II. Die Schwankungen des Wasserspiegels.
Im amtlichen Aufträge bearbeitet von Dr. II. Tltoratle.
Hierzu Tafel 4—6.
Inhalt.
Seite
1. Die Gewinnung der Beobachtungen 23
2. Die Hochwasserzeiten und Hubhöhen 25
3. Die Einwirkungen des Windes und des Luftdrucks 35
4. Die Form der Tiden 42
5. Schluß: Zusammenfassung 49
1. Die Gewinnung der Beobachtungen.
Beobachtungsstellen. Es kann ein günstiger Umstand genannt werden, daß der erste Schritt,
mit dem die Deutsche Seewarte in die Erforschung der Gezeiten der Deutschen Bucht eintrat, in die Sylter
Gewässer führte, wenigstens, was die Wasserstandsbeobachtungen auf See anlangt. Denn ein solcher
erster Versuch muß vor anderen auch ein Urteil über die Beobachtungsmethoden zulassen, und hier ge
währt das außerordentlich bereitwillige Entgegenkommen des Wasserbauamtes Husum die Möglich
keit, die an Bord der Schiffe „Poseidon“, „Senta“, sowie der Marinefahrzeuge „Peilboot I“, „Peilboot II“,
und „Peilboot V“ gemachten Beobachtungen mit zahlreichen Landbeobachtungen zu vergleichen. Das
Wasserbauamt Husum unterhielt vom 4, —18. August 1921 selbstzeichnende Pegel (s. Tafel 5, Nr. 1) in
Wittdün, Hörnum, Dagebüll, Südwesthörn, Westerlei Nord und -Süd, Osterlei Nord und -Süd, und
Munkmarsch, wozu noch der Schwimmerpegel in Husum selbst hinzukommt, deren Aufzeichnungen
als feste Grundlage der folgenden Untersuchung anzusehen sind. Als zuverlässig können auch die Beob
achtungen am Lattenpegel (Peilboot I (Beobachter Dr. Böhnecke) vom 10. bis 12. August 1921 im
Eöhrer Ley nördlich Föhr und Peilboot V (Beobachter Dr. Michaelis) vom 11. bis 12. August 1921 am
Ostende des Ellenbogens bei List) gelten.
Ausscheidung des Seegangs beim Loten. An Bord der Schiffe wurde der Wasserstand durch
Loten zu bestimmen versucht 1 ), denn es stand kein anderes festes Bezugsniveau für die Wasserstände zur
Verfügung als der Meeresboden. Doch hatte die Beobachtung mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen: mit
dem Seegang und mit den Ortsveränderungen des Schiffes. Die Ausscheidung der Wellenbewegung gelang
verhältnismäßig leicht auf den Marinefahrzeugen mit ihren darauf eingeübten Lotgasten, um so schwieriger
war sie auf „Poseidon“, der ja auch infolge seiner freien Lage dem Seegange am meisten ausgesetzt war und
gelegentlich Wellenhöhen über 3 m am Lot beobachtete. Es stellte sich heraus, daß es einem an den Gezeiten
wissenschaftlich interessierten Beobachter kaum möglich ist, sich beim Abschätzen des Mittels zwischen
Wellenberg und Wellental von vorgefassten Meinungen ganz frei zu machen und rein mechanisch zu ver
fahren. Zudem liegt auch der mittlere Wasserspiegel nicht in der Mitte zwischen Berg und Tal, weil die
Berge mehr zugeschärft, die Täler aber weiter ausgehöhlt zu sein pflegen, und das reine Mittel zwischen
1 ) Zur Ergänzung der Karte Taf. 5, No. 1 vergl. man den Vorbericht von G, Schott. Ann. d. Hydr. 1921, S. 400ff.
Die dortige Kartenskizze gibt auch die Zeiträume an, während welcher an den einzelnen Ankerplätzen beobachtet wurde.
S. hierfür auch Tabelle 2 unten.