Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbel stürme.
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auf die geologische Wirksamkeit der Orkane Zurückzufuhren sind 1 ). Was für einen wirtschaftlichen
Schaden die Wegschwemmung von Landesteilen durch das Meer bedeutet, ist ohne weiteres einleuchtend.
Auf die bedenklichen Folgen, die die sonstige morphologische Tätigkeit des Wirbels verursachen kann,
weist Karl Dove hin s ): „Auf den Ost-Karolinen ist infolge der Zerstörungen, welche ein Taifun im
Jahre 1905 angerichtet hatte, eine Abschwemmung in Richtung der Verwitterungsdecke an den durch die
Gewalt des Orkans entwaldeten Berglehnen beobachtet worden, die nach Ansicht der Sachverständigen
bei häufigerer Wiederholung der gefährlicheren Stürme zu einer im Laufe der Zeit eintretenden völligen
Entwaldung würde führen können.“ Auch in Indien scheinen öfters Erdrutsche durch Zyklonen ver
ursacht zu werden. So trat z. B. nach dem Orkan vom 24. auf 25. September 1899, während dessen in
Darjeeling 24 Zoll Niederschlag fielen, ein verheerender Erdrutsch ein, der viele Menschenleben ver
nichtete und ausgedehnten Sachschaden anrichtete. Die eine Rutschung hatte eine Ausdehnung von
7000 Fuß neben mehreren von kleinerem Ausmaß, „so that the mountains looked as if some Titan’s
knife had taking slices out of them“ 3 ).
Schwieriger ist es, eitlen unmittelbaren Einfluß der Wirbelstürme auf das fioristische Landschaftsbild
festzustellen. Eigentümlichkeit und Veränderung der Pflanzenwelt können ja von tausenderlei Umständen
hervorgerufen sein. Die Verwüstungen, die der Orkan anrichtet, sind im Landschaftsbild wohl bald nicht
mehr zu erkennen. Erkennbar bleibt nur ein bestimmtes Gepräge, das die Orkangefahr dem Anbau der
kultivierten Vegetation aufgedrückt hat. In Westindien z. B. äußert sich dasselbe durch das starke
Zurücktreten von Baumkulturen und dem unbedingten Vorherrschen des Zuckerrohranbaues 1 ). Zweifellos
ließe sich auch an anderen Gebieten eine Beeinträchtigung des Vegetationsbildes feststellen.
Auffallender sind bauliche Eigentümlichkeiten, die der Wirbelsturmgefahr ihre Entstehung verdanken.
Erinnert sei hier an die Schutzwälle, die man für flachliegende Städte errichtet; berühmt ist der Damm von
Galveston, der eine Länge von 19594 Fuß und eine Höhe von 17 Fuß über Niedrigwasser aufweist
und nach der Katastrophe von 1900 mit einem Kostenaufwand von über VU Millionen Dollar gebaut
wurde Hingewiesen sei ferner auf die schwere Bauart, in der man in den bedrohten Gegenden wichtige
Gebäude, Leuchttürme usvv. errichten muß; in Japan z. B. schützt man die Tempel vielfach durch schwere
Dachstühle gegen das Abdecken durch Orkane 6 ). Etwas Eigentümliches sind die erwähnten Orkanverstecke,
die vor wenigen Jahrzehnten noch in großer Zahl existiert haben 7 ). In den küstennahen Gebieten ist es
eine Art von Pfahlbauten, die vor den Wasserfluten schützen sollen, in windgefährlichen Gegenden sind
es kleine Türme mit festem Dach und besonders starkem Unterbau. Soll es ja nicht selten Vorkommen,
daß ganze Gebäude, die nicht fest im Boden verankert waren, vom Wind ein Stück weit — sonst nahezu
unbeschädigt — fortgetragen wurden.
II. Die Landwirtschaft und die Wirbelstürme.
Nächst der Demolierung von Flochbauten werden die Schäden der Wirbelstürme an der völligen
oder teilweisen Verheerung der landwirtschaftlichen Produktion am offenkundigsten. Aber nicht alle
tropischen Gewächse sind der Gewalt der Orkane im gleichen Maße ausgesetzt. Dem Wind gegenüber
werden sich niedrige, zähstämmige Pflanzen widerstandsfähiger erweisen als hochgewachsene; durch Über
schwemmungen hingegen werden die flachverwurzeltcn Gewächse mehr zu leiden haben. Für die
Beurteilung des wirtschaftlichen Schadens ist vor allem die eine Frage ausschlaggebend, wie lange wird
es dauern, bis der Schaden wieder ausgeglichen ist? Hier kommt man nun zu der schon gestreiften
wichtigen F'olgerung: vernichtete Baumkulturen w T erden erst nach dem Verlauf vieler Jahre wieder ertrags
fähig, während sich bei Strauch- und Feldkulturen der Schaden regelmäßig nur auf den Ausfall einer
Ernteperiode beschränkt. Diese Erfahrung hatte praktisch das Vorherrschen des Zuckerrohranbaues in
den orkangefährdeten Tropengebieten zur Folge. Wohl bedeutet auch die Vernichtung eines Zuckerfeldes
einen gewaltigen wirtschaftlichen Schaden, aber nach l'/s Jahren ist das nämliche Feld wieder im vollen
Umfang ertragsfähig. Schmerzlicher ist der Schaden in jenen gesegneten Zuckergebieten (z. B. Cuba), in
denen ein Neuanpflanzen der Felder sonst erst nach ein oder zwei Jahrzehnten notwendig wäre 8 ).
*) Sapper (98) S. 220 ff. *) (30. S. 40. *) O’Mslley (76) S. 68 ff. «; Sappcr (98) S. 257. 5 M. W. R. 1909 S. 351.
•) Sapper (102) S. 19. *) M. \V. K. 1896 S. 165. ®) Suck (120).