accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 43, 1925

Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbelstürme. 
11 
In Ostasien, Westindien und Australien dringen die Wirbel regelmäßig nur eine geringe Strecke 
landeinwärts, wobei sie sich sehr rasch verflachen und auf kurze Zeit eine im Vergleich zu ihrer vorherigen 
Ausdehnung große Fläche mit starken Winden und Regengüssen heimsuchen, bis man etwa 100 km von 
der Küste entfernt so gut wie nichts von der vorher so verwüstenden Depression spürt. Anders dagegen 
ist der Verlauf jener Wirbelstürme, deren Stärke nicht vom Kontinent gebrochen wird, die also weiter 
polwärts Vordringen können'). Ihre Wirkung innerhalb der höheren Breiten unterscheidet sich von 
der in den Tropen wesentlich nur dadurch, daß das Sturmfeld an Ausdehnung ständig zunimmt und auch die 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit wächst. Luftdruck, Wind und Niederschlagsverhältnisse sind dieselben. So 
bringen z. B. im südlichen Australien und in den Vereinigten Staaten die tropischen Wirbelstürme die 
niedrigsten Werte für den Luftdruck und, abgesehen von den Tornados, die heftigsten Winde. Auch der 
Menge des Niederschlags nach zeichnen sie sich aus: Im Oktober 1923 brachten z. B. zwei tropische 
Wirbelstürme, die fast gleichzeitig vom Golf von Mexiko aus nördlich und später nordöstlich bis ins 
südliche Kanada vordrangen, für die östlichen Vereinigten Staaten die größte Regenmenge des ganzen 
Monats und hatten mehrere Tage ununterbrochenen Regens im Gefolge”). Ganz eigenartig sind die 
Temperaturveränderungen, die in den höheren Breiten von tropischen Tiefs herrühren’). Die Südwinde, 
die auf der Nordhalbkugel an der Ostseite des Sturmkörpers wehen, bringen dem Norden große Mengen 
tropischer Hitze und Feuchtigkeit. Viele der unangenehmen Hitzeperioden in Japan sind mit tropischen 
Depressionen verbunden, die im Westen dieser Inseln nach Norden fortschreiten. Ähnlich bringen auch 
in Australien südwärts wandernde tropische Minima für die Städte des Ostens schwüles regnerisches Wetter. 
Auf der entgegengesetzten Seite des Sturmkörpers aber kommt der Wind von den höheren Breiten und 
ist daher kühl und relativ trocken. So tritt ein vollkommener Witterungswechsel häufig im Frühherbst 
ein, sowohl in Ostchina und Japan wie in den Vereinigten Staaten, sobald tropische Wirbelstürme in 
einiger Entfernung von der Küste nach Norden vorüberziehen. Im Norden der großen Ozeane scheinen 
sie noch als Weststürme der Schiffahrt gefährlich zu werden; ja, es ist sogar vorgekommen, daß das 
nämliche westindische Minimum selbst in Mitteleuropa Sturmwetter verursacht hat (Hann) 3 ). 
An schädigender Intensität scheinen sich aber diese langlebigen Wirbelstürme nicht besonders und 
nur ganz selten von den Tiefs der gemäßigten Zonen zu unterscheiden. Für die Frage nach einer 
Wirtschaftsinstabilität kommt ihre Bahn in den mittleren Breiten nicht mehr in Betracht. 
Ihrer Längenausdehnung nach sind die Orkane untereinander außerordentlich verschieden. Ganz 
allgemein kann man sagen — abgesehen vom Mangel an Beobachtungen — daß die Sturmbahnen Ostasiens 
und Westindiens meist wenigstens doppelt so lang sind, als die im nördlichen indischen Ozean 4 ). 
Ein glücklicher Umstand bei den tropischen Wirbelstürmen ist ihr relativ seltenes, an bestimmte 
Jahreszeiten gebundenes Auftreten 5 ). Dies beeinflußte auch die meisten Theorien über die Entstehung 
der Zyklonen; denn ihre Häufigkeit fällt in die Zeit unmittelbar nach der größten Sonnenbestrahlung. 
Besonders deutlich wird dies überall dort, wo die Sonne zweimal im Jahre im Zenith steht und tatsächlich 
auch ein doppeltes Maximum der Orkanhäufigkeit beobachtet worden ist. 
Die Zahlen der Tabelle, die den neuesten und zuverlässigsten Werken entnommen sind, zeigen 
deutlich die größte Sturmhäufigkeit im Sommer und Herbst. Diese jahreszeitliche Verteilung ist schon 
seit den großen Seefahrten bekannt; volkstümlich ist diese Kenntnis in dem sogen. Taifunreim, der in 
Ostasien und Westindien viel verbreitet ist 6 ). 
June too soon 
July, stand by 
August, come it must 
September remember 
October all over. 
’) Nach S. S. Visher (131). * *) M. W. R. 1923 S. 653. *1 Attlmayr (6) S. 746; vgl. hierzu die Arbeiten von Loomis und von 
Reid. 4 ) Messungen auf Karten der Sturmbahnen ergaben: Ostasien 4500 km (geradlinige Bahnen 3400 km), Westindien 3700 km, 
Bengalen-Bai 1600 km, nach (35) und (130). 5 ) Visher allerdings ist neuestens der Ansicht, daß die Meinung von der jahreszeit 
lichen Beschränkung der Orkane auf dein Mangel an Beobachtungen und der Unterschätzung dieses Phänomens überhaupt beruhe. 
*) Aspinall (5) S. 4.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.