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Full text: 44, 1927

Dr. Heinrich Seilkopf: Grundzüge der Flugmeteorolo glo des Luftweges nach Ostasien. 
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der Umgebung und über dem S e e s p i e g e 1, der eine starke Beschleunigung der 
Strömung beim U e b e r t r i 11 von Land auf See bewirken muß. Dementsprechend wird 
das südliche Ufer von Südwest-, das nordwestliche und westliche Ufer von Nordweststürmen betroffen. 
Die Stürme gehören ablandigen Winden an, die diese Beschleunigung er 
leiden. 
3. Mandschurei und China. 
Mit Annäherung an die Küsten des Pazifischen Ozeans kommt der Luftweg bereits in den Be 
reich der ostasiatischen Sturmgebiete. Namentlich im Hochsommer und Frühherbst wird Ostasien von 
Wirbelstürmen heimgesucht, die als Taifune bekannt sind. Dem Orkangebiet entspricht im Luft 
druckfelde ein Tiefdruckgebiet, dessen Kern (Zentrum) relativ sehr niedrigen Luftdruck und nahezu 
oder sogar völlig Windstille aufweist. Dem Zentrum strömt die Luft von allen Seiten mit orkanarti 
ger Stärke zu. Bei der Manilazyklone vom 20. Oktober 1882 sind Windgeschwindigkeiten von 
54 m/sec. (195 km/Std.) vor Zerstörung des Windschreibers aufgezeichnet worden. Die ablenkende 
Kraft der Erdumdrehung lenkt den Wind nach rechts ab; wenn man sich mit dem Rücken gegen den 
Wind stellt, liegt das Zentrum des Sturmfeldes — um eine Faustregel zu geben — etwa 6 Strich links 
voraus, bei größerer Nähe 7 bis 8 Strich. Der Durchmesser des Sturmfeldes beträgt 200—1100 km. 
Im allgemeinen nimmt er während des Vorrückens nach Norden zu. Die in die Zyklonen einströmen 
den Luftmassen steigen über dem Sturmfelde auf und fällen hierbei ihre hohe Feuchtigkeit aus. In 
folgedessen bilden sich über dem Sturmfelde schwere Bänke dichter und hochreichender Wolken, aus 
denen, häufig unter Gewittererscheinungen, Regen niedergeht. Am Rande des Sturmgebietes ist es 
häufig zunächst noch feiner Staub- oder dichter Nebelregen. Mit weiterer Annäherung gehen aber 
Regenböen zunehmender Stärke nieder, bis schließlich aus sehr tief hängenden Wolkenmassen wolken 
bruchartiger Regen fällt, der an Land häufig schwere Überschwemmungen veranlaßt. Über den 
Bänken schweren Regengewölks liegt ein großer Schirm von Eiswolken, von Cirrus- und Cirro- 
Stratus-Wolken, der eine wesentlich größere Ausdehnung nach allen Seiten als Sturmfeld und Regen 
wolken hat und deshalb ein wesentliches Vorzeichen des nahenden Taifunes ist. Seine Eiskristall 
wolken bilden um Sonne und Mond häufig Ringe; seine intensive Beleuchtung in der Morgen- oder 
Abenddämmerung gilt ebenfalls als charakteristisch es Vorzeichen. Bei weiterer Annäherung des Orkan 
feldes folgt unter ihm eine Alto-Stratusdecke, die dichter und dichter wird, bis schließlich die dunk 
len Wolkenbänke des Taifuns selbst erscheinen. Über dem Zentrum des Taifuns brechen jedoch die 
unteren Wolkenbänke häufig auf, welche Erscheinung als das „Auge des Taifuns“ bekannt ist. Sie 
ist darauf zurückzuführen, daß im Zentrum des Sturmkörpers eine Stromröhre absteigender Luftbe 
wegung vorkommt, in der die Luft sich dynamisch erwärmt und die Wolken auflöst. Der Durchmesser 
des zentralen Stillengebietes beträgt etwa 15—30 km. 
Die mittlere jährliche Häufigkeit der ostasiatischen Taifune beträgt nach Newnham 46 ) 21.7. An 
der gesamten chinesischen Küste rechnet man durchschnittlich mit 16 Zyklonen im Jahre. 47 ) Über den 
jährlichen Gang ihrer Häufigkeit unterrichten nachstehende, auf verschiedene Zeiträume sich be 
ziehende Zahlentafeln: 
Monat 
I II 
III 
IV 
V 
VI 
VH 
VIII 
IX 
X 
XI 
XII 
Jahr 
Algué 18 ) 1880—1901 . . 
9 2* 
5 
10 
25 
41 
74 
74 
88 
65 
51 
24 
468 
Newnham 49 ) 1902—1918 
9 5* 
6 
11 
20 
18 
49 
74 
80 
47 
27 
22 
368 
46 ) E. V. Newnham, Hurricanes and tropical revolving storms. Geophysical Mémoires Nr. IS. London 1922, S. 308. 
*~) N. Fischer, Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbelstürme. A. d. Archiv <1. Deutsch. Seewarte 
1925, Nr. 1, S.. 21. 
4S ).T. Algué, Cyclones of the Far East, Manila 1904, S. 283. 
4# ) Newnham, a. a. O. S. 308.
	        
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