Dr. Heinrich Seilkopf: Grundzüge der Flugmeteorolo glo des Luftweges nach Ostasien.
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der Umgebung und über dem S e e s p i e g e 1, der eine starke Beschleunigung der
Strömung beim U e b e r t r i 11 von Land auf See bewirken muß. Dementsprechend wird
das südliche Ufer von Südwest-, das nordwestliche und westliche Ufer von Nordweststürmen betroffen.
Die Stürme gehören ablandigen Winden an, die diese Beschleunigung er
leiden.
3. Mandschurei und China.
Mit Annäherung an die Küsten des Pazifischen Ozeans kommt der Luftweg bereits in den Be
reich der ostasiatischen Sturmgebiete. Namentlich im Hochsommer und Frühherbst wird Ostasien von
Wirbelstürmen heimgesucht, die als Taifune bekannt sind. Dem Orkangebiet entspricht im Luft
druckfelde ein Tiefdruckgebiet, dessen Kern (Zentrum) relativ sehr niedrigen Luftdruck und nahezu
oder sogar völlig Windstille aufweist. Dem Zentrum strömt die Luft von allen Seiten mit orkanarti
ger Stärke zu. Bei der Manilazyklone vom 20. Oktober 1882 sind Windgeschwindigkeiten von
54 m/sec. (195 km/Std.) vor Zerstörung des Windschreibers aufgezeichnet worden. Die ablenkende
Kraft der Erdumdrehung lenkt den Wind nach rechts ab; wenn man sich mit dem Rücken gegen den
Wind stellt, liegt das Zentrum des Sturmfeldes — um eine Faustregel zu geben — etwa 6 Strich links
voraus, bei größerer Nähe 7 bis 8 Strich. Der Durchmesser des Sturmfeldes beträgt 200—1100 km.
Im allgemeinen nimmt er während des Vorrückens nach Norden zu. Die in die Zyklonen einströmen
den Luftmassen steigen über dem Sturmfelde auf und fällen hierbei ihre hohe Feuchtigkeit aus. In
folgedessen bilden sich über dem Sturmfelde schwere Bänke dichter und hochreichender Wolken, aus
denen, häufig unter Gewittererscheinungen, Regen niedergeht. Am Rande des Sturmgebietes ist es
häufig zunächst noch feiner Staub- oder dichter Nebelregen. Mit weiterer Annäherung gehen aber
Regenböen zunehmender Stärke nieder, bis schließlich aus sehr tief hängenden Wolkenmassen wolken
bruchartiger Regen fällt, der an Land häufig schwere Überschwemmungen veranlaßt. Über den
Bänken schweren Regengewölks liegt ein großer Schirm von Eiswolken, von Cirrus- und Cirro-
Stratus-Wolken, der eine wesentlich größere Ausdehnung nach allen Seiten als Sturmfeld und Regen
wolken hat und deshalb ein wesentliches Vorzeichen des nahenden Taifunes ist. Seine Eiskristall
wolken bilden um Sonne und Mond häufig Ringe; seine intensive Beleuchtung in der Morgen- oder
Abenddämmerung gilt ebenfalls als charakteristisch es Vorzeichen. Bei weiterer Annäherung des Orkan
feldes folgt unter ihm eine Alto-Stratusdecke, die dichter und dichter wird, bis schließlich die dunk
len Wolkenbänke des Taifuns selbst erscheinen. Über dem Zentrum des Taifuns brechen jedoch die
unteren Wolkenbänke häufig auf, welche Erscheinung als das „Auge des Taifuns“ bekannt ist. Sie
ist darauf zurückzuführen, daß im Zentrum des Sturmkörpers eine Stromröhre absteigender Luftbe
wegung vorkommt, in der die Luft sich dynamisch erwärmt und die Wolken auflöst. Der Durchmesser
des zentralen Stillengebietes beträgt etwa 15—30 km.
Die mittlere jährliche Häufigkeit der ostasiatischen Taifune beträgt nach Newnham 46 ) 21.7. An
der gesamten chinesischen Küste rechnet man durchschnittlich mit 16 Zyklonen im Jahre. 47 ) Über den
jährlichen Gang ihrer Häufigkeit unterrichten nachstehende, auf verschiedene Zeiträume sich be
ziehende Zahlentafeln:
Monat
I II
III
IV
V
VI
VH
VIII
IX
X
XI
XII
Jahr
Algué 18 ) 1880—1901 . .
9 2*
5
10
25
41
74
74
88
65
51
24
468
Newnham 49 ) 1902—1918
9 5*
6
11
20
18
49
74
80
47
27
22
368
46 ) E. V. Newnham, Hurricanes and tropical revolving storms. Geophysical Mémoires Nr. IS. London 1922, S. 308.
*~) N. Fischer, Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbelstürme. A. d. Archiv <1. Deutsch. Seewarte
1925, Nr. 1, S.. 21.
4S ).T. Algué, Cyclones of the Far East, Manila 1904, S. 283.
4# ) Newnham, a. a. O. S. 308.