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Full text: 41, 1923

Dr. E r ic h K u h 1 b r o d t, Boden- und Höhenwinde der Balkanhalbinsel. 
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der stärkste zu sein pflegt, liefert eine klimatische Brauchbarkeit der Angabe. Dem Zweifel hierüber 
entgeht unsere Methode der Bestimmung des mittleren Windes. Allgemein hat die Meteorologie in 
letzter Zeit ihr Augenmerk immer mehr darauf gerichtet, das Wesen der atmosphärischen Vorgänge in 
dem Transport von Luftmassen verschiedenen Ursprungs und somit verschiedener Beschaffenheit zu 
sehen. Das gilt auch für die Klimatologie in bezug auf die im Mittel sich ergebende Verfrachtung der 
Luft über einem Gebiet. Die Luftmassen bringen auf ihrem Wege mehr oder weniger diejenigen Eigen 
schaften mit, welche sie an ihrem Ursprungsort angenommen haben, um so mehr, je schneller die Ver 
setzung vor sich geht. Sie werden also .das Klima der Gegenden, welche sie überfließen, mehr oder 
weniger stark beeinflussen. Das Stromfeld eines Gebiets, welches ich aus den mittleren Winden der 
einzelnen Orte erhalte, gibt mir die im Mittel überwiegende Richtung und Stärke der Luftverfrachtung, 
welche beide klimatisch von großer Bedeutung sein müssen. 
Besonders wertvoll ist das sich ergebende Element der Beständigkeit. Ein mittlerer Wind kann 
auf die verschiedenste Weise zustande kommen, er kann während de« betrachteten Zeitraums etwa 
stationär so vorhanden, er kann aber auch in dieser Zeit den größten, verschiedenartigsten Schwankungen 
unterworfen gewesen sein. Ebenso wie beim Luftdruck, der Temperatur usw. außer dem Mittelwerte die 
Kenntnis der Variabilität in ihren verschiedenen Formen unerläßlich ist, so ist beim mittleren Wind die 
Beständigkeit ein wichtiges, unerläßliches klimatisches Element. 
2. Vorbemerkungen. 
Die obige Methode findet in dieser Abhandlung ihre erste ausführliche Anwendung. Es ist ein 
günstiger Umstand, daß sie gerade auf die Balkanhalbinsel angewandt werden kann, denn diese hat einen 
sehr ausgesprochenen jährlichen Gang im Klima und hier spielt das Element Beständigkeit eine wesent 
liche Rolle. 
Bei der Berechnung des mittleren Windes beschränkten wir uns auf den Bodenwind und den Wind 
in 3000 m Höhe. Die Werte für weitere Höhen abzuleiten, wäre zwar recht Interessent, aber die Arbeit 
hierfür wäre doch zu groß gewesen. Schon so mußten die obigen Rechnungen etwa 880mal durchgeführt 
werden (für jede Station in jedem Monat zweimal), so daß eine sehr umfangreiche Rechenarbeit den 
folgenden Ergebnissen zugrunde liegt. 
Die Höhenschicht von 3000m wurde gewählt, weil hier noch zahlreiche Messungen vorhanden sind, 
während für die Höhen darüber die Zahl der Beobachtungen rasch abnimmt. Dann hat es sich ergeben, 
daß für das 3000m-Niveau bereits weitgehende Unabhängigkeit von der Bodenunterlage vorhanden ist. 
In meiner Klimaarbeit über Mazedonien 1 ) untersuchte ich die prozentische Häufigkeit der Windrichtungen 
für die einzelnen 1000 m-Stufen für die drei mazedonischen Warten Prilep, Hudova und Drama (im Mittel 
von zwei Jahren). Diese drei Orte sind wesentlich verschieden gelegen. Es ergab sich, daß bis 2000 m 
einschließlich die Winde an den drei Orten vorwiegend infolge der starken, sehr verschiedenen lokalen 
Beeinflussung eine ungleichartige Verteilung zeigten, daß aber von 3000 m ab die Übereinstimmung sehr 
groß ist. Für diese letztere Höhe können wir also annehmen, daß hier die große einheitliche, kaum ge 
störte Luftströmung erfaßt ist. Die folgenden Ergebnisse bestätigen dies; es besteht in 3000 m Höhe eine 
vorzügliche Übereinstimmung der mittleren Winde bei benachbarten Stationen bezw. eine vorzügliche 
Stetigkeit bei Änderungen zwischen den einzelnen Orten. Dies ist der Fall, obwohl hinzukommt, daß die 
Zahl der Beobachtungen an den einzelnen Stationen verschieden und so das Material, streng genommen, 
nicht homogen ist. Das ist nicht verwunderlich, da die Zahl der Fälle zumeist sehr groß ist und so die 
wirklichen Verhältnisse gut erfaßt sind. Das ist selbst bei einer geringeren Zahl von Fällen zu erwarten, 
da ja die oberen Winde eine relativ große Konstanz haben. Nur ausnahmsweise wird in Monaten mit 
besonders veränderlicher Witterung an Stationen mit geringer Zahl von Beobachtungen der errechnet^ 
mittlere Wind einen systematischen Fehler enthalten. Der Nachteil der Methode der Pilotballonaufstiege, 
nämlich die Bevorzugung der Schönwetterperioden, wird sich in solchen Fällen bemerkbar machen. Die 
Zahl der Beobachtungsfälle wird daher im folgenden immer hinzugefügt werden. 
i) a. a. O.. 8. 41 Fig. 3.
	        
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