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Full text: 41, 1923

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1923. Heft 4. 
noch hei 17 km gefunden und dann senkt sie sich in den noch südlicheren Gruppen über 11 km bei 
Gruppe VI h bis auf 4 km in Gruppe VII h. Wir sehen also ein bis in die Stratosphäre sich erstreokendes 
Maximum der Reichhöhe des Ostwindes zu dieser Jahreszeit (Mitte Oktober) zwischen 25° und 35° Nord- 
breite, von dem aus sie gegen N hin sehr rasch, gegen Süden hin weniger aber doch auch erheblich 
rasch abnimmt. Wesentlich anders ist das Bild bei den w-Gruppen. Hier schneidet die Grenze zwischen 
Ost- und Westwinden die Erdoberfläche bei etwa 25° Breite, bei Gruppe VIw liegt sie in 4 km, bei 
Gruppe VIIw in 7 km Höhe, wir sehen hier ein Ansteigen der Westwiindgrenze nach Süden zu bis zur 
südlichsten Gruppe, so wie Wegener und Kuhlbrodt es auf ihrer Reise für das Frühjahr (Ende April) 
gefunden hatten. Die Schnittlinie dieser Grenzfläche finden wir bei etwa 25°, gegenüber etwa 35° bei 
den h-Gruppen, sie hat sich also von der ersten Oktoberhälfte bis zur zweiten Novemberhälfte um rund 
10 Grad nach Süden verschoben. Diese Verschiebung ist wohl in der Hauptsache auf die jahreszeit 
liche Änderung in der allgemeinen Luftdruckverteilung zurückzuführen, der Hochdruckgürtel der Roß 
breiten hat bekanntlich im Oktober seine nördlichste Lage und wandert dann nach Süden. Von diesem 
Standpunkte aus ist auch das Herabsteigen der Westwindgrenze innerhalb der Gruppen Vh bis VIIli 
zu beurteilen. Dieses versinnbildlicht keineswegs eine nach Süden zu geneigte Grenzfläche zwischen 
östlichen und westlichen Winden, sondern vielmehr die Südwärtsverschiebung der nach N abfallenden 
Grenzfläche von der herbstlichen zur winterlichen Lage. Die Abkühlung, idde mit fortschreitender 
Jahreszeit über dem nordamerikanischen Kontinent immer mehr zunimmt und eine Senkung der Druck 
flächen herbeiführen muß, ist der Ausbildung westlicher Winde in der Höhe und damit der Herab 
senkung der Grenzfläche zwischen östlichen und westlichen Winden günstig. Das Bild der Ostkompo 
nenten bei den h-Gruppen stellt somit einen Übergangstypus dar, in dem noch der herbstliche Charakter 
iibervviegt, während das Bild bei den w-Gruppen schon den winterlichen Verhältnissen entspricht. Die 
von Wegener und Kuhlbrodt für Ende April gefundene Verteilung der Ostkomponenten gibt eine Lage 
der nach N abfallenden Grenzfläche, die zwischen die beiden von uns gefundenen fällt, ihre Schnitt 
linie mit der Meeresoberfläche ist in etwa 30° Breite zu suchen, ist also gegenüber der von uns ge 
fundenen Winterlage bereits wieder nordwärts gewandert. 
Ebenso auffallend verschieden sind die Ergebnisse bezüglich der Nordkomponenie in den beiden 
Abschnitten der Reise; bei den h-Gruppen herrscht eine entschiedene Südwindströmung innerhalb des 
Passatgebietes, bei den w-Gruppen dagegen eine ausgesprochene Strömung aus N. Auch hier kann man 
an zwei verschiedene jahreszeitliche Charaktere denken. Wegener und Kuhlbrodt wiesen (1. c. S. 34) 
darauf hin, daß aus der Wechselwirkung zwischen dem thermisch im Jahre sich wenig verändernden 
Südamerika und dem im Laufe des Jahres starke Temperaturänderungen erleidenden nordamerikani 
schen Kontinent Luftströmungen mit Monsuncharakter entstehen müssen. Demnach brächten in 
unserem Falle die h-Gruppen mit ihren südlichen Komponenten die sommerliche, die w-Gruppen mit 
den nördlichen Komponenten die winterliche Monsunströmung zum Ausdruck und die Gruppe VII h 
stellte den Übergang von der Sommer- zur Winterlage dar. Die außerordentliche Beständigkeit, mit der 
auf der Hinreise von etwa 50° Westlänge ab bis an die mexikanische Küste der Südostwind wehte, 
spricht ohne weiteres für den sommerlichen Monsuncharakter der unteren Luftströmung, die den ab 
gelenkten Passat darstellt. Die Luftversetzung aus S reicht aber in ganz bedeutende Höhen, die Grenze 
gegen eine darüberliegende Liiftversetzung aus N steigt nach Süden zu rasch an, sie liegt bei der 
Gruppe Vh schon in der Höhenlage der Grenze der Troposphäre. Für die Erklärung der südlichen 
Komponente in den mittleren Luftschichten kann man auf die schon früher bei den Ostkomponenten in 
Erwägung gezogene Senkung der Druckflächen über idem nordamerikanischen Kontinent beim Über 
gang zum Winter zurückgreifen und muß dann annehmen, daß die Umstellung in den höheren Schichten 
bereits vor sich geht, während unten noch die sommerliche Monsunkomponente anhält. Darin käme 
dann wieder der Charakter des Übergangstypus der h-Gruppen bei den mittleren Nord'komponenten 
ebenso zum Ausdruck wie bei den mittleren Ostkomponenten. Hochreichende Südostwinde sind nach den 
Wolkenzugbeobachtungen von Gangoiti 1 ) in Havanna charakteristisch für den Herbst, es herrscht also 
D P. L. G a n g o i t i, S. J. Las differentes corrientes de la atmosfera en el cielo de Habana. Habana 1904.
	        
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