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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1925. Heft 3.
Veränderlichkeit, die bei den Aufstiegen auf fahrendem Schiff naturgemäß recht erheblich sein können.
Die Verfasser möchten deshalb empfehlen, da sich eine längere Unterbrechung der Reise, wie in dem
vorliegenden Fall, in der Regel nicht durchführen lassen wird, wenigstens den Hafenaufstiegen größeres
Gewicht beizumessen, als es bisher geschehen ist.
Die Erwartungen, welche hinsichtlich der Möglichkeit der Durchführung aerologischer Flüge mit
dem Aufenthalt bei der Scadta verknüpft waren, haben sich in reichem Maße erfüllt. Jede Gelegenheit,
an einem Fluge teilzunehmen und ihn aerologisch zu verwerten, wurde von den Verfassern ausgenutzt.
Da die Benutzung von Registrierinstrumenten bei Verkehrsflugzeugen naturgemäß mit gewissen Schwierig
keiten verbunden ist, wurde die Zuverlässigkeit von Temperatur- und Feuchtigkeitsmessungen mit dem
Assmann’schen Psychrometer durch unmittelbare Ablesung im Flugzeug, und zwar gleichzeitig auf Back-
und Steuerbordseite, und durch Vergleich mit den Registrierungen eines Meteorographen systematisch
untersucht. Nachdem festgestellt war, daß die Augenablesungen an Instrumenten befriedigende Ergebnisse
erbringen, wurde allgemein zur unmittelbaren Beobachtung übergegangen. Es hat sich herausgestellt,
daß das bekannte Junkers-Verkehrsflugzeug (im allgemeinen) keine störungsfreien Beobachtungen durch
unmittelbare Ablesung des Aspirations - Psychrometers ergibt, dagegen das Dornier-Wal-Großflugboot in
dieser Hinsicht einwandfreie Resultate liefert. Die Expedition hat es sehr günstig getroffen, daß die
Probeflüge mit dem neu in Dienst gestellten Dornier-Wal-Flugboot »Atlantico« gerade während der An
wesenheit der beiden Verfasser ausgeführt wurden. Auf diese Weise war es möglich, zahlreiche einwand
freie aerologische Messungen auf diesen Flügen zu erhalten, die bis zu einer Höhe von 3000 m ausgedehnt
werden konnten. Die persönliche Teilnahme an den Flügen hat auch eine besonders eindrucksvolle Vor
stellung von der verschiedenartigen Wolkenbildung über See, auf Land und über dem Strom gewährt.
Nach Abschluß der Probeflüge wurde das Flugboot »Atlantico« auf eine längere Flugexpedition nach
Maracaibo in Venezuela und der holländischen Insel Curagao geschickt. An dieser Expedition nahm als
Meteorologe Prof. Georgii teil. An Bord des Flugzeuges wurde eine vollständige Pilotausrüstung ein
schließlich Wasserstoffgas mitgeführt, um gleichzeitige Messungen mit den inzwischen von Dr. Seilkopf
in Barranquilla weitergeführten Höhenaufstiegen zu erhalten. Die erste Flugetappe des »Atlantico« führte
von Barranquilla an der schneebedeckten Sierra Nevada de Santa Marta entlang, über die Halbinsel
Goajira nach Maracaibo. Hier wurde ein mehrtägiger Aufenthalt genommen, der zur Durchführung von
Pilotvisierungen und aerologischen Flügen über dem Golf von Maracaibo ausgenutzt wurde. Überraschend
war die große innere Luftruhe, die auf den Flügen über Maracaibo trotz der starken Hitze bei heiterem
Wetter festgestellt wurde. Auch bei Flügen in ganz geringer Höhe wurden keine merklichen Böen gefühlt.
Die gleiche Erscheinung war übrigens auch schon bei den Flügen in Barranquilla aufgefallen.
Von Maracaibo führte die Flugexpedition längs des Golfes von Venezuela über den Isthmus von
Paraguana und das Caribische Meer nach der holländischen Insel Curagao. Dank des liebenswürdigen
Entgegenkommens des Königlichen Niederländischen Gouverneurs war in Curagao Gelegenheit geboten,
die Öffentlichen Einrichtungen der Insel kennenzulernen und namentlich eine Zusammenarbeit mit dem
dortigen meteorologischen Observatorium, dessen Beobachtungen und Höhenwindmessungen von Herrn
Jacobs ausgeführt werden, zu vereinbaren. Die sonst in den Tropen angetroffene geringe Böigkeit der
Luft herrschte nicht über Curagao vor. Bei Annäherung an die Insel und namentlich kurz vor der
Landung wurde das Flugboot in geradezu bedenklicher Weise herumgeworfen. In der Hauptsache
waren es schwere Fallböen, die das Flugzeug herabdrückten. Der Anflug von Curagao erfolgte auf der
südlichen, d. h. der Leeseite der Insel. Die Ursache der starken Luftunruhe dürfte in der Ausbildung
starker Leewirbel und in Fallwinden des auf der Luvseite und über der Insel gehobenen Passates zu
suchen sein. Die aerologischen Messungen während dieses Fluges ergaben auch in diesem Gebiete einen
Temperaturgradienten >• 1° auf 100 m. Von Curagao erfolgte die Rückkehr der Flugexpedition nach
Barranquilla. In fünfstündigem schönem Fluge über das Caribische Meer und längs der Sierra Nevada
de Santa Marta wurde diese etwa 750 km lange Strecke zurückgelegt. Nach Beendigung der Flug
expedition blieb nur noch kurze Zeit für die Arbeiten bei der Scadta, zu denen inzwischen auch noch
ein eingehender meteorologischer Unterricht der Flugzeugführer gekommen war. Es wurde mit der Scadta
vereinbart, daß der Aufenthalt unserer Expedition bis zum 16. Juli, dem Tage der Ankunft des