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Volltext : 43, 1925

Die  wirtschaftlichen  Schäden  der  tropischen  Wirbelsttirme.

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Einleitung.
»The  East  Wind  roared  ....
Look-look  well  to  youjr  shipping!  By  the
breath  of  my  mad  typhoon
I  swept  your  close-packed  Praya  and
beached  your  best  at  Kowloon.«
(Rudyard  Kipling.)
Die  Entdeckungsfahrten  des  15.  und  16.  Jahrhunderts  brachten  den  Menschen  der  alten  Welt  nicht
nur  in  gänzlich  andere,  ungeahnte  Kulturen,  sie  stellten  ihn  auch  Naturerscheinungen  gegenüber,  deren
Gefahren  er  zunächst  rettungslos  ausgeliefert  war,  die  er  sich  aus  seinem  bisherigen  Erfahrungsbereich
nicht  erklären  konnte.  Zu  diesen  Phänomenen  gehören  auch  die  tropischen  Wirbelstürme,  die  Orkane,
die  Tormentos,  die  den  Schriftstellern  der  Entdeckungsfahrten  so  rätselhaft  erscheinen.  Schon  Kolumbus
mußte  gleich  auf  seiner  ersten  Fahrt  ihre  Bekanntschaft  machen;  1492  wurde  er  an  der  Nordküste  von
Kuba  56  Meilen  nach  Nordosten  abgetrieben;  1494  hatte  er  am  Kap  Santa  Cruz  unter  einem  Orkan  zu
leiden. l )  Und  seit  diesen  ersten  Fahrten  vergeht  nun  kaum  ein  Jahr,  in  dem  nicht  eine  Flotte  der
Kolonialmächte  dem  Element  Tribut  zollen  muß  oder  eine  neue  Siedelung  dem  Erdboden  gleichgemacht
wird.  Wohl  macht  sich  der  Seefahrer  allmählich  mit  ihrem  Wesen,  das  sich  bis  heute  noch  einer  völligen
Deutung  entzogen  hat,  vertraut,  aber  gleichwohl  ist  die  psychische  Wirkung  des  Wtitens  dieser  Naturkraft
auf  jeden  eine  gewaltige;  die  härtesten  Seemänner  zwingt  es  auf  die  Knie,  wie  es  uns  oft  in  Reiseschilderungen ­
  z.  B.  von  Drake  und  bei  Francisci  berichtet  wird. 2 )  Heute  noch  immer  wieder  von  neuem
dringt  auch  in  unsere  sicheren  Breiten  die  Kunde  von  den  furchtbaren  Wirkungen  der  Orkane.  Alljährlich ­
  durcheilen  Berichte  von  ungeheuren  Verwüstungen,  vielen  tausend  Toten  unsere  Zeitungen. 5 )
Es  ist  daher  nicht  zu  verwundern,  daß  sich  die  Wissenschaft  bei  allen  seefahrenden  Nationen,  besonders
aber  in  den  unmittelbar  betroffenen  Ländern  seit  vielen  Jahrzehnten  mit  der  meteorologischen  Erklärung
der  tropischen  Wirbelstürme  befaßt.  Ungeklärt  ist  dagegen  geblieben,  wieweit  sich  deren  Wirkung  im
Wirtschaftsleben  des  Menschen  äußert.  So  hat  man  bisher  nur  vermutungsweise  festgestellt,  daß  die
Orkane  auch  für  die  Wirtschaft  der  betroffenen  Länder  eine  sehr  verderbliche  Erscheinung  sind  und
hierfür  ziffernmäßig  einige  große  Katastrophen  angeführt.  Da  es  eine  der  ersten  Aufgaben  der  Wirtschaftsgeographie ­
  ist,  die  Abhängigkeit  des  Wirtschaftslebens  von  geographischen  Gegebenheiten  zu
betrachten,  so  scheint  es  am  Platze,  auch  einmal  die  Orkane  von  diesem  Gesichtspunkt  aus  zu  betrachten.
Man  pflegt  sie  unter  jene  geographischen  Faktoren  zu  rechnen,  die  die  Ursache  einer  Unsicherheit
der  Wirtschaft,  von  Sapper  Instabilität  genannt 4 ),  bilden.  Bei  dem  Gesamtbild  einer  Wirtschaftsentwicklung ­
  ist  es  schwer,  die  Wirkung  aller  jener  Momente,  die  auf  sie  von  Einfluß  gewesen  sind,  herauszuschälen. ­
  Finden  wir  doch  bei  jeder  Art  von  Wirtschaft  eine  Entwicklung.  Unter  Wirtschaftsinstabilität ­
  können  wir  nur  jene  Schwankungen  der  Wirtschaftskurve  verstehen,  die  durch  Störungen,  die
außerhalb  des  Bereiches  des  menschlichen  Willens  liegen,  m.  a.  W.  „durch  höhere  Gewalt“  hervorgerufen
sind. 5 )  Nur  selten  treten  uns  die  Schwankungen  in  einwandfrei  meßbarer  Form  entgegen.  Meist  sind
die  Beobachtungsreihen  zu  kurz.  Es  ist  kaum  möglich,  auf  die  Frage  nach  der  Instabilität,  hier  wie  anderswo
mit  einem  glatten  Nein  oder  Ja  zu  antworten;  damit  wäre  auch  der  Wirtschaftsgeographie  kaum  etwas
gedient.  Ihre  Aufgabe  scheint  nun  vielmehr  darin  zu  liegen,  das  Typische  in  dieser  Wechselwirkung
festzustellen.  So  kommen  wir  zu  der  Fragestellung:  In  welcher  Form  zeigen  sich  die  wirtschaftlichen ­
  Schäden  der  tropischen  Wirbelstürme,  vor  allem  nach  den  Verschiedenheiten  der  einzelnen ­
  Wirtschaftsgebiete,  und  wo  und  unter  welchen  Voraussetzungen  sind  die  Schäden
am  empfindlichsten?  Darauf  eine  Antwort  zu  gewinnen  soll  im  folgenden  versucht  werden.
*)  Garriott  43:.  2 )  Francisci  (38)  S.  1090  ff.  s )  Vgl.  Sapper  ,101)  S.  25  ff.,  ferner  David  in  The  british  Empire“  Series  II,  392,
4 )  Sapper  (104)  S.  3.  5 )  Über  den  Begriff  der  Wirtschaftsinstabilitüt  vgl.  Seier  115),  Einleitung.
            
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