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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1925. Heft 3.
Tabelle 3 (Anhang) sind diese mittleren Ost- und Nordkomponenten zunächst enthalten. Aus ihren
Werten wurden sodann die mittleren Resultanten graphisch ermittelt, sie sind in dem anschließenden
Tabellenteil in Graden des Vollkreises (0°—360°) und Metersekunden angegeben. Sodann sind die skalaren
Windgeschwindigkeiten gegeben ebenfalls nach der Differenzenmethode aus den in den Aufstiegstabellen
enthaltenen Geschwindigkeiten ohne Berücksichtigung der Richtung gemittelt. Das Verhältnis der vektoriellen
zur skalaren Geschwindigkeit gibt ein Maß für die Beständigkeit. In der Tabelle 3 ist es, mit 100 multipliziert,
als prozentische Beständigkeit wiedergegeben. Große Beständigkeit (>- 67%) ist fett, geringe («< 33%)
kursiv gedruckt. Der letzte Abschnitt der Tabelle enthält die beobachteten höchsten Windgeschwindigkeiten,
die größten Werte der Luftversetzung innerhalb der 500-m-, bzw. 1000-m-Stufen; sind sie jedoch kleiner
als die entsprechenden nach der Differenzenmethode errechneten skalaren Windgeschwindigkeiten, so sind
sie in der Tabelle fortgelassen. Maxima der Windgeschwindigkeit von 20 m/sec oder darüber sind durch
Fettdruck hervorgehoben.
b) Die Grenze zwischen westlichen und östlichen Winden.
Die Nordgrenze der östlichen Winde in den untersten Luftschichten an der Meeresoberfläche wurde
auf der Ausreise am 28. 5. unter 34° N. Br. und 35° W. Lg., auf der Heimreise am 21. 8. unter 36° N. Br.
und 36° W. Lg. geschnitten. Sie hat sich also innerhalb zwölf Wochen mit vorrückender Jahreszeit nur
um 2 Breitengrade nordwärts verschoben.
Die Höhenwindmessungen an der Nordgrenze des Passats zeigen in beiden Fällen bereits nördlich
von der Grenzlinie am Boden über westlichen Unterwinden nordöstliche Strömung. Auf der Ausreise
dreht bereits am 27. 5. nachmittags der Wind von WNW über N auf NzE in 2000 m. Die
folgende Windmessung ergibt über nordwestlichem Unterwind bereits östliche Winde ab 500 m. Auf der
Heimreise zeigen sich am 20. 8. unter 33° N. Br. noch in allen Höhenlagen nordöstliche Winde. Am
folgenden Tage dreht der Wind in den untersten Schichten bereits auf S bis W, und am 22. 8. haben
die westlichen Winde vormittags bereits eine vertikale Mächtigkeit von 3900 m, um in Rechtsdrehung noch
höher hinauf die Nordrichtung zu überschreiten.
In den Mittelwerten ist die Grenze zwischen westlichen und östlichen Winden in den untersten
4 Höhenkilometern bei 35° N. Br. zwischen Gruppe III und IV erkennbar. Oberhalb 4 km Höhe
herrschen schon zwischen 35 und 40° N. Br. im Mittel nordöstliche Winde. Die Grenze zwischen westliched
und östlichen Winden ist somit auf dieser Fahrt von 35° N. Br. an der Meeresoberfläche ansteigend nach
Norden geneigt, soweit die Beobachtungen reichen. Und zwar bezieht sich diese Feststellung etwa auf
die Mitte des Nordatlantik, zwischen 30 und 40° W. Lg.
Weiter westlich, etwa zwischen 45 und 60° W. Lg., liegen Beobachtungen von Mey 1 ) aus den
ersten Oktobertagen 1922 vor, bei denen die Grenzen zwischen westlichen und östlichen Winden von
37° N. Br. am Boden in der Höhe steil bei 35° N. Br. bis mindestens 14 km ansteigt. Während so in
der Mitte und im Westen des Nordatlantik unter etwa 35° N. Br. eine bis zu großen Höhen reichende,
steil aufsteigende Windscheide zwischen östlichen und westlichen Winden festzustellen ist, erhebt sich im
östlichen Teile des Nordatlantik nach den Untersuchungen von Sverdrup*) die Grenze zwischen westlichen
und östlichen Komponenten erst bei 20 ° N. Br. von etwa 2 km Höhe an beinahe senkrecht in die
Höhe. In den unteren 2 Höhenkilometern steigt sie von etwa 38 ° N. Br. am Meeresspiegel bis auf etwa
1750 m unter 32° N. Br., um sich vorübergehend bis auf etwa 925 m unter 25° N. Br. zu senken. Die
Mittelwerte A, Peppiers®) zeigen ein Ansteigen von etwa 38° N. Br. am Boden, bis auf etwa 3,5 km
unter 30° N. Br. Zwischen 20° und 30° N. Br. verläuft hier die Grenze annähernd horizontal und geht
dann unter 20° N. Br. ebenfalls steil in die Höhe. Der Übersichtlichkeit halber sind die verschiedenen
Ergebnisse in Figur 1 und 2 schematisch dargestellt.
*) A. Mey: Pilotballonaufstiege auf einer Fahrt nach Mexiko, September bis Dezember 1922. A. d. Archiv d. Deutschen
Seewarte XLI, 1923, Nr. 4. S. 23—24. *) H. U. Sverdrup: Der nordatlantische Passat. Leipzig 1917. S. 45. *) A. Peppier: Die
Windverhältnisse im nordatlantischen Passatgebict. Beitr. z. Phys. d. fr. Atm. IV. 1912. S. 35—50.