Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbelstürme.
(;
Kleinste Tropenzyklone 300 km Durchmesser 1 ). Größte Windhose in Amerika 3 km Durchmesser 1 ).
Die tropischen Wirbelstürme, von denen im folgenden ausschließlich die Rede sein soll, lassen sich
nach unten und oben etwa durch folgende Eigentümlichkeiten abgrenzen-):
1. Jahreszeitlich beschränktes, relativ seltenes Auftreten.
2. Im Vergleich zu den Depressionen höherer Breiten geringer Durchmesser bei gesteigerter Inten
sität; extreme Windstärke.
3. Bau des Sturmfeldes: zentrale Kalme, plötzliche starke Luftdruckabnahme.
4. Meist vorausberechenbare, parabelförmige Bahn des Sturmfeldes; geringe Fortpflanzungs
geschwindigkeit desselben, entgegengesetzt dem allgemeinen Zug der Minima (West-Ost).
5. Verhalten den Kontinenten gegenüber: Nie Entstehung über festem Land, geringe Fähigkeit
Land zu überschreiten, namentlich — selbst niedrige — Gebirgszüge zu überqueren.
Heute steht man im allgemeinen auf dem Standpunkt, daß man es bei allen tropischen Wirbel
stürmen mit ein und derselben Erscheinungsform zu tun habe, da die Taifune mit den Wirbelstürmen
Westindiens, der Südsee und Mauritius, vielleicht auch der Bengalen-Bai in den wesentlichen Zügen
übereinstimmen, ein Ergebnis, das seit Piddingtons Untersuchungen nur wenig in Zweifel gezogen wird.
So bezeichnen die verschiedenen Namen, unter denen die Wirbelstürme in der Literatur auftreten, ein
und dieselbe Erscheinung. Am gebräuchlichsten sind die Bezeichnungen aus dem Volksmund: engl.
,,hurricane“, aus dem Karibischen stammend (= deutsch „Orkan“); „Taifun“ für die Wirbelstürme Ost
asiens und der Südsee 3 ) (daneben auf den Philippinen „baguios“). Für die Stürme des Indischen Ozeans
hat sich zur Zeit der ersten meteorologischen Erforschung des Phänomens die Bezeichnung „Cyclone“
( griechisch kyklos) eingebürgert.
Die Frage nach der Entstehung der tropischen Zyklonen hat die Meteorologie beschäftigt, seitdem
man die Erscheinung dieser Stürme kennengelernt hat. Doch bis heute hat noch keine der aufgestellten
Theorien restlose Anerkennung gefunden. Ganz allgemein läßt sich etwa sagen, daß sich die tropischen
Wirbelstürme in überhitzten Gegenden in Äquatornähe bilden. Das steht auch im Einklang damit, daß
das tropische Wetter die Eigentümlichkeit hat, auf ganz geringe Abweichungen von seinem normalen,
außerordentlich konstanten Verlauf sehr stark zu reagieren. Als eine solche Reaktionserscheinung stellen
sich auch unsere Wirbelstürme dar. Die Entstehungstheorien und alle jene Einzelheiten, die in erster
Linie von meteorologischem Interesse sind, werden in den Lehrbüchern der theoretischen und angewandten
Meteorologie ausführlich behandelt; es sei besonders auf die im Erscheinen begriffene Neuauflage des
„Hann“ verwiesen, der die einschlägigen Literaturhinweise, bis in die jüngste Zeit vervollständigt, enthält.
Im folgenden sollen nun alle jene Elemente der Wirbelstürme eine Behandlung finden, die sowohl für
diese Art von Stürmen charakteristisch, als auch für ihre Bedeutung im Wirtschaftsleben ausschlag
gebend sind.
Nicht die ganze Tropenzone wird von Wirbelstürmen heimgesucht. Größere Kontinentalmassen
sind wirbelsturmfrei. Die Karte zeigt, daß sich die Orkangebiete ringförmig zu beiden Seiten des
Äquators lagern; durch die Kontinente und den südatlantischen Ozean ist der Ring unterbrochen. Ein
breiter Streifen unmittelbar zu beiden Seiten des Äquators, ungefähr je 8—10 Grad umfassend, die Zone
der äquatorialen Stillen, bleibt wirbelsturmfrei, während in vielen Gegenden auch höhere Breiten jenseits
der Wendekreise stark heimgesucht sind. Sieben getrennte Verbreitungsgebiete, ungleich an Ausdehnung
und an Intensität, lassen sich unterscheiden:
Im Atlantischen Ozean:
I. das Gebiet des amerikanischen Mittelmeeres: West-Indien, Mexikanisches und Karibisches Meer,
Südstaaten der Union.
Im Indischen Ozean:
II. im Norden zu beiden Seiten der vorderindischen Halbinsel, also Arabisches Meer und Busen
von Bengalen.
*) Wegener (136 S. 5 ff. 2 z. 1'. nach Hann 47) S. 591. Journal of the R. Geogr. Society Bd. 50, S. 200—67. Hirth
in Ann. Hydr. 1881.