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Full text: 44, 1927

Studienrat l)r. Margarete Gaus: Das ilmlsonmcer 
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mit wertvoller Ladung zu einer ¡bestimmten Zeit und möglichst schnell durch eine eisgefährdete Meeres 
straße zu führen. 
Infolge 'des nicht besonders günstigen Ergebnisses der Hauptforschungen kam die Entwicklung 
des Hudsonfoaiweg-Problems auch durch die zweite Periode praktisch nicht vorwärts. Allerdings schien 
sich wenigstens der Gedanke, daß ein neuer Weg neben den beiden bestehenden tatsächlich vonnöten 
sei, doch schon Bahn zu brechen. Das offenbart ein interessanter Komprootnißplan der Stadt Quebec: 
die überschüssigen Erzeugnisse des Westens sollten von Winnipeg mit einer Eisenbahn zur Jamesbai, 
dann zu Schiff an deren Südküste zur Noddawai-Mündung, schließlich mit einer Eisenbahn durch das 
Noddawai- und das Chamouchouan-Tal nach Quebec befördert werden. (Ausbau der Quebec—St. John- 
See-Eisenbahn!) Quebec würde Sommer-, Louisburg Winterhafen sein. Dazu sollten noch die Erträge 
des Walfangs im Norden und Nordwesten de® Hudsonmeers nach der Noddawai-Mündung gelenkt wer 
den, wobei statt einer Ladung in zwei Jahren, wie auf dem Weg© durch die Hudsonstraße, zwei Ladun 
gen in einem Jahre, nämlich der Frühjahrs- und der Herbstfang, versandt werden könnten. Die Haupt- 
träger dieser Idee sind O’Sullivan, der Inspector of Surveys für die Provinz Quebec, ferner M. Baillargé, 
sowi© die Handels- und Finanzkreise Quebecs. 48 ) Selbstverständlich ist dieser Plan stark ein Ausfluß 
lokalprovinzialer Selbstsucht, der Sorge, in Zukunft umgangen und kalt gestellt werden zu können. Das 
zeigt die durchaus nicht einwandfreie Begründung: das Hudsomneer mit seinen Schätzen und dem 
Reichtum© seines Hinterlandes sei von Natur aus dem Hafen Quebec tributpflichtig; der Lorenzstrom 
sei von Quebec aus das ganze Jahr hindurch schiffbar; der kürzeste, bequemste und praktischste Weg 
vom Hudsonmeere nach dem Atlantischen Ozean führe über Quebec! Auch die Entfernungsangaben sind 
zu Gunsten Quebecs umgebogen. Andrerseits war durch den beispiellosen Erfolg der Bahn von Quebec 
zum St. John-See 46 47 ) aber auch das Selbsfbewußtsein der Stadt Quebec sehr gewachsen. 
Die Quebecer Geographische Gesellschaft -beantragte, daß die neue Bahn lieber im Hannahfluß- 
als im Nod'dawaitale angelegt werden möchte; und die Dampfschiffahrtsgesellsoh-ait der Stadt Montreal 
zeigte sich aus naheliegendem Grunde feindlich gegen das ganze Quebecer Projekt. 
Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts trat die Frage des Hudsonhaiwegs wiederum 
in ein neues, das dritte Stadium. ’ Die Ausfuhrnot der Farmer wurde unerträglich, und den Für 
sprechern kam das Problem einfach folgendermaßen zu liegen: Wenn auch keine ideale Ausfahrt durch 
die Hudsonstraße gegeben ist-, so ist es doch wenigstens eine fertige Ausfahrt und besser als keine. 
Das Getreide gelangt Anfang September in die Elevatoren, so stehen noch ungefähr sechs Wochen zur 
Verfügung. Lieber ein gewisses Risiko in Kauf nehmen als das Getreide dem Verfaulen pred-sgeben und 
somit die landwirtschaftliche Entwicklung Innerkanadas unterbinden. Da überdies die Pelze -schon Ende 
Juli, die Erträgnisse der Fischerei Ende Juli und im August zum Abtransport bereitstehen, kann vom 
September ab der verfügbare Schiffsraum nur für das Getreide genommen werden. 
Wichtig für die dritte Entwicklungs-Periode des Problems war Bell-s neue Schrift: „The Hudson 
Bay Route to Europe“, gelesen vor der geographischen Sektion des Winnipeg Meeting of the British 
Association, im August 1909. 48 ) Der darin enthaltenen nochmaligen Abrechnung mit der Gegnerschaft 
des Hudsonbaiwegs hätte es freilich nicht mehr bedurft. Denn eben die Tatsache, daß die meteorolo 
gischen Verhältnisse der Hudsonstraße der Schiffahrt nicht völlig ungefährlich sind, muß bewirken, daß 
immer nur ein Teil, und zwar der überschüssige, durch sie zum Abtransport gelangen kann, der 
Hauptteil wird immer den alten Wegen erhalten bleiben. Der aufreizende Gedanke der Konkurrenz 
weicht so von seihst dem einer beiden Parteien gerecht werdenden Arbeitsteilung. Dazu wurde um 
jene Zeit in Kanada mehr und mehr bekannt, daß die in den 90er Jahren wieder aufgenommenen Sibi 
46 ) Der Ranze Plan ist ausführlich dargelegt im Bull, de la Société de Géographie de Québec 1893—97 (Seite 
101 ff.) in verschiedenen Aufsätzen über die Erforschung des Südens der Jamesbai und wertvollen Zeitungsartikeln 
zn den Eisenbahnfragen. 
47 ) Bull, de la Soc. de Géogr. de Québec, S. 78 ff. 
4S ) The Scott. Geogr. Mag. 26, 1910, S. 67 ff. (Mit Karte und Illustrationen.)
	        
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