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Full text : 43, 1925

Walter  Georgii  und  Heinrich  Seilkopf:  Ergebnisse  einer  flugwissenschaftlichen  Forschungsreise  nach  Columbia  (S.  A.)  7

Verlauf  der  Reise  wurden  noch  mehrfach  derartig  typische  Böen  beobachtet.  Hinter  Trinidad  wurde
unter  11°  N.  Br.  und  63°  W.  Lg.  am  Morgen  und  Vormittag  noch  einmal  lang  andauernder  Regenfall
angetroffen.  Der  Regen  hatte  zunächst  ganz  die  Form  unserer  Sprühregen.  Erst  nach  ungefähr  zweistündiger ­
  Dauer  traten  Gewittererscheinungen  auf  und  der  Niederschlag  ging  in  Platzregen  über.  Wieder
wurde  also  ein  ähnlicher  Verlauf  der  Witterungserscheinung  beobachtet,  wie  wir  ihn  in  unserm  Klimagebiet
gewöhnt  sind,  und  zwar  anfänglich  lang  anhaltender  Aufgleitregen,  der  schließlich  in  Einbruchsregen
übergeht.  Die  weitere  Fahrt  der  »Teutonia«  verlief  nun  längs  der  Nordküste  von  Südamerika.  Am
6.  Juni  wurde  La  Guayra,  der  Hafen  von  Caracas,  am  7.  Juni  Puerto  Cabello  und  am  8.  Juni  die  holländische
Insel  Curaqao  erreicht.  Obwohl  gerade  die  Regenzeit  vorherrschte,  wurden  in  diesem  Gebiet  keine
weiteren  Regenfälle  angetroffen.  Die  Witterungs  Verhältnisse  bereiteten  uns  Meteorologen,  die  wir  gerade
eine  eigene  Anschauung  von  der  tropischen  Regenzeit  gewinnen  wollten,  entschieden  eine  Enttäuschung.
Eine  eindrucksvolle  Vorstellung  von  der  Eigenart  tropischer  Regenfälle  kann  man  wohl  auch  in  diesem
Küstengebiet  schwerlich  erhalten,  das  im  Vergleich  zu  den  normalen  tropischen  Regengebieten  einer  recht
ausgeprägten  Trockenzone  angehört.  Caracas  hat  trotz  seiner  Höhenlage  (1040  m)  im  Mittel  nur  900  mm
Niederschlag,  Curagao  hat  nach  langjährigen  Beobachtungen  nur  eine  mittlere  jährliche  Niederschlagsmenge
von  551  mm  und  dürfte  wohl  die  größte  Trockenheit  in  diesem  Gebiet  aufweisen.  Den  Niederschlagsabweichungen ­
  entsprechend  war  auch  die  Himmelsansicht  in  diesem  Gebiet  durchaus  nicht  tropisch.
Hochtürmende  Cumuli  fehlten  so  gut  wie  ganz.  Vorherrschend  waren  hohe  Wolken,  Cirro-Stratus  und
Alto-Cumuli,  in  den  tieferen  Schichten  außerdem  Strato-Cumuli  und  schwach  entwickelte  Cumuli  in  geringer
Höhenlage.  Die  Vegetation  bestätigt  diese  abweichenden  Klimaverhältnisse.  Die  tropische  Üppigkeit
des  Pflanzenwuchses  fehlte  in  auffallender  Weise.  Namentlich  herrscht  auf  Curagao  der  Trockenheit  entsprechend ­
  Dornbusch-  und  Kaktus-Vegetation  entschieden  vor.
Am  10.  Juni  erreichte  die  »Teutonia«  Puerto  Colombia,  den  Seehafen  von  Barranquilla  und  damit
das  vorläufige  Ziel  der  Expedition.  Bald  nach  der  Ankunft  des  Dampfers  kam  von  Barranquilla  ein
Flugzeug  mit  Herrn  Fritz  Hammer,  den  technischen  Direktor  der  Deutsch-Columbianischen  Luftverkehrsgesellschaft ­
  Scadta  an  Bord.  Mit  ihm  wurden  zunächst  die  Einzelheiten  der  weiteren  Tätigkeit
der  Expedition  besprochen  und  ein  Aufenthalt  von  fünf  Wochen  bei  der  Scadta  vereinbart.  Mit  dem
Flugzeug  erfolgte  alsdann  die  Übersiedlung  der  Expeditionsmitglieder  von  Bord  der  »Teutonia«  nach
Barranquilla,  dem  Standort  der  Scadta.  Herrn  Kapitän  Langer,  der  während  des  Aufenthaltes  der
Expedition  an  Bord  der  »Teutonia«  die  wissenschaftlichen  Arbeiten  in  weitgehendstem  Maße  erleichtert
hat,  sei  auch  an  dieser  Stelle  für  seine  Liebenswürdigkeit  besonders  gedankt.
Nach  der  Überführung  der  Instrumente  nach  dem  Flughafen  der  Scadta  in  Barranquilla  konnte
dort  am  13.  Juni  die  regelmäßige  Arbeit  wieder  aufgenommen  werden.  Wie  an  Bord  des  Schiffes  bestand
sie  zunächst  in  der  Durchführung  von  täglich  zwei  Höhenwindmessungen.  Die  günstigen  Wind-  und
Bewölkungsverhältnisse,  welche  während  des  Aufenthaltes  in  Barranquilla  herrschten,  förderten  diese  Arbeit
sehr  und  ermöglichten,  eine  Reihe  sehr  hoher  Aufstiege  zu  erhalten,  die  überaus  wertvolle  Ergebnisse
für  die  allgemeine  Zirkulation  der  Atmosphäre  erbrachten,  indem  sie  die  gerade  für  dieses  äquatornahe
Gebiet  noch  ungelöste  Frage  des  Antipassates  wesentlich  klärten  und  Aufschluß  gaben  über  die  Existenz
einer  weiteren  Höhenströmung  passatischen  Charakters,  die  als  sogenannter  Oberpassat  in  Höhen
über  19  km  angetroffen  wird.  Die  vorliegende  Expedition  hat  von  den  verschiedenen  Passatreisen  der
Deutschen  Seewarte  zum  ersten  Male  längeren  Aufenthalt  an  einem  Orte  genommen.  Es  hat  sich
herausgestellt,  daß  diese  Methode  gegenüber  der  früheren,  bei  welcher  das  Hauptgewicht  auf  die  Seeaufstiege ­
  gelegt  wurde,  entschiedene  Vorteile  hat.  Einmal  ist  es  auf  diese  Weise  möglich,  eine  wesentlich ­
  größere  Zahl  sehr  hoher  Aufstiege  zu  erhalten,  deren  Bedeutung  in  den  vorliegenden  Ergebnissen
deutlich  genug  hervortritt.  Nur  unter  besonders  günstigen  Bedingungen  dürfte  es  auf  See  möglich  sein,
Aufstiege  von  10  bis  15  km  Höhe  zu  erhalten.  Im  äquatornahen  Gebiet  genügt  aber  für  die  wichtigen
Fragen  der  allgemeinen  Zirkulation  noch  nicht  einmal  diese  Höhe,  sondern  hier  sind  Aufstiege  über
20  km  Höhe  erforderlich.  Diese  dürften  aber  vom  fahrenden  Schiff  aus  äußerst  selten  durchführbar  sein.
Weiter  ist  hervorzuheben,  daß  die  Serienaufstiege  an  einem  festen  Orte  insofern  ein  klareres  Bild  ergeben,
als  sie  nur  die  zeitlichen  Veränderungen  der  Windströmungen  aufweisen,  aber  frei  sind  von  der  örtlichen
            
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