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Full text: 41, 1923

36 
Aus dem Archiv der Deutschen Seewartc. 
1923. Nr. 1. 
fcß bß 
(zwei aus der Gotland-Tiefe, ein aus der Bornholm-Tiefe) vor, bei denen außerdem auch der Sauerstoff 
ehalt und die freie Kohlensäure festgestellt sind. Die Ergebnisse sind in folgender Tabelle zusammen- 
estellt. ' ' ? 
Tab. 26. Die Anomalie der Gesamtkohlensäure usw. in der Gotland- und Bornholm -Tiefe 1922. 
Tiefe 
111 
Tempe 
ratur 
°C 
Salz 
gehalt 
«/00 
Gesamtkohlensänre 
ccm/L 
Sauerstoff- 
deflzit 
A O* * 
A A CO2 
A O2 
freie Kohlensäure 
beob 
achtet 
auf 0° 
reduziert 
Normal- 
wert, 
Anomalie, 
A3C02 
Anomalie 
A COj 
ACO2 
A Oi 
1 
Gotland-Tief. 31 
VII. 1922. 
100 
4.55 
10.90 
38.31 
38.77 
34.45 
+4.32 
-4.72 
-0.91 
+2.3 
-0.48 
209 
4.60 
12.81 
40.38 
40.84 
35.82 
+5.02 
-5.78 
-0.87 
+2.9 
-0.50 
2, Bornholm-Tief. 29. III. 1922. 
96 || 4.58 || 18.06 || 42.75 | 43.21 | 39.68 | -r-3.53 || -4.03 || -0.88 |i +1.45 | -0.36 
Es wurde so vorgegangen, daß der beobachtete Wert der Gesamtkohlensäure zunächst auf 0 
reduziert, dann der Darstellung auf Tafel 5, Nr. 3 der dem Salzgehalt entsprechende Wert der 
Gesamtkohlensäure bei völliger Durchlüftung für die Temperatur 0° entnommen wurde, die Differenz 
ergab die Anomalie. Weiter wurde der Quotient aus dieser Anomalie der Gesamtkohlensäure und dem 
Sauerstoffdefizit gebildet, die beiden letzten Kolumnen sind bereits früher behandelt. 
Das wesentlichste Ergebnis ist zunächst, daß der Quotient ^größer ist als der Quotient — 
Dem Werte —^ kommt eine größere Bedeutung zu. Da er uns das Verhältnis zwischen der seit 
// 0-2 
der letzten Herausbildung des Gleichgewichtszustandes mit der Atmosphäre überhaupt im Wasser 
erzeugten Kohlensäure zu dem insgesamt verbrauchten Sauerstoff angibt, so stellt er gewissermaßen 
die Bilanz aller die Kohlensäure und den Sauerstoff beeinflussenden Faktoren dar und er ähnelt dem 
in der Biochemie gebräuchlichen „respiratorischen Quotienten“ nach Pflüger.*) Es sind 
bereits viele respiratorische Quotienten bestimmt worden 2 ), er ist beim Menschen etwa 0.78, bei den 
Fischen in der Regel zwischen 0.74 und 0.88. Auch von mehreren anderen Meeresbewohnern ist dieser 
Quotient bekannt, so z. B. vom Radiolar Collozoon inerma, für das 1.06 gefunden wurde, doch sind die 
Zahlen für diese kleineren Lebewesen recht unsicher. Als mittleren respiratorischen Quotienten für die 
das Wasser bewohnenden Organismen können wir nach den bislang vorliegenden experimentellen 
Untersuchungen wohl den Wert 0. 8 bis 0. o ansehen. Da außer den geringer ins Gewicht fallenden Ver 
wesungsvorgängen in größeren Tiefen die Atmung der Tiere durchaus als ausschlaggebend für die 
Veränderungen des Gasgehalts des Meerwassers anzusehen ist, sind wir berechtigt, den Quotienten 
J A' C0 2 
.4 Oi 
als den mittleren respiratorischen Quotienten der Gesarnliebeweit anzusehen, die in dem 
untersuchten Wasser gelebt hat. Es wurde jedoch vermieden, ihn diirchgehends so zu bezeichnen; weil 
nicht nur die den Aufbau der Organismen bedingenden Lebensvorgänge, sondern in geringerem Maße auch 
der Abbau der Organismen und allerdings kaum ins Gewicht fallende anorganische Vorgänge, wie z. B. 
Kalkauflösung, ihn beeinflussen. Es wird deshalb fortan die neutralere Bezeichnung Sau er st off- 
11 m wandlu ngsf akt or gewählt werden, weil er uns angibt, wieviel von einer Einheit Sauerstoff in 
Kohlensäure umgewandelt ist. Dem Sauerstoffumwandlungsfaktor kommt nach obigen Ausführungen 
nicht nur eine hydrographische, sondern auch eine biologische Bedeutung zu und es wurde deshalb ver 
sucht, ihn möglichst genau zu bestimmen. Hierzu wurden von dem gesamten bisher veröffentlichten 
Material alle die Beobachtungen der Gesamtkohlensäure herangezogen, bei denen der Sauerstoffgehall 
bestimmt und außerdem kleiner als 60 % war. Diese Grenze wurde gezogen, damit die Anomalien der 
J ) Dev respiratorische Quotient ist das Verhältnis zwischen dev von einem Lebewesen erzeugten Kohlensäure 
mul dem verbrauchten Sauerstoff. 
*) Vergl. C. Oppenheimer, Handbuch der Biochemie des Menschen und der Tiere. Jena 1910, Band JV,,.
	        
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