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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

386 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1895. 
den täglich erscheinenden autographirten Wetterberichten, sowie in den Hamburger, 
Altonaer und Harburger Zeitungen veröffentlicht. Die Prognose für das nord- 
westliche Deutschland wird aufserdem noch im Sommer den Badedirektionen in 
Westerland (Sylt) und Norderney telegraphisch mitgetheilt. Fast sämmtliche 
in Deutschland ausgegebenen Wetterprognosen, seies, dafs diese von 
Instituten oder von Privaten herstammen, beruhen auf dem wetter- 
telegraphischen Material der Seewarte, wobei allerdings einige, namentlich 
solche mit Wettervorhersagen auf mehrere Tage voraus, den Intentionen der 
Seewarte nicht entsprechen. Prognosen, welche auf Mondeinflufs, oder Einflufs der 
Bisverhältnisse des Oceans und dergl. begründet sind, die der wissenschaftlichen 
Grundlage entbehren, kommen hier gar nicht in Betracht. 
Der autographirte Wetterbericht, welcher eine tabellarische Ueber- 
zicht der Beobachtungen am Morgen, Nachmittag und Abend, eine graphische 
Darstellung der Aufzeichnungen der Registrirapparate an der Seewarte, und drei 
kartographische synoptische Karten der meteorologischen Elemente für Morgen, 
Nachmittag und Abend enthält, wird schon morgens beim Beginn des Dienstes 
in Angriff genommen, nach 4!/2 Uhr der Druckerei der Seewarte übergeben und 
gelangt dann etwa um 7 Uhr abends durch die Post zur Beförderung. Nur die 
Sonntagskarte wird erst am Montag angefertigt und wird dann gleichzeitig mit der 
Montagsnummer zur Versendung gebracht. Diese Wetterberichte gelangen erst 
einen oder zwei Tage nach dem Tage, worauf sie sich beziehen, in die Hände des 
Publikums und verlieren so bedeutend an praktischem Werth. Wie auf einem 
einfachen Wege hier ein Ersatz gegeben werden kann, habe ich im vorigen 
Hefte dieser Zeitschrift, Seite 334 ff., ausführlich gezeigt. Die Wetterkarten der 
Seewarte bilden eine sehr schätzbare Grundlage für wissenschaftliche Unter- 
suchungen und sind durchaus geeignet, beim Publikum alte unhaltbare An- 
schauungen zu verdrängen und durch richtige Ansichten zu ersetzen. Es ist nur 
zu bedauern, dafs dieselben nur eine sehr beschränkte Verbreitung finden, ein 
Umstand, welcher wenigstens zum grolsen Theil durch den sehr hohen Preis bedingt 
ist.!) Gegenwärtig, wo das Interesse an der ausübenden Witterungskunde beim 
Publikum immer mehr an Ausbreitung und Popularität gewinnt, erscheint es noth- 
wendig, die Witterungsberichte (namentlich die kartographischen) dem grofsen 
Publikum leicht zugänglich zu machen, und hierzu eignet sich naturgemäfs am 
besten die Tagespresse. In der That mufß man anerkennen, dafs für Popularisirung 
der praktischen Witterungskunde die Tagespresse am meisten gewirkt hat. 
Der Abenddienst, welcher lediglich nur im Interesse des Sturm- 
warnungswesens eingerichtet ist und sich dementsprechend nur auf die 
anruhigere Jahreszeit von Mitte September bis Ende April beschränkt, erstreckt 
sich auf die Abendzeit etwa von 8'/3 bis 9'/a Uhr. Dieser Dienst verläuft mit 
grofser Regelmäfsigkeit, indem die Telegramme in der Regel pünktlich und in 
anunterbrochener Reihenfolge einlaufen, so dafs die Eintragung der Depeschen 
in die Tabellen und in die Arbeitskarten, sowie die sonstigen dienstlichen Arbeiten 
verhältnifsmäfsig rasch erledigt werden. 
Der eben besprochene regelmäfsige Wetterdienst in Abtheilung III der 
Seewarte wird, wie bereits oben bemerkt, nicht selten, insbesondere in der un- 
ruhigeren Jahreszeit, hauptsächlich durch die eine Vermehrung des Depeschen- 
verkehrs bedingende Ausgabe von Sturmwarnungen, welche je nach Bedürfnifs 
in allen Dienststunden abgegeben werden können, erheblich modificirt, so dafs 
manchmal eine Ausdehnung des Dienstes über die normale Dienstzeit, und in- 
[olgedessen eine mehr oder minder erhebliche Verspätung der anderweitigen 
Depeschen nicht vermieden werden kann, indem Sturmwarnungen vor allen 
äbrigen Depeschen in der Beförderung naturgemäfs bevorzugt werden müssen. 
Bezüglich der kartographischen Verarbeitung des Depeschenmaterials sei 
noch bemerkt, dafs die einzelnen wettertelegraphischen Systeme erheblich grofse 
Abweichungen zeigen, die besonders dann unbequem und störend sind, wenn man 
bei den synoptischen Studien gezwungen ist, Wetterkarten verschiedener Länder 
!) Der jährliche Abonnementspreis beträgt für die Wetterberichte der Central-Institute: 
zu Hamburg 60 Mk., München 18 Mk., Chemnitz $ Mk., London 20 Mk., Paris 28,8 Mk., Brüssel 
9,60 (auswärtige 24) Mk., Zürich 9,60 Mk. (halbjährlich 6,40 Mk.), Rom 20 Mk. (fürs Ausland 
37,50 Mk.), St. Petersburg 38,88 Mk. (Ausland 59,92 Mk.), Hierbei ist natürlich Umfang und Aus- 
stattung in Betracht zu ziehen.
	        
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