Dr. E r ic h K u h 1 b r o d t, Boden- und Höhenwinde der Balkanhalbinsel.
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der stärkste zu sein pflegt, liefert eine klimatische Brauchbarkeit der Angabe. Dem Zweifel hierüber
entgeht unsere Methode der Bestimmung des mittleren Windes. Allgemein hat die Meteorologie in
letzter Zeit ihr Augenmerk immer mehr darauf gerichtet, das Wesen der atmosphärischen Vorgänge in
dem Transport von Luftmassen verschiedenen Ursprungs und somit verschiedener Beschaffenheit zu
sehen. Das gilt auch für die Klimatologie in bezug auf die im Mittel sich ergebende Verfrachtung der
Luft über einem Gebiet. Die Luftmassen bringen auf ihrem Wege mehr oder weniger diejenigen Eigen
schaften mit, welche sie an ihrem Ursprungsort angenommen haben, um so mehr, je schneller die Ver
setzung vor sich geht. Sie werden also .das Klima der Gegenden, welche sie überfließen, mehr oder
weniger stark beeinflussen. Das Stromfeld eines Gebiets, welches ich aus den mittleren Winden der
einzelnen Orte erhalte, gibt mir die im Mittel überwiegende Richtung und Stärke der Luftverfrachtung,
welche beide klimatisch von großer Bedeutung sein müssen.
Besonders wertvoll ist das sich ergebende Element der Beständigkeit. Ein mittlerer Wind kann
auf die verschiedenste Weise zustande kommen, er kann während de« betrachteten Zeitraums etwa
stationär so vorhanden, er kann aber auch in dieser Zeit den größten, verschiedenartigsten Schwankungen
unterworfen gewesen sein. Ebenso wie beim Luftdruck, der Temperatur usw. außer dem Mittelwerte die
Kenntnis der Variabilität in ihren verschiedenen Formen unerläßlich ist, so ist beim mittleren Wind die
Beständigkeit ein wichtiges, unerläßliches klimatisches Element.
2. Vorbemerkungen.
Die obige Methode findet in dieser Abhandlung ihre erste ausführliche Anwendung. Es ist ein
günstiger Umstand, daß sie gerade auf die Balkanhalbinsel angewandt werden kann, denn diese hat einen
sehr ausgesprochenen jährlichen Gang im Klima und hier spielt das Element Beständigkeit eine wesent
liche Rolle.
Bei der Berechnung des mittleren Windes beschränkten wir uns auf den Bodenwind und den Wind
in 3000 m Höhe. Die Werte für weitere Höhen abzuleiten, wäre zwar recht Interessent, aber die Arbeit
hierfür wäre doch zu groß gewesen. Schon so mußten die obigen Rechnungen etwa 880mal durchgeführt
werden (für jede Station in jedem Monat zweimal), so daß eine sehr umfangreiche Rechenarbeit den
folgenden Ergebnissen zugrunde liegt.
Die Höhenschicht von 3000m wurde gewählt, weil hier noch zahlreiche Messungen vorhanden sind,
während für die Höhen darüber die Zahl der Beobachtungen rasch abnimmt. Dann hat es sich ergeben,
daß für das 3000m-Niveau bereits weitgehende Unabhängigkeit von der Bodenunterlage vorhanden ist.
In meiner Klimaarbeit über Mazedonien 1 ) untersuchte ich die prozentische Häufigkeit der Windrichtungen
für die einzelnen 1000 m-Stufen für die drei mazedonischen Warten Prilep, Hudova und Drama (im Mittel
von zwei Jahren). Diese drei Orte sind wesentlich verschieden gelegen. Es ergab sich, daß bis 2000 m
einschließlich die Winde an den drei Orten vorwiegend infolge der starken, sehr verschiedenen lokalen
Beeinflussung eine ungleichartige Verteilung zeigten, daß aber von 3000 m ab die Übereinstimmung sehr
groß ist. Für diese letztere Höhe können wir also annehmen, daß hier die große einheitliche, kaum ge
störte Luftströmung erfaßt ist. Die folgenden Ergebnisse bestätigen dies; es besteht in 3000 m Höhe eine
vorzügliche Übereinstimmung der mittleren Winde bei benachbarten Stationen bezw. eine vorzügliche
Stetigkeit bei Änderungen zwischen den einzelnen Orten. Dies ist der Fall, obwohl hinzukommt, daß die
Zahl der Beobachtungen an den einzelnen Stationen verschieden und so das Material, streng genommen,
nicht homogen ist. Das ist nicht verwunderlich, da die Zahl der Fälle zumeist sehr groß ist und so die
wirklichen Verhältnisse gut erfaßt sind. Das ist selbst bei einer geringeren Zahl von Fällen zu erwarten,
da ja die oberen Winde eine relativ große Konstanz haben. Nur ausnahmsweise wird in Monaten mit
besonders veränderlicher Witterung an Stationen mit geringer Zahl von Beobachtungen der errechnet^
mittlere Wind einen systematischen Fehler enthalten. Der Nachteil der Methode der Pilotballonaufstiege,
nämlich die Bevorzugung der Schönwetterperioden, wird sich in solchen Fällen bemerkbar machen. Die
Zahl der Beobachtungsfälle wird daher im folgenden immer hinzugefügt werden.
i) a. a. O.. 8. 41 Fig. 3.