Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbelstürme.
21
Bei den in der Übersicht angegebenen Schiffsverlusten handelt es sich fast ausschließlich um Schifte,
die im Hafen und auf der Reede zugrunde gegangen sind, meist durch Kollision oder Strandung
(z. B. 1874 wurde in Makao ein Schiff 10 Seemeilen weit landeinwärts getragen). Wirtschaftlich katastrophal
sind die Zerstörungen von Fahrzeugen der Eingeborenen, deren Gewerbe Fischerei oder Küstenschiffahrt
dadurch lahmgelegt wird. Erschreckend sind die riesigen Verluste an Menschenleben, die z. B. bei dem
großen Hongkong-Taifun 1906 über 2 % der Gesamtbevölkerung, bei dem Swatau-Taifun 1922 gar
mindestens 8 % betrugen. Dazu kommt noch, daß zahllose Familien durch die Zerstörung ihrer Häuser
auf lange Zeit hinaus obdachlos geworden sind und die heimgesuchten Gebiete infolge der eingetretenen
Überschwemmung und des Wohnungsmangels einen Herd für Seuchen bilden. Die landwirtschaftlichen
Schäden treten ganz in den Hintergrund, besonders im Vergleich zu den Verwüstungen der großen
Flußüberschwemmungen').
e) Das übrige China und Formosa.
Von dem übrigen China — dem ganzen Land nördlich des Wendekreises — gilt, was Doberck im
allgemeinen über die ostasiatischen Taifune sagt: 3 ) „Taifune von solcher Heftigkeit, daß sie Personen
auf dem Lande unangenehm werden könnten, sind in China beinahe unbekannt. Wenn sie auch zur
See gefährlich sind, sind sie es doch auf dem Lande nicht. Etwa einmal im Laufe von 20 Jahren
durchschnittlich kommt in einem oder dem anderen Küstenort ein Taifun vor; aber es scheint, daß die
Schilderung der Heftigkeit ebensosehr von dem Zustand der Gebäude, als von der Stärke des Windes
abhängt. Von Städten mit schlecht gebauten Häusern sind die Berichte stark übertrieben, während über
andere Städte mit gut gebauten Häusern ein Taifun streichen kann, ohne daß die Bewohner dies an
etwas anderem merken, als höchstens an dem Regen, der freilich auch ziemlichen Schaden anrichtet.“
Tatsächlich sind von diesem Gebiet wenig große Katastrophen bekannt, nur die wolkenbruchartigen
Regen sind gefürchtet. Ein für China günstiger Umstand ist es, daß es selten von einem un
vorhergesehenen Taifun heimgesucht wird, da die Mehrzahl von den Philippinen, den Inseln Yap und Guam
herkommt, von wo ihr Herannahen schon Tage vorher telegraphisch angezeigt werden kann 3 ). Im
Norden ist die Gefahr noch viel geringer als in den südlichen Provinzen, nur selten erreichen die Taifune
Shanghai* *). Am 1. September 1905 sollen durch eine Flutwelle an der Yangtse-Mündung viele Tausende
von Menschenleben verloren gegangen sein 1 ). An der gesamten chinesischen Küste ist jährlich mit
durchschnittlich 16 Zyklonen zu rechnen 3 ). Schäden im Innern des Landes entstehen ausschließlich
durch die Überschwemmungen. Besonders verheerend waren sie im Jahre 1909, im August 1912, wo
viele Tausende in dem angeschwollenen Wentschau-Fluß ertranken, und September 1921, wo im Norden
der Provinz Anhwei beträchtlicher Schaden entstand*).
Etwas anders ist die Lage in Formosa. Wie schon erwähnt, kreuzen viele Taifune die Insel,
ohne daß ihnen die hohen Gebirge hinderlich wären, d. h. sie zur Auflösung zwängen; daß sie aber die
flacheren Gebiete bevorzugen, ist einleuchtend. Die Gegend von Formosa spielt als Scheitelpunkt für
sehr viele Taifunbahnen eine große Rolle. Die meisten dieser Stürme, von den Philippinen oder dem
Osten Formosas herkommend, streichen nordwärts an der Ostküste entlang, mit ihrem Zentrum ungefähr
2° von der Küste entfernt 7 ). Die Taifune, die die Insel unmittelbar kreuzen, werden durch die Gebirge
zur Abgabe großer Wassermassen veranlaßt. So entstehen auch auf Formosa die beträchtlichsten
Schäden durch die Überflutungen. Außerordentlich niederschlagsreich war z. B. die Kreuzung eines
Taifuns im Juli 1913, wo in drei Tagen in Funkiko 2071 mm Regen fiel, und der verheerende Taifun
vom August 1911, wo an einem einzigen Tag der Niederschlag 1033 mm betrug; diesem Taifun fielen
40000 Häuser und 800 Menschenleben 8 ), einer ähnlichen Katastrophe am 7. August 1924 700 Japaner
zum Opfer 9 ).
f) Die japanischen Inseln.
Obgleich Japan schon ein bedeutendes Stück nördlich des Wendekreises liegt, gehört es doch infolge
der unverminderten Stärke der großen Taifunbahnen in das Hauptgefahrgebiet der tropischen Wirbelstürme.
') Vgl. Heise (54). *) Doberck (114), S. 248. *) (17), S. 102. 4 ) D. R. f. G. Bä. 29, S. 31. ») (17), S. 102. ») H. W. A.
Die Taifune, die ihren Weg weiter nach Westen fortsetzen, nehmen rasch an Stärke ab; sie verlieren ihren tropischen Charakter;
die Gegend des Golfes von Petschili darf man also als orkanfrei ansprechen. (Vgl. Froc (39), S. 8 ff. : *) Met. Z. 1904, S. 384.
•) Coronas (19), S. 100. *) H. W. A.