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Full text: 43, 1925

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Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbel stürme. 
wohl mehr als extensiv bezeichnen darf. Die westindischen Inseln sind seit ihrer Entdeckung sehr 
geschätzte Plantagenkolonien, daher bestand schon frühzeitig ein lebhaftes Interesse für die schädigenden 
Wirkungen der Wirbelstürme. Bei Herrera, Labat, Dampier, Benzoni, Chaveton u. a. wird ihrer eingehend 
Erwähnung getan. 
a) Die Bahama- und Turcsinseln bilden hinsichtlich ihrer orographischen und wirtschaftlichen 
Struktur eine Ausnahme vom übrigen Westindien. Es sind flache Tafelinseln, ohne die hervorragende 
wirtschaftliche Bedeutung der Antillen. Infolge der vielen Sandbänke (Bahamabank!) sind sie von der 
Schiffahrt sehr gefürchtet, ganz besonders in Hurricanes 1 ). Im August und Oktober sind die Orkane 
am häufigsten. Im Frühjahr kommen sie von den nördlichen kleinen Antillen und Porto Rico, im 
Spätjahr über Kuba. Große Katastrophen sind entsprechend der ganzen Beschaffenheit der Inseln selten. 
Erwähnt sei der Orkan vom August 1899, dem im Gebiet der Bahama-Inseln viele Schiffe und über 
300 Menschenleben zum Opfer fielen. Auf dem Lande waren die Verwüstungen in Ansiedlung und 
Feldern so umfangreich, daß durchgreifende Hilfsmaßnahmen seitens der Regierungen nötig waren, um 
der Not der Einwohner zu steuern; es kamen dabei zur Verteilung: 40 Bags Korn, 560 Barrels und 
20 lbs Mais, 6850 Fuß Bauholz, 12 kags und 257* lbs Nägel. Die Schiffsverluste (684 t) wurden auf 
15 707 £, die Wiederherstellung beschädigter Baulichkeiten auf 161 113 ¿2 veranschlagt 5 ). Unbedeutendere 
Orkanheimsuchungen sind fast alljährlich zu erwarten. Von dem Schaden betroffen sind, abgesehen von 
den unbedeutenden Baumwoll- und Südfruchtanpflanzungen auch die Salzgärten, die den Hauptausfuhr 
artikel der Inseln liefern 8 ). 
b) Kuba besteht zu seinem größeren Teil aus einem niedrigen tertiären Tafelland, im Osten stellt 
sich eine 200—250 km lange Barre, ein 2500 m hohes Faltengebirge dem Orkan entgegen. Der Westen 
der Insel ist das gefürchtete Tummelfeld für die Wirbelstürme, besonders im Oktober; im August sind 
sie ziemlich selten. Zerstörungen durch Wind stehen an erster Stelle, Meeresfluten kommen nur ab und 
zu vor. Von den landwirtschaftlichen Produkten wird das Zuckerrohr am stärksten getroffen, doch ist 
die Einbuße durch Sturmschäden bisher nie so groß gewesen, daß sie einen Ausschlag im Gesamtleben 
der Insel zeigte. Dazu kommt, daß die wertvolleren Sorten vorzugsweise in den höheren Lagen angebaut, 
von den Stürmen also weniger gefährdet sind. Tabak- und Kakaopflanzen leiden besonders unter den 
starken Regengüssen 4 ). Am häufigsten und stärksten sind die Wirbelstürme in den Provinzen Pinar del Rio, 
Habana und Matanzas, erheblich geringer in Santa Clara. Am empfindlichsten sind auch auf Kuba die 
Zerstörungen an Gebäulichkeiten, besonders Lagerhäusern und an Verkehrsmitteln. Auf einige Wirbel 
stürme ist jedes Jahr zu rechnen; große Katastrophen treten durchschnittlich alle 8 bis 12 Jahre ein, ihre 
Wirkung wird gemildert durch eine schon weit zurückgreifende wissenschaftliche Untersuchung der Orkane 
durch das Observatorium in Habana (Sturmwarnung) und gut organisierte Unterstützungseinrichtungen 
vor allem unter amerikanischem Einfluß 5 ). 
c) Haiti hat mehr Gebirgsnatur, zwischen den Gebirgszügen und am Meer ausgedehnte An 
schwemmungsebenen. Die Bergketten wirken barrenähnlich und lassen eine Überquerung in den seltensten 
Fällen zu. Wir haben nur zwei ausgeprägte Orkanmonate: August etwa 30 % aller Orkane, September 
39%, dagegen Juli und Oktober je 14 7o 6 )- Die meisten Stürme kommen über Porto Rico, im August 
etwas südwestlicher, landen also vorzugsweise an der Südküste der Insel. Der ganze Küstenstrich vom 
Kap Engaflo bis zum Kap des Irois leidet sehr unter ihnen 6 ), am meisten aber offenbar die Südwesthalbinsel. 
Von Haiti haben wir die frühesten Berichte der Orkanwirkungen auf dem festen Lande 7 ). Mit dem 
wirtschaftlichen Niedergang der Insel im folgenden Jahrhundert treten auch die landwirtschaftlichen 
Orkanschäden zurück; nur für die Ansiedlungen waren sie sehr gefürchtet. Bei dem neuen Aufschwung 
der Insel sind sie wieder zu einem wichtigen Faktor geworden (z. B. August 1915). Große Katastrophen 
scheinen aber nur äußerst selten einzutreten. 
') Die Bergung von Wracks gilt geradezu als ein Erwerbszweig auf den Bahainainseln. Vgl. z. B. Hettner (58) Bd. II, S. 369. 
M. W. R. 1899 und Hurricane Relief Committee 1899. *) Aspinall (4). S. 296. 4 ) Andre« (52) Bd. III. S. 260. s ) Schwere 
Wirbelstilrme. Uber die Genaues bekannt ist, waren folgende: 1791, 21. Juni 3000 Tote. 1844, 3. Oktober. 1882, 9. Oktober: 
1000 Tote, Pinar d. R. u. a. Städte zerstört. 1888, 4. September: 1000 Tote. Maisernte in St. Clara, viele Zuckerfelder vernichtet. 
1910, 17. Oktober: Verheerungen in Habana und Pinar d. R. 1924, 18/20. Okt.: Arroyos de Mantua. Cher WirbclstUrme früherer 
lahrhundertc vgl. Poey (87). s ) Tippcnhauer (126), S. 129. ’) Benzoni I, 10 bei Sappcr (101).
	        
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