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Full text : 43, 1925

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Die  wirtschaftlichen  Schäden  der  tropischen  Wirbelstiimie.

Bei  dieser  allgemeinen  Feststellung  soll  aber  nicht  stehengeblieben  werden.  Haben  wir  ja  hier  eine
Frage  vor  uns,  die  in  ganz  hervorragendem  Maße  von  praktischem  Interesse  ist.  Der  Pflanzer  will
wissen,  mit  welchen  Gefahren  er  bei  der  Anlage  einer  Plantage  im  Orkangebiet  zu  rechnen  hat,  welches
Risiko  für  Eigentum  und  Leben  er  tragen  muß  und  wie  er  trotz  der  Instabilität  seiner  Wirtschaft  auf  die
Dauer  bestehen  kann.  Ähnlich  ist  der  Kaufmann,  der  Versicherungsmann,  der  Auswanderungs-  und
Reiselustige  daran  interessiert.  In  diesem  Sinne  wurden  besonders  viele  Schilderungen,  die  sich  auf  eigene
Anschauung  ihrer  Verfasser  gründen,  eingefügt.
Der  zur  Lösung  dieser  Fragen  einzuschlagende  Weg  entzieht  sich  einer  völlig  exakten  Methode,  wie
dies  bei  anderen  Instabilitätsuntersuchungen  möglich  war.  Der  Grund  hierfür  liegt  in  der  außerordentlichen
Verschiedenartigkeit  der  Quellen.  Klagt  schon  der  Meteorologe  sehr  über  die  Ungleichmäßigkeit  seines
Materials 1 ),  so  trifft  dies  noch  viel  mehr  zu,  wenn  man  an  die  Wirbelstürme  von  einer  anderen  Seite
herantritt.  In  diesem  Zusammenhang  seien  einige  Worte  über  die  Art  der  Quellen  vorausgeschickt,  die
für  diese  Arbeit  heranzuziehen  waren.  Es  waren  in  erster  Linie  die  meteorologischen  Berichte.  Sie  boten
relativ  noch  am  meisten  und  haben  vor  allem  den  Vorteil,  daß  sie  seit  etwa  4  Jahrzehnten  mit  großer
Regelmäßigkeit  alle  meteorologisch  bedeutsamen  Ereignisse  aufzeichnen  und  würdigen.  Freilich  zunächst
rein  von  ihrem  fachwissenschaftlichen  Standpunkte  aus.  Doch  häufig  sind  dem  sachlichen  Bericht  noch
einige  knappe  Angaben  beigefügt  über  die  Bedeutung  und  Wirkung  des  Ereignisses  im  allgemeinen  Leben,
entweder  Tageszeitungen  entnommen  oder  amtlichen  Erhebungen.  Relativ  am  meisten  an  Angaben  bieten
die  mehr  populär  gehaltenen  Berichte  in  Zeitungen  und  Zeitschriften.  Bei  ihnen  kommt  allerdings  das
Sensationsbedürfnis  hinzu,  das  häufig  die  Veranlassung  wird,  dem  im  sicheren  Hafen  sitzenden  Leser  die
Wirkungen  der  Wirbelstürme  in  möglichst  kräftigen  Farben  auszumalen.  Es  sind  also  gerade  diese
Berichte  mit  kritischer  Lupe  zu  betrachten.  Das  gleiche  gilt  für  alte  Reisebeschreibungen,  deren  Wert
vor  allem  in  der  guten  Beobachtung  des  Naturphänomens  an  sich  besteht.  Gelegentlich  haben  auch  die
in  neuerer  Zeit  in  Zeitungen  manchmal  zu  findenden,  mehr  wirtschaftlich  orientierten  Berichte  eine  besondere
Färbung,  und  zwar  entsprechend  den  politischen  Tendenzen  meist  eine  beschönigende.  Diese  Feststellung
konnte  ich  bei  mehreren  Berichten  in  englischen  Zeitungen  machen,  die  geflissentlich  bemüht  waren,  die
Handelswelt  über  den  entstandenen  Schaden  zu  beruhigen.  Für  die  zusammenfassende  Behandlung  der
Instabilitätsfrage  kommt  aber  erschwerend  noch  hinzu,  daß  die  Quelle  der  Tagespresse  nur  für  einen
verhältnismäßig  kleinen  Zeitraum  in  Betracht  kommt,  da  die  Sammlungen  von  Zeitungsberichten  nicht
sehr  weit  zurückgreifen,  z.  B.  die  herangezogene  Bibliographie  der  Zeitungsliteratur  von  Dietrich  und  die
Akten  des  Weltwirtschaftlichen  Archivs  in  Hamburg  mit  großen  Lücken  etwa  bis  1910,  während  das
Archiv  des  Kieler  Instituts  fast  gar  nichts  enthielt.
Bei  all  diesen  Quellen  ist  also  ein  hohes  Maß  von  Kritik  anzuwenden,  ja  selbst  bei  amtlichen  Feststellungen, ­
  die  oft  auch  nicht  frei  von  Tendenzen  sind.  In  den  amtlichen  monographischen  Behandlungen
dieser  Katastrophen  findet  man  auch  eine  einigermaßen  gleichmäßige  Behandlung  der  ganzen  Verwüstungszone, ­
  während  sonst  nur  besonders  interessierende  Punkte  herausgegriffen  sind.  Zeitungen  berichten
überwiegend  von  Katastrophen  in  den  Städten,  die  Observatorien  nur  über  ihr  Beobachtungsnetz,
entlegenere  Punkte,  von  denen  Nachrichten  nicht  so  rasch  eintreffen  können,  häufig  außer
acht  lassend.
Exaktes  Zahlenmaterial  zu  liefern  wären  die  Unterlagen  der  verschiedenen  Versicherungen  imstande,
die  sich  mit  den  Orkanschäden  zu  W’asser  und  zu  Lande  befassen;  darüber  irgendwelche  Angaben,  die
sich  auf  größere  Gebiete  erstreckten,  zu  bekommen,  ist  dem  Verfasser  nicht  gelungen.  Verwiesen  sei
aber  auf  die  eingehende  Behandlung,  vor  allem  des  mathematischen  Verfahrens,  der  Orkanschadenversicherung ­
  auf  der  Insel  Mauritius  in  dem  Werke  von  Walter. 2 )
Die  Anregung,  die  wirtschaftlichen  Schäden  der  tropischen  Wirbelstllrme  geographisch  zu  behandeln,  \enianke  ich  meinem
hochverehrten  Lehrer.  Geheimrat  Dr.  Karl  Sapper,  der  mir  auch  während  der  Bearbeitung  dieser  l-'rage  eine  Reihe  von  Hinweisen
zukommen  Heß.  Für  die  Material-Sammlung  war  mir  die  Benutzung  der  Bibliothek  des  preußischen  Meteorologischen  Instituts  in
Berlin  (Prof.  Dr.  Ficker,  Dr.  Knoch  .  der  Bibliothek  der  Deutschen  Seewarte  in  Hamburg  (Geheimrat  Capelle),  der  Hauptbücherei
der  Marinestation  der  Ostsee  und  des  Weltwirtschaftlichen  Archivs  in  Hamburg  und  in  Kiel  freundlichst  gestattet  worden.  I  nter  den
wirtschaftlichen  Unternehmungen,  die  an  den  Orkanen  interessiert  sind,  bin  ich  der  Hamburg-Amerika  Linie  Hapag  .  vor  allem

*)  z.  B.  Visher  132,  Newnhatn  ,83).  3 )  (134)  S.  69  ff.  und  S.  139  ft.
            
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