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Full text : 43, 1925

Alfred  Wegener:  Theorie  der  Haupthalos.

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1.  Einleitung.

Im  folgenden  werden  nur  die  einfachsten  Annahmen  über  Gestalt  und  Orientierung  der  Eiskristalle
zugrunde  gelegt,  die  dadurch  entstehenden  Haupthalos  aber  möglichst  vollständig  im  Zusammenhang
behandelt.
Es  wird  insbesondere  angenommen,  daß  die  Eiskristalle  aus  regelmäßigen  ßseitigen  Prismen  bestehen.
Von  sternartigen  Auszackungen,  Pyramidenaufsätzen  und  anderen  Komplikationen  wird  abgesehen.
Bekanntlich  variiert  das  hexagonale  Prisma  zwischen  den  beiden  extremen  Formen  des  Plättchens  mit
kurzer  und  des  Säulchens  mit  langer  Hauptachse,  wodurch  ihre  Orientierung  in  der  Luft  beeinflußt
wird,  da  die  Kristalle  in  der  Luft  auf  ihrer  Breitseite  liegen.  Da  aber  sehr  häufig  Kombinationen  beider
Formen  auftreten,  indem  die  Säulchen  am  Ende  ein  Plättchen  tragen,  das  beim  Herabsinken  als  Fallschirm
wirkt,  wird  im  folgenden  von  der  speziellen  Ausbildung  des  Prismas  überhaupt  nicht  die  Rede  sein,
sondern  nur  von  der  Orientierung  der  Kristallachsen.  In  dieser  Hinsicht  wird  nur  zwischen  den  3  Fällen
unterschieden  werden:  Hauptachse  vertikal,  horizontal  oder  in  idealer  Unordnung.  Die  Nebenachsen
können  gegenüber  der  Hauptachse  jedenfalls  nur  eine  sehr  geringe  orientierende  Wirkung  haben,  so  daß
auf  diese  Weise  nur  wenige  lichtschwache  Halos  entstehen  können.  Zum  System  der,Haupthalos  können
diese  kaum  gezählt  werden.  Bei  letzteren  können  wir  uns  daher  stets  die  Kristalle  um  ihre  Hauptachse
rotierend  denken.  Auch  von  Schwankungen  und  Pendelungen  der  Kristalle  soll  —  im  Gegensatz  zu  den
bisherigen  Theorien  —  ganz  abgesehen  werden.  Hiermit  soll  zwar  keineswegs  das  Vorkommen  solcher
Schwankungen  geleugnet  werden.  Es  ist  aber  leicht  einzusehen,  daß  dieselben,  sofern  man  nicht  besondere,
schwer  zu  begründende  Annahmen  über  ihre  Art  und  Weise  macht,  wesentlich  nur  die  Wirkung  haben
können,  daß  außer  dem  durch  die  bevorzugte  Orientierung  erzeugten  Berührungsbogen  noch  in  der
Nachbarschaft  des  Berührungspunktes  ein  Stück  des  auf  ungeordneter  Orientierung  beruhenden  invariablen
Sonnenringes  entstehen  muß.  In  der  Tat  stimmt  dies  mit  der  Beobachtung  überein,  daß  bei  Anwesenheit
der  Nebensonnen  fast  stets  auch  die  benachbarten  Stücke  des  kleinen  Ringes,  bei  Anwesenheit  des
Zirkumzenitalbogens  fast  stets  auch  das  oberste  Stück  des  großen  Ringes  erkennbar  ist.
Bei  den  invariablen  Halos,  d.  i.  den  Sonnenringen,  beschränkt  sich  die  theoretische  Behandlung
naturgemäß  auf  die  Bestimmung  der  Radien.  Bei  den  variablen  sind  zwei  Wege  möglich:  Entweder
berechnet  man  die  zusammengehörigen  Werte  von  Positionswinkel  und  Sonnenabstand,  oder  solche  von
Höhe  und  Azimut.  Die  früheren  Bearbeiter  der  Halotheorie  haben  meist  den  ersteren  Weg  vorgezogen.
Mir  schien  der  zweite  den  Vorzug  zu  verdienen,  der  im  folgenden  überall  benutzt  w'ird.  Schon  die
Rücksicht  auf  die  Messungen,  die  doch  vorzugsweise  mit  dem  Theodoliten  erhalten  werden,  läßt  die
Berechnung  von  Höhe  und  Azimut  vorteilhafter  erscheinen;  dazu  kommt  aber  die  Leichtigkeit,  mit  der
das  Ergebnis  dieser  Berechnung  sich  in  eine  Kartenprojektion  des  Himmels  eintragen  läßt,  was  bei
Positionswinkel  und  Sonnenabstand  auf  Schwierigkeiten  stößt.  Die  von  uns  ein  für  allemal  benutzte
Projektion  ist  die  äußere  oder  stereographische  Zenitalprojektion,  bei  der  das  Himmelsgewölbe  vom
Nadirpunkt  aus  auf  eine  das  Zenit  tangierende  Ebene  projiziert  wird.  Der  der  Höhe  h  entsprechende
Parallelkreis  wird  hierbei  ein  Kreis  von  Radius

r  =  Rtg

90—h
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wo  R  der  gewählte  Radius  des  den  Horizont  darstellenden  Kreises  ist. l )

')  Wählt  man  R  =  10,  so  werden  die  Radien:

h  I  90°  80°  70°  G0"  50"  40»  30°  20°  10»  0°  (—10°  —20°  —30°  —40°  —50«)
r  I  0,00  0,88  1,76  2,68  3,64  4,66  5,77  7,00  8,39  10,00  (  11,9  14,3  17,3  21,4  27,5  )
            
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