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Volltext : 43, 1925

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Die  wirtschaftlichen  Schäden  der  tropischen  Wirbel  stürme.

Die  Taifune  Japans  gehen  meistens  schon  von  den  Philippinen  aus,  in  der  Regel  von  Luzon.  Auf  ihrem
langen  Weg  büßen  sie  fast  nichts  an  Intensität  ein,  ja,  solche  Stürme,  die  beim  Betreten  des  Kontinents
sehr  geschwächt  werden,  erreichen  beim  Verlassen  desselben  häufig  ihre  frühere  Stärke 1 ).  Auf  9  bis
10  dieser  Wirbelstürme  ist  durchschnittlich  jedes  Jahr  zu  rechnen.  Sie  treten  fast  ausschließlich  jahreszeitlich ­
  auf  die  Monate  Juni  bis  Oktober  beschränkt  auf 2 );  die  schweren  Taifune  überwiegen  im  September
und  Anfang  Oktober.  In  anderen  Jahreszeiten  sind  sie  selten  (Ausnahmen:  Januar  1906,  April  1921).
Höchstens  die  Hälfte  von  ihnen  richtet  ernstlichen  Schaden  an 3 ).
Je  nach  der  Gegend,  von  der  sie  herkommen,  könnte  man  drei  Hauptzugstraßen  unterscheiden,  die
vom  Kuroschiu  abhängig  erscheinen  und  den  Süden,  Südosten  und  Südwesten  des  Inselbogens  treffen 4 ).
Am  meisten  gefährdet  ist  der  Westen,  Süden  und  Osten  von  Kiuschiu,  der  Südosten  von  Schikoku  und
die  gesamte  Südostküste  von  Okayama  bis  östlich  von  Tokio;  schwere  Taifune  auf  der  Westseite  scheinen
sehr  selten  zu  sein.  Weniger  heimgesucht  ist  der  Norden  Japans,  der  Hokkaido,  Korea  und  die  Südmandschurei. ­
  Japan  ist  ja  klimatischen  Exzessen  verschiedener  Art  ausgesetzt,  doch  sind  die  wirtschaftlichen
Schäden  der  Wirbelstürme  scharf  ausgeprägt,  mit  ihnen  ist  jedes  Jahr  zu  rechnen.  Wohl  ist  der  Nordostmonsum
  auch  durch  seine  Kraft  gefährlich,  doch  weht  er  mit  einer  Stetigkeit,  deren  Maximum  etwa
10  m  p.  s.  beträgt,  während  im  Taifun  die  verderblichen  Böen  eine  Höchstgeschwindigkeit  bis  zu  etwa
56,4  m  p.  s.  erreichen 4 ).  Der  Windschaden  beschränkt  sich  auf  die  Beschädigung  und  Zerstörung  von
Gebäuden  und  Schiffen;  die  großen  landwirtschaftlichen  und  Menschenverluste  dagegen  entstehen  durch
die  Überschwemmungen 5 ).  Sind  doch  die  Regenmengen  oft  sehr  beträchtlich;  ein  einziger  Taifun  vermag
in  24  Stunden  die  jährliche  Regenmenge  Böhmens  auszuschütten 4 ).  Die  Wassermassen  vernichten  alle
Werke  der  Kultur,  die  in  diesen  Gegenden  stehen.  Häuser  mit  ihren  Bewohnern  werden  überflutet,
Reisland  wird  weggeschwemmt,  Brücken  und  Dämme  weggerissen.
Besonders  schwer  wird  gelegentlich  der  Reis  betroffen,  der  im  September,  der  gefährlichsten
Zeit,  gerade  blüht.  Ein  einziger  unerwarteter  Taifun  hat  einmal  die  Reisernte  um  */io  vermindert*).
Auffallend  ist  in  Japan  das  gelegentliche  Zusammentreffen  von  Erdbeben  und  Wirbelstürmen,  was  zu
sehr  großen  Katastrophen  geführt  hat.  1923  z.  B.  trat  ein  Taifun  am  I.  September  gleichzeitig  mit  dem
großen  Erdbeben  ein  und  verursachte  in  der  Gegend  von  Tokio  und  Yokohama  den  Tod  von  über
200000  Menschen,  besonders  durch  die  rasende  Ausbreitung  des  Feuers 7 ).
Die  folgende  Übersicht  gibt  eine  Zusammenfassung  der  in  Japan  durch  Taifunfluten  jährlich  entstandenen
Schäden.

Jahr

Verwüstetes
Gebiet
ha

Tote  und
Verletzte

Beschädigte
Gebäude

Schiffs-Verluste


Gesamtschaden
in  Mark

Wiederherstellungs- ­


in  Mark

1908

4

26

2  477

i6

4  200

2100

1909

4

15

10  713

53

••500  000

1800

1910

2520

144

1095

26

67  000

54  000

1911

170

232

7  108

794

560  000

76  000

1912

850

1588

138  534

2564

8  495  000

390000

1913

280

99

4  294

234

11337  000

82  800

1914

1410

321

19  809

1429

8  570  000

127  800

1915

3980

194

7  558

393

24  680  000

61  700

1916

510

106

7  078

261

4167  000

240  000

Wie  die  Übersicht  zeigt,  können  wir  bei  Japan  sehr  wohl  von  einer  Wirtschaftsinstabilität  sprechen.
Von  allen  ostasiatischen  Orkangebieten  ist  sie  dort  am  ausgeprägtesten.  Während  China  mehr  unter
den  säkularen  Klimakatastrophen  —  Dürren  und  Riesenüberschwemmungen  —  leidet,  hat  Japan  mit
jahreszeitlichen  Exzessen  zu  rechnen 3 ).  Die  Wirbelsturmverwüstung  ist  ein  Faktor,  den  der  japanische
Bauer  der  oben  bezeichneten  Gefahrgebiete  in  keinem  Jahr  vergessen  darf.  Günstig  für  Japan  ist  es,  daß
die  Taifune  auf  ihrem  langen  Weg  vor  der  Erreichung  des  japanischen  Archipels  irgendwo  einmal

’)  Vgl.  Bergholz  (10).  *)  Japan  Year-Book  (62).  *)  Porter  (89).  *)  Haushofer  (50),  S.  33.  ä ;  Porter  (89).  6 )  Haushofer  (50),
S.  32.  7 )  Vishcr  (132).  R )  Haushofer  (50),  S.  32.
            
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