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Full text: 44, 1927

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Aus dem Archiv der Deutscheu Seewarte. — 44. ltd. Heft 3. 
gleich lt je qm) kaum Bedeutung. Ein feiner Sprühregen, der die Sicht ganz bedeutend herabsetzt, da 
bei aber nur wenige Zehntel-mm Niederschlagsmenge liefert, ist für den Luftverkehr ungleich wichti 
ger als ein sommerlicher Platzregen mit Niederschlagsmengen von 10 mm in der Stunde oder mehr, der 
meist örtlich begrenzt ist und gegebenenfalls umflogen werden kann. Dagegen zeigt sich, daß die Zahl 
der Tage mit Niederschlag weit eher geeignet ist, als Ausdruck für die Beeinflussung des Luftver 
kehrs durch Niederschläge zu dienen. Bei der Untersuchung flugmeteorologischer Erfahrungen im 
nordwestlichen Deutschland hat sich beispielsweise ergeben, daß eine häufiger angetroffene Grenze 
zwischen Sohlechtwetter im Westen und besserem Wetter im Osten in Helknanns Klimaatlas von 
Deutschland 0 ) der Grenze zwischen Gebieten mit mehr als 180 Niederschlagstagen im Westen und 
weniger als 180 Niederschlagstagen im Osten entspricht. Eine auf der Nachtflugstrecke BeiTm-Königs- 
berg häufig zu beobachtende Wetterscheide bei Stargard und an dem Madüsee zeigt sich auf der 
gleichen Karte als Grenzlinie von 170 Niederschlagstagen im Jahresdurchschnitt. Das oft angetroffene 
Schlechtwettergebiet an der gleichen Strecke im Raume von Stolp-Lauenburg-Konitz wird durch das 
dort befindliche Gebiet mit mehr als 180 Niederschlagstagen charakterisiert. Einer relativ 
größeren Niederschlagshäufigkeit g ehteine relativ groß ereHäufigkeitsehr 
niedriger Wolken und her abgesetzter Sicht parallel, so daß dfie Anzahl der 
Nieder sch lag stage nächst der Nebelhäufigkeit räumlich wie zeitlich einen 
Maßstab für das Vorkommen von Schlecht wetter im fliegerischen Sinne bildet. 
Nach diesen heimischen Erfahrungen ist auch bei der Behandlung der Niedersohlagsverteilung 
am Luftwege nach Ostasien nur die Anzahl der Tage mit Niederschlag berücksichtigt. Weitere mete 
orologische Angaben werden nur anhangsweise gemacht, da sie bereits in klimatologisehen Werken 
eine ausführliche Darstellung gefunden haben und für den Luftverkehr von untergeordneter Bedeutung 
sind. 
Nicht geeignet zur Beurteilung durchschnittlichen Flugwetters ist die in Klimawerken oft ent 
haltene Angabe der heiteren und trüben Tage. An einem heiteren Tage, bei dem das Bewölkungsmittel 
der drei Beobaohtungstermine 2 Uo nicht überschreiten darf, ist in vielen Fällen infolge starker Böigkeit 
bei starker Sonneneinstrahlung ein wenig angenehmes Flugwetter und die Vertikalnavigation der 
Luftschiffe unter Umständen erschwert. Als trübe Tage werden in der Klimatologie ohne Rücksicht 
auf die Wolkenhöhe diejenigen gezählt, die eine mittlere Bewölkung von mehr als 8 /io aufweisen. An 
ihnen kann aber gegebenenfalls unter einer hohen Decke von Cirro-Stratus oder Alto-Stratus ideales 
Flugwetter herrschen. 
Mit der Darstellung der für den Luftverkehr wichtigen meteorologischen Zustände und Er 
scheinungen in Form von Mittel- und Grenzwerten ist jedoch die Aufgabe der Flugmeteorologie nicht 
erschöpft. Die Mittelwerte geben zwar die normalen regelmäßigen Verhältnisse wieder und können 
für Fragen der Wirtschaftlichkeit, der Flugplan-Aufstellung, der Organisation einer Flugstrecke weitere 
Bedeutung gewinnen. Bei der Durchführung des Luftverkehrs jedoch kommt es jeweils auf den Ein 
zelfall an. Und der kann vom Mittelwert bedeutend abweiohen. Für den Einzelfall ist eine Analyse 
der Wetterlage auf physikalischer Grundlage notwendig. Aufgabe der Flugmeteorologie ist es daher, 
die Schwankungen in der mittleren räumlichen und zeitlichen Verteilung der für den Luftverkehr wich 
tigen Witterungserscheinungen in Beziehungen zu setzen zu den Schwankungen des allgemeinen Strö 
mlings-, Temperatur- und Druckfeldes der Luft, zu denen die Analyse der Wetterlage führt. In vor 
liegender Untersuchung wird das namentlich in den Abschnitten über die jahreszeitliche Verteilung 
der Nebel und über die Stürme versucht. Auf diese Weise kann die Flugmeteorologie mitarbeiten, die 
Brücke zu schlagen zwischen der Wetterkunde im engeren Sinne (der sypnotischen Meteorologie), die 
sich mit der Untersuchung gleichzeitiger Witterungszustände und deren ursächliche Aufeinanderfolge 
beschäftigt, und der Klimalehre, die die bunten, wechselnden Bilder der Witterungszustände eines 
längeren Zeitraumes für einen Ort oder ein Gebiet zu einem Gesamtbilde vereinigt, wie es wiederholt 
®) G. Hellmann, G. v. Eisner, H. Henze, K. Knock, Klima-Atlas von Deutschland, Berlin 1921.
	        
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