Dr. Heinrich Seilkopi: Grundzüge der Fiugmeteorologie des Luftweges nach Ostasien.
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Südostströmung, die durch Transbaikalien verläuft. An der Konvergenzlinie bildet sich am 26. ein Tief
über der Mandschurei aus, dem am 28. ein weiteres Tief von der östlichen Mongolei her folgt, wobei
der Zustrom kälterer Luft aus Nordwesten anhält. In diesen Tagen gingen in der Mandschurei starke,
zum Teil wolkenbruchartige Regen nieder. Am 30. Juli ist eine scharfe Gf ranze kalter und warmer Luft
längs des Nertschinsker Höhenrückens erkennbar: Tschita hat 14,8°, Sretensk 12,3°, während südlich
davon Nertschinski Zawod 18.6, Borsa 21.4, Mandsohuria 23.0 haben. Mit dem Vorrücken kalter Luft
meldet, zunächst Sretensk Niederschlag am 30. Juli früh, am 31. sodann Borsa, am 1. August Zizikar.
Mit dem Zurückweichen der G-renze zwischen warmer und kalter Luft nach Norden geht auch der
Niederschlagsstreifen wieder nordwärts. Am 2. hat Borsa, am 3. Sretensk und das Gebiet des nörd
lichen Amurbogens Regen.
Die Sommerniederschläge im mittleren und östlichen Sibirien und in der Mandschurei lassen sich
somit in vielen Fällen Tiefdruckgebieten oder Tiefausläufern zuordnen, die 3 verschiedenen Gruppen
angehören:
1. Eismeerdepressionen, die Ausläufer südost wärts entsenden,
2. Tiefdruckgebieten, die als Ausläufer des vorderasiatischen sommerlichen Tiefdruckgebiets von
Turkestan her nach Westsibirien in den Raum zwischen Ural und Altai vorstoßen.
3. Tiefdruckgebieten, die durch die Mandschurei mit nördlicher BeAvegungskomponente ziehen.
In anderen Fällen zeigt sich jedoch keine Beziehung zwischen den Niederschlägen und dem Luft
druckfelde. So lagen z. B. am 16. Juli (siehe Tafel X) und 18. Juli, als im Angara- und oberem
Lenagebiet und in Transbaikalien verbreitet Regen fiel, Hochdruckgebiete mit ihrem Kern zwischen
Angara und oberem Jenissei, während Tiefdruckgebiete erst in größerer Entfernung in Westsibirien,
der Mongolei und im Amurland waren.
Eindeutiger ist hingegen der Zusammenhang zwischen Kegenfällen und
Temperaturfeld der Luft: Niederschlagsfrei sind die Warmluftkörper, die
Regengebiete liegen im allgemeinen i nnerhalb der Kaltluft oder in Front der
K a 111 u f t a m Rande von Warmluftzunge n. Als Beispiel hierfür seien die Karten der Nieder
schlagsverteilung vom 16. und 17. Juli (Tafel XI und XII), die liegengebiete innerhalb der
Kaltluftkörper zeigen. Die Sommerregen im östlichen asiatischen Binnenlande
verdanken daher ihre Entstehung nicht der Konvektion, dem Aufsteigen
binnenländischer, am heißen Erdbode n erwärmter Luftmassen, sondern der
Verlagerung kalter und warmer Luftkörper, wie bei zyklonalem Regen
überhaupt. Die Warmluft stammt zum Teil ans dem stark erwärmten Inneren des Festlandes
und ist infolgedessen trocken. Zum Teil wird sie aber auch mit dem Südostmonsun vom chinesischen
Meere her nordwärts und nordwestwärts verfrachtet und dürfte dann im allgemeinen feucht sein. In
der Kaltluft nimmt gelegentlich, wenn sie über stark erwärmten Boden streicht, das vertikale Tempera
turgefälle zu, so daß sich Instabilitätssohauer bilden. Die Ö ommernieder schläge im östlichen
Sibirien, in der Mongolei und Mandschurei ergeben sich somit aus der
Wechselwirkung zwischen Druck- und Temperaturverhältnissen auf dem
erwärmten Festland und den um liegen den Meeren; sie tragen daher monsun
art i g es G e p r äg e. Infolge der starken Erwärmung bildet sich über dem großen Festlandblock tiefer
Luftdruck aus, dessen Kern über Turkestan liegt. Von dem sommerlichen Tiefdruckgebiet im Innern
dringen Ausläufer nachWestsibirien und nach der Mongolei, Mandschurei vor. Nach der westsibirischen
und nach der mandschurischen Tiefdruckmulde setzen Luftströmungen von den umliegenden Meeren ein.
Vom Eismeer fließt kalte Luft nach Süden und Südosten, von der Chinasee her wärmere Luft nach
Norden und Nordwesten. Daß die von dem sommerlichen Tiefdruck über dem Festlande angesaugten
Luftströmungen einerseits polare, andererseits subtropische Luftmassen binnenwärts schaffen, ver
wickelt thermische Verhältnisse und Niederschlagsbildung. Die Niederschläge tragen daher ein ande
res Gepräge als bei reiner Monsunströmung, die kühlere ozeanische Luftmassen auf erwärmtes Fest
land verfrachtet.