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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1925. Heft 3.
Station auf dem Peilkompaßdeck des Dampfers konnte am 22. Mai mit den regelmäßigen meteorologischen
Terminbeobachtungen um 7 h a, 2 h p und 9 h p begonnen werden. Außer den eigentlichen Termin
ablesungen wurden noch stündliche Wolkenbeobachtungen (Wolkenart und Bewölkungsstärke) vorgenommen
und während der ganzen Reise fortgeführt, um auf diese Weise ein möglichst genaues Bild des Wolken
himmels in den verschiedenen Klimagebieten der Reise zu erhalten. Die Aufzeichnungen des meteorolo
gischen Tagebuches und die Wolkenbeobachtungen sind in Tabelle 1 (Anhang) wiedergegeben. Mit den
Pilotaufstiegen konnte zunächst noch nicht begonnen werden. Unmittelbar nach Verlassen des Kanals
setzte Wetterverschlechterung ein, die vom Abend des 22. Mai bis zum Vormittag des 24. Mai starken
Sturm mit fast anhaltender Windstärke 10 brachte. Erst am 25. Mai unter 41° N. Br. und 22° W. Lg.
hatte sich die Wetterlage soweit gebessert, daß mit den regelmäßigen Pilotaufstiegen begonnen werden
konnte. Die ersten Höhenwindmessungen gehören noch dem Westwindgebiet an. Im Grenzgebiet
zwischen Westwindzone und Passat, in dem sich die »Teutonia« vom 25. bis 27. Mai befand, wurde eine
auffallende Nebelerscheinung beobachtet. Sowohl am Nachmittag des 25. Mai als auch am 26. Mai zu
der gleichen Zeit fiel nach vorher heiterem bis wolkigem Wetter plötzlich dichter Nebel ein, der sich
nicht gleichmäßig über ein größeres Gebiet erstreckte, sondern, in parallele Bänke gegliedert, in regel
mäßigen Abständen wiederkehrte. Diese Nebelbildung ist insofern von besonderem Interesse, als sie
entgegen unseren Erfahrungen zur Zeit des Temperaturmaximums einsetzte und anscheinend eine
charakteristische Erscheinung dieses Gebietes bildet. Auf der Ausreise wurde der Nebel im Gradfeld 41°
bis 39° N. Br. und 22° bis 25° W. Lg. festgestellt. Auf der Rückreise wurde die gleiche Erscheinung
am 23. August unter 41° N. Br. und 27° W. Lg. beobachtet. Nachdem die Insel Terceira von der
mittleren Azorengruppe am 26. Mai passiert war, erfolgte am 28. Mai der Eintritt in das Passatwindgebiet
unter 33° 3T N. Br. und 35° 57' W. Lg. In der Höhe hatte sich der beginnende Passatwind bereits am
Vortage kenntlich gemacht, indem die am Boden noch vorherrschende Nordwestströmung mit zunehmender
Höhe mehr auf Nord und Nordost drehte. Die folgenden Seereisetage vom 28. Mai bis 3. Juni im
Passatgebiet des Nordatlantischen Ozeans bildeten entschieden den eindrucksvollsten und schönsten Teil
der Atlantikfahrt. Mit der Klarheit des Himmels, nur unterbrochen durch die auffallend plastisch
erscheinenden Passatcumuli, die auch noch in scharfer Umgrenzung aus der Kimm herauswuchsen,
stand die tiefe Bläue des Meeres und die die Passatdünung krönenden weißen Schaumkämme in schöner
Harmonie. Die Passatschauer, die man vielfach aus einzelnen Cumuluswolken niedergehen sah, konnten
diesen allgemeinen Eindruck des Schönwettergebietes nicht stören. Allgemein machte sich eine Tendenz
der größten Bewölkungsstärke und Niederschlagshäufigkeit in der zweiten Nachthälfte und am Vormittag
bemerkbar. Während der Fahrt durch das Passatgebiet waren die Bedingungen für die Höhenwind
messungen und Strahlungsbeobachtungen verhältnismäßig günstig; da die Passatrichtung mit dem Kurs
des Dampfers annähernd übereinstimmte, konnten auch verhältnismäßig hohe Pilotvisierungen erreicht
werden. Am 3. Juni unter 13° N. Br. und 58° W. Lg. änderte sich der Witterungscharakter auffallend,
die Temperatur wurde drückend, die absolute Feuchtigkeit stieg vom 2. zum 3. Juni von 17,6 auf 21,0. Die
Bewölkungsstärke, Niederschlagsdauer und Intensität wuchs erheblich. Das eigentliche tropische Gebiet
war hiernach erreicht. Der Übergang vom subtropischen ins tropische Passatgebiet war demnach nicht
minder scharf im Gang der Witterungserscheinungen kenntlich, als der Übertritt von der Westwindzone
in die Passatregion. Namentlich im Gang der Strahlungsmessungen tritt der Einsatz des tropischen
Klimagebietes sehr scharf hervor. Die Pilotvisierungen, die während der Durchquerung des Passatgebietes
an Bord der »Teutonia« täglich zweimal am Vor- und Nachmittag ausgeführt wurden, erreichten an
zwei Tagen größere Höhen, und zwar am 29. Mai 9300 m und am 30. Mai 7200 m. Am 4. Juni erreichte
die »Teutonia« Trinidad und den Hafen Port of Spain. Die aufsteigende Komponente, welche der
Passatwind bei Annäherung an den westindischen Inselkranz und den südamerikanischen Kontinent durch
Stau der über dem Ozean unbehindert strömenden Luftmassen erhält, führten hier zu sehr starker
Bewölkungs- und Niederschlagsbildung. Am 3. Juni bei Annäherung an Barbados passierte die »Teutonia«
um 8 Uhr vormittags eine Regenbö, die sich in nichts von den Böen unseres gemäßigten Witterungs
gebietes unterschied. Ihre Front war durch eine Böenwalze gekennzeichnet, das Thermogramm zeigte
einen plötzlichen Abfall und auch im Barogramm war eine kleine Druckstufe zu erkennen. Im weiteren