Dr. Ä. Sch ii mach er, Die Gezeitenströmungen.
21
achtungen der Feuerschiffe „Terschellinger Bank", „Haaks“, „Maas“, „Schouwenbank“ und „Noord
Hinder“ eine wesentlich größere Übereinstimmung zwischen den Werten von co für die M 2 - und M 4 -
Tide ermittelte, als sie sich für die „Poseidon“-Station ergeben hat (die größte Abweichung betrug 32°).
Die Diagramme Abb. 6 und 7, Tafel 3 gestatten, die mittlere Gezeitenstrombewegung während der
Beobachtungszeit („vom Reststrom befreit“) mit derjenigen zu vergleichen, die sich durch Zusammen
setzung der gefundenen M 2 - und M 4 -Ellipsen ergibt. 1 ) Die Abweichung zwischen den beobachteten
vektoriell gemittelten Richtungen und den mit Hilfe der gefundenen M 2 -f M 4 -Tide berechneten Werten
beträgt in 5 m Tiefe im Mittel 5 — 6° (% Kompaßstrich), im Höchstfälle 9°, in 19 m Tiefe im Mittel 3—4°,
im Höchstfälle ebenfalls 9°. Für die Geschwindigkeiten sind die Unterschiede zwischen Beobachtung und
Rechnung in 5 m Tiefe im Mittel 2.5 cm/sec (größte Abweichung 6.5 cm/sec), in 19 m Tiefe 1.8 cm/sec
(größte Abweichung 5.4 cm/sec). Die Beobachtungen werden also durch Zusammensetzung der gefundenen
M 2 - und M 4 -Ellipsen recht befriedigend dargestellt.
7. Rückblick.
Die Ungunst der Wetterverhältnisse, unter der die Beobachtungen im August 1921 zu leiden hatten,
machte die z. T. seit langem bekannten und erörterten Mängel in der bisher vorwiegend üblichen Technik
der Strommessung besonders fühlbar. Vor allem drei Fehlerquellen sind hervorzuheben:
1. Das Schwoien und Gieren des Beobachtungsfahrzeuges.
■ 2. Die Störung der Wasserbewegung durch den Schiffskörper.
Zu diesen Mängeln, die allen Beobachtungen anhaften, bei denen der Apparat vom verankerten
Fahrzeug ausgebracht wird, tritt als besonderer Nachteil des benutzten Instrumentes
3. Die Fälschung der Richtungsangaben durch die Deviation des Kompasses im Ekman-Merz-
Strommesser.
Vorrichtungen, um Fehler der ersten und zweiten Art quantitativ zu ermitteln, konnten nicht zur
Anwendung gebracht werden, z. B. mußten die geplanten Parallelbeobachtungen vom verankerten Boot
auf der Station des „Poseidon“ in der offenen See ausfallen. Die dritte Störung, die Deviation der Kompaß
nadel im Strommesser, konnte bei einer großen Zahl von Beobachtungsreihen mit genügender Genauig
keit ausgemerzt werden. Beim Vergleich mit früheren Beobachtungen aus unserem Untersuchungsgebiet
stellte sich denn auch heraus, daß die früher nicht beachtete Fälschung der Richtungsangaben beim Ekman-
Strommesser durch den Schiffsmagnetismus zu irrtümlichen Schlüssen sowohl hinsichtlich der Art der
periodischen wie der unperiodischen Wasserversetzung geführt hat.
Für die offene See querab Lister Tief zeigen die Diagramme ein Übergangsstadium zwischen reinem
Drehstrom und alternierendem Strom, bei zyklonalem Drehungssinn. Zur Zeit der kräftigsten Entwicke
lung ist der Gezeitenstrom in den Nordwest- bezw. Südostquadranten gerichtet. Es herrscht große Über
einstimmung zwischen der horizontalen Tidenbewegung aller Schichten (abgesehen vielleicht von der
eigentlichen Oberfläche), wenigstens bei gut durchmischtem Wasser. Die bei der harmonischen Analyse
der ,,Poseidon“-Beobachtungen gefundenen Stromellipsen der M 2 -Tide stimmen für 5 und 19 m Tiefe nach
Größe und Orientierung in bemerkenswerter Weise überein. Frühere abweichende Befunde gerade aus
der Nachbarschaft unseres Beobachtungspunktes beruhen offenbar auf instrumentellen (Deviations-)
Fehlern. Zu erwähnen ist, daß, anscheinend in Einklang mit älteren Beobachtungen auf der Höhe von
Sylt, nach den Beobachtungen im August 1921, das Hochwasser und Niedrigwasser nach dem Kentern
zum „Ebb-“ bezw. „Flutstrom“ erfolgt, daß also zur Zeit des Hochwassers schon „Ebbstrom“, zur Zeit
des Niedrigwassers schon ,,Flutstrom“ läuft. — Die auf der offenen See für Springzeit ermittelten höchsten
Stromgeschwindigkeiten sind durchweg um die Hälfte höher als die für Nippzeit gefundenen.
*) Die Diagramme der mittleren Gezeitenstrombewegung nach Abb. 3/4, Tafel 1 bezw. Abb. 6/7, Tafel 3 stimmen
nicht vollständig miteinander überein, weil, wie auch in Abschnitt 2 ausgeführt, den ersteren neben tatsächlichen auch
interpolierte Daten zugrunde liegen, während bei der Mittelbildung für die harmonische Analyse nur tatsächliche Beobach
tungen (unter Ausscheidung unwahrscheinlicher Werte) benutzt worden sind.