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Volltext : 43, 1925

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Die  wirtschaftlichen  Schäden  der  tropischen  Wirbel  stürme.

große  Gefahr,  mit  der  die  Fahrten  in  den  Orkangebieten  in  den  früheren  Jahrhunderten  verbunden  war,
sind  oben  gegeben.  Wie  gegenwärtig  die  Verhältnisse  liegen,  geht  aus  den  beiden  Tabellen  hervor.
Sie  zeigen  zunächst,  daß  die  Schiffsverluste  überhaupt  durch  Stürme  auf  hoher  See  ziemlich  selten  sind.
Wenn  die  Ziffer  für  Segelschiffe  noch  verhältnismäßig  größer  ist,  so  leuchtet  dieses  ohne  weiteres  ein.
Wo  die  Schiffsverluste  eingetreten  sind,  ist  aus  den  Statistiken  in  der  Regel  nicht  ersichtlich;  aber  die
Annahme,  daß  nur  ein  ganz  kleiner  Teil  in  den  Gebieten  der  tropischen  Orkane  zugrunde  gegangen  ist,
dürfte  wohl  berechtigt  sein,  zumal  ja  nur  ein  geringer  Prozentsatz  des  gesamten  Schiffsverkehrs  sich  in  den
Orkangebieten  abspielt.  Über  die  Schäden,  die  ein  Schiff  während  eines  Orkans  genommen  hat,  ohne
daran  zugrunde  zu  gehen,  ein  Bild  auch  nur  annähernd  zu  gewinnen,  ist  dem  Verfasser  nicht  möglich
gewesen,  obwohl  ihm  seitens  mehrerer  Reedereien  einige  Auskünfte  frcundlichst  erteilt  wurden.  In  der
Schiffahrt  ist  jede  Art  von  Schaden  durch  genau  geregelte  Versicherungen  in  einer  Weise  gedeckt,  daß
derselbe  für  die  Reederei  in  der  Regel  keine  besondere  Rolle  spielt.  Seitens  der  Versicherungen  (der  deutschen
und  englischen)  wurden  dem  Verfasser  keinerlei  Auskünfte  erteilt.  Daß  aber  diese  Schäden  doch  nicht
so  ganz  unbeträchtlich  sein  können,  ergibt  sich  aus  verschiedenen  Berichten  von  Augenzeugen,  die  dem
Verfasser  mündlich  und  aus  Tageszeitungen  zukamen.  Soweit  Hapag-Dampfer  dafür  in  Betracht  kamen,
war  die  Einsichtnahme  in  die  betr.  Akten  der  Gesellschaft  bereitwilligst  gestattet  worden.  Doch  gab
diese  Vergleichung  keine  festen  Anhaltspunkte  und  war  meist  ergebnislos.
Auf  Grund  der  erwähnten  Berichte  läßt  sich  über  die  Art  der  Schäden  etwa  folgendes  Bild  gewinnen: ­
  Hoher  Wellengang,  Wind  und  Regen  drohen  auch  auf  hoher  See,  plötzliche  Wellen  schwemmen
auf  Deck  alles  weg,  dringen  in  Innenräume  und  setzen  sie  unterWasser;  das  Schiff  stampft  und  schlingert
heftig,  so  daß  sich  oft  Einrichtungsgegenstände  aus  ihrer  Verschraubung  lösen  und  allerhand  Unheil  anrichten
  und  selbst  die  best  verstaute  Ladung  ins  Schwanken  gerät;  besonders  unheilvoll  ist  es,  wenn  bei
dem  Durchgang  einer  Woge  das  Hinterteil  des  Schiffes  zeitweise  hoch  emporgehoben  wird  und  dadurch
die  Schiffsschraube  plötzlich  raschere  Umdrehungen  in  freier  Luft  macht,  was  eine  starke  Erschütterung
des  ganzen  Schiffes  und  schwere  Schädigungen  der  Maschinenanlagen  zur  P'olge  hat.  Noch  mehr  als
das  Wasser  wütet  der  Wind  auf  Deck.  Die  Masten,  die  Aufbauten,  die  Rettungsboote,  die  er  nicht
selten  in  Stücke  weht,  sind  nicht  sicher  vor  ihm,  oft  ist  die  Macht  der  rasenden  Elemente  so  groß,  daß
selbst  starke  Dampfer  sich  ihnen  gegenüber  nicht  mehr  behaupten  können.  Wie  viel  schwieriger  ist  erst  die
Lage  für  Segelschiffe!  Von  diesen  ist  das  Zentrum  des  Sturmes  ganz  besonders  gefürchtet,  wo  die  Wassermassen ­
  einem  „ungeheuren  in  Wallung  begriffenen  Kochtopf  gleichen“ 1 ).  Erheblich  vergrößert  wird  die
Gefahr,  wenn  ein  Schiff,  ganz  gleich  ob  Segler  oder  Dampfer,  in  Küstennähe  in  einen  Orkan  gerät;
die  Möglichkeit  der  Strandung  liegt  dann  außerordentlich  nahe.  Die  besonders  gefährlichen  Gebiete
wurden  in  dem  regionalen  Kapitel  schon  erwähnt.  Es  handelt  sich  dabei  um  Gegenden,  in  denen  entweder ­
  ohnedies  gefährliche  Gewässer  liegen  oder  ein  Ausweichen  —  der  beste  Schutz  auch  des
stärksten  Dampfers  vor  einem  Orkan  —  aus  irgendwelchen  Gründen  nicht  möglich  ist.  Kein  Hafen
vermag  unbedingt  sicheren  Schutz  vor  den  Orkanen  zu  geben;  denn  streicht  der  Wirbelsturm  unmittelbar
über  den  Hafen  hinweg,  so  kann  er  doch  u.  U.  den  Schiffen,  die  von  den  Ketten  gerissen  werden  und
in  Kollission  geraten,  mehr  schaden,  als  wenn  er  sie  auf  hoher  See  betroffen  hätte  (z.  B.  Hongkong  1906)*).
Mit  den  Schiffsbeschädigungen  und  Verlusten  sind  aber  die  Schäden,  die  die  Schiffahrt  durch  Wirbelstürme ­
  erleiden  kann,  noch  nicht  erschöpft.  Viel  unangenehmer  wird  vielmehr  die  Beeinträchtigung  des
Geschäftes  empfunden,  die  mehrere  von  Orkanen  hervorgerufene  Anlässe  haben  kann.  Für  Dampfer
spielen  z.  B.  Zeitverluste,  die  bei  Orkanen  unvermeidlich  sind,  auch  in  finanzieller  Hinsicht  eine  große
Rolle;  heutzutage  wird  sich  ein  Dampfschiff  durch  eine  Sturmwarnung  nur  höchst  selten  von  der  Ausfahrt ­
  zurückhalten  lassen  oder  auf  hoher  See  eine  zeitraubende  Kursänderung  vornehmen;  der  Sachschaden ­
  scheint  also  leichter  zu  verschmerzen  zu  sein.  Unangenehmer  ist  die  Abnahme  des  Verkehrs,
die  entweder  in  der  erschütterten  Wirtschaft  des  Hafenhinterlandes  (vgl.  z.  B.  oben  Texas,  Jamaika)  oder
der  Vernichtung  von  Hafenanlagen,  Umschlagseinrichtungen,  Lagerhäusern,  Leuchttürmen,  Unzugänglichmachung ­
  der  Einfahrt  durch  gesunkene  Schiffe  begründet  ist.  Auch  der  Passagierverkehr  kann  durch
*)  Schuck  ,107)  S.  53.  ;  W’i  г1к’1  stur  in  sichere  Häfen  sind  in  rlen  Ann.  llydr..  besonders  Jahrgang  1800  bis  1900,  besprochen.
Vgl.  auch  Algui  (4)  S.  250  ff.
            
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