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Full text: 43, 1925

Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbelstürme. 
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Dieser großen Kraft des Windes entsprechen auch die Verwüstungen, die er allenthalben anrichtet. 
Einige besondere „Kraftleistungen“ des W 7 indes erwähnt Reye 1 ): „Ein tannenes Brett, ein Meter lang, 
25 cm breit und 23 mm dick wurde mit solcher Wucht gegen einen 45 cm dicken Palmbaumstamm 
geschleudert, daß es durch denselben hindurchging.“ Während des Orkans, der im April 1918 Melbourne 
heimsuchte, trug der W 7 ind Eisenmassen, die 4*/s Tonnen wogen, fort und wirbelte sie über einen Wald. 
Die australischen Meteorologen gaben die Schnelligkeit des Windes bei diesem Anlaß mit 300 km in 
der Stunde ati ä ). 
Entsprechend der Zunahme des Gradienten ist die Windgeschwindigkeit in der Nähe des Zentrums 
am größten. In den einzelnen Quadranten ist sie nicht gleichmäßig verteilt. Auf der Xordhalbkugel 
gilt die rechte (auf der Südhalbkugel die linke) Seite des Sturmfeldes für die gefährlichere, nicht allein 
weil hier z. B. bei einem Schiff die Gefahr, in das Zentrum hineinzugeraten, größer ist, sondern auch 
wegen der höheren Windgeschwindigkeit. Das letztere rührt einerseits daher, daß auf dieser Seite der 
Gradient etwas steiler zu sein pflegt, da hier meist das Hochdruckgebiet liegt, um das herum der Sturm 
seine Bahn beschreibt, andererseits addieren sich auf dieser Seite Windgeschwindigkeit und Fortpflanzungs 
geschwindigkeit, während auf der anderen Seite sich eine Differenz der beiden Geschwindigkeiten ergibt. 
Wie aus den angeführten Schilderungen ersichtlich ist, geht die verwüstende Wirkung der Wirbelstürme 
von der Windkraft aus, mag sie sich unmittelbar durch Umreißen von Hütten oder Umknicken von 
Bäumen und Schiffsmasten oder mittelbar durch hohen Wellengang äußern. Wellenberge von über 10 m 
Höhe sind auf dein offenen Meere keine regelmäßige Erscheinung. Die abnormen Luftverhältnisse im 
Sturmkörper speichern eine große Wassermasse auf, die „Orkanwoge“. Sie hat eine unregelmäßige, 
pyramidenförmige Gestalt und begleitet den Orkan beständig bei seiner Fortbewegung; erreicht sie die 
Küste, so steigen die Wassermassen bis zu einer außerordentlichen Höhe und verursachen furchtbare 
Überschwemmungen 8 ). Verderblich wird der Wellengang besonders im Zentrum des Sturmkörpers, wo 
die Dünung von allen Himmelsrichtungen heranrollt und die gefürchtete Kreuzsee verursacht. Oft eilt 
eine hohe Dünung dem Sturmkörper schon meilenweit voraus. 1 ) Gefährlich wird diese Einwirkung des 
Windes auf das Wasser in den Küstengebieten. Ist es uns schon bei viel geringeren Windstärken keine 
sehr seltene Erscheinung, daß durch einen auf das Land zugehenden starken Wind am Strand ein sehr 
erhebliches Steigen des Wasserspiegels eintritt, so ist es leicht verständlich, wenn bei den gewaltigen 
Windstärken der tropischen Wirbelstürme das Steigen des Wassers noch in ganz anderem Ausmaße eintritt. 
Besonders gefährlich ist dieses Steigen, wenn es gleichzeitig mit der Flut in der Gezeitenbewegung auftritt 5 ). 
Die Sturmfluten sind in den asiatischen Orkangebieten eine regelmäßige Begleiterscheinung der 
Wirbelstürme. Bei den flachen Küsten macht sich ihre Wirkung eine erhebliche Strecke landeinwärts 
bemerkbar und äußert sich dort viel verheerender als die unmittelbare Kraft des Windes. In den dicht 
besiedelten Gebieten der Flußmündungen, vor allem im Gangesdelta, aber auch beim Yangtse und beim 
Mississippi fallen Tausende der plötzlich hereinbrechenden Flut zum Opfer. Die berüchtigte Backergunge- 
zyklone forderte auf diese Weise im Juni 1822 50000 Menschenleben, eine andere am 31. Oktober 1876 
im Gangesdelta 10000 Opfer. Reye 6 ) berichtet eine ganze Reihe von großen Verwüstungen dieser Art. 
„So sahen im Dezember 1789 bei hohem Wasserstande und während eines wütenden Sturmes die 
unglücklichen Einwohner (Coringa an der Coromandelküste) 3 ungeheuere Wellen aus der See herein 
brechen: die erste schwemmte alles vor sich her und brachte mehrere Fuß Wasser in die Stadt; die 
zweite vergrößerte diese Verwüstungen, indem sie alles niedrige Land überschwemmte und die dritte 
überwältigte alles. Die Stadt und 20000 ihrer Einwohner verschwanden; verankerte Schiffe wurden in 
die Ebenen hineingetragen; als die See sich zurückzog, ließ sie Haufen von Sand und Schlamm zurück, 
welche das Suchen nach Eigentum und Leichen unmöglich machten.“ 7 ) 
An der chinesischen und japanischen Flachküste sind diese Sturmwellen sehr gefürchtet. Doch 
auch in Westindien kommen sie vor. Die flachen Küsten der amerikanischen Südstaaten sind naturgemäß 
am meisten gefährdet. Häufig wird das Mississippi - Delta betroffen, z. B. 1875 und 1886, wo in 
Indianola Menschenleben vernichtet und beträchtlicher Sachschaden angerichtet wurde 8 ). Aber selbst auf 
*) (95), S. 104 ff. 5 ) Hamburgischer Correspondent 8. I. 1925. 3 ) Yines (129) S. 192; vgl. auch Alguc (4) S. 169 ft'., Eliot (31) 
S. 215/17. 4 ) Bergholz (9) S. 190. “} Vgl. z. 15. das Diagramm bei (2). 6 ) (95) S. 100 ff. T ) Vgl. auch Larisch (63), bes. S. 124 ff. 
und S. 160 ff. *) M. W. R.
	        
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