schon Werte für den Windfaktor i ange-
geben, die in den meisten Fällen aber bedeutend kleiner sind als der oben
angegebene Wert für „Adlergrund“-Feuerschiff. Dinklage, der in seiner Arbeit
wohl zum ersten Male die Ablenkung der Strömungen durch die Erdrotation
zahlenmäßig festgelegt hat, gibt nach Bearbeitung won 194 ausgewählten Strom-
beobachtungen an Bord des Feuerschiffes „Adlergrund“ folgende Tabelle:
Wind (Beanf) . 0—2 |25—8 | 3,5—4 | 4,55 | 5.5—6 | 6.5—7 | 7.5—8 | 8.5—9
| Strom (abgrdt.) km/24h. .] 3 | 5 | 7 1 wo 13 | 26 | 18 21
Diese Werte wurden nach der Köppenschen Skala Tabelle 9.
umgerechnet, um sie vergleichbar zu machen, Beziehung zwischen Windstärke und
Man erhält dann die in Tab. 9 gegebene Beziehung Stromgeschwindigkeit s bei F.-5,.
zwischen Wind- und Stromgeschwindigkeit, Sieht +»Adlergrund“ al Beobachtungen
man von dem ersten scheinbar unsicheren Wert von ARE .
ab, so erhält man einen Windfaktor i' = 1.4 + 10-2, * Windgeschw.| Strom |. _ 37,702
und die universelle Konstante wird 4 = 1,27 + 10—?, v m/i60 | 8 om/seo
also erheblich geringer als der von uns ange-
gebene Faktor. Zu ähnlichen Ergebnissen, wie
sie aus den Dinklageschen Beobachtungen ab-
geleitet wurden, gelangen auch andere Forscher,
deren Windfaktoren zum Vergleich in folgender
Tabelle angegeben sein sollen:
?
. 1
6.2 a 13
8.3 11.6 1.4
10.4 15.0 14
12.4 17.4 1.4
14.8 20,8 | 1.4
mA 94.3 1A
ü
Aw 108
——— -_
4quator, Atlantischer Ozean ‚Die Übereinstimmung inner
Seen („Adiergrun d:) fünf Windfaktoren ist als völlig
Finnischer Meerbusen befriedigend zu bezeichnen,
a — Kanaren — Kalifomn, namentlich wenn man bedenkt,
trom . daß die Voraussetzungen für
Botin- Mops {F.-S, „Finn. q;ja einzelnen Beobachtungen,
LA) zB. die Höhe der Windmes-
zungen, schr stark untereinander verschieden sein können. Diesen Windfaktoren
stehen aber zwei höhere Werte gegenüber! Die von Brennecke aus der Eistrift
der „Deutschland“ und aus direkten Stroammessungen mit dem Ekman-Strommesser
abgeleitete Beziehung zwischen Windstärke und Triftstromgeschwindigkeit ergab
als Windfaktor A4= 2.78 - 107% Brenneckes Wert übertrifft die oben genannten
Windfaktoren bedeutend, Um dieses abweichende Verhalten aufzuklären, hat
Thorade (10) die Ergebnisse Brenneckes noch einmal überprüft und insbesondere
das etwaige Vorhandensein eines Tiefenstromes nachzuweisen versucht, Er kam zu
dem Ergebnis, daß ein merklicher Tiefenstrom nicht vorhanden war und nach einer
anderen Erklärung für die verhältnismäßig starke Windwirkung gesucht werden
muß, So kann vielleicht der hohe Windfaktor dadurch erklärt werden, daß das
Eis dem Wind einen größeren Widerstand und damit Gelegenheit zu stärkerer
Energieübertragung bietet als die freie Wasseroberfläche, Auch der von Nansen
aus der Trift der „Fram*“ gefundene Wert ist erheblich größer als die in der
obigen Tabelle angegebenen Faktoren. Dieser Wert wurde ursprünglich von
Ekman, mit Rücksicht auf vorhandene Tiefenströme, reduziert und ergab