accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : 41, 1923

48

Ans  (lera  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.

—  1023.  Kr.  2.

2.  Vertieftes  Niedrigwasser  in  Westerley  Nord.  Die  umgekehrte  Erscheinung  findet  sich
in  Westerley  Nord  (Tafel  4,  Nr.  16)  und  ähnlich  in  Westerley  Süd.  Bei  tiefem  Niedrig  wasser  (tiefer  als
—  90  cm  in  Westerley  Nord,  —100  cm  in  Westerley  Süd),  also  namentlich  um  Springzeit,  aber  auch,
wenn  der  Wind  das  Wasser  fortgetrieben  hat,  fällt  das  Wasser  bis  etwa  —  70  ;  —  80  cm  NN  regelmäßig,
dann  aber  mit  wachsender  Beschleunigung.  Man  kann  annehmen,  daß  bis  zu  der  fraglichen  Höhe  noch
ziemlich  große  Teile  des  höheren  Watts  unter  Wasser  sind,  und  daß  das  Wasser  bis  dahin  langsam  abläuft;
daß  aber  unterhalb  derselben  im  wesentlichen  nur  die  Priele  Wasser  führen  und  der  in  ihnen  enthaltene,
namentlich  in  der  Nähe  der  Wasserscheide  nur  kleine  Rest  dann  schnell  wegfließt.  Daß  die  Schmalheit
des  Priels  hier  mitspricht,  indem  dadurch  die  Wassermenge  eingeschränkt  wird,  scheint  auch  daraus
hervorzugehen,  daß  in  dem  nahen  Osterley  Süd,  das  aber  in  einer  etwas  breiteren  Mulde  liegt  (vgl.  die
Seekarte  Nr.  70),  die  Tidekurve  keine  solchen  Steilabfälle  besitzt.
3.  Borenartiges  Steigen  in  Südwesthörn.  Während  die  Eigentümlichkeit  des  schnellen  Pallens
in  der  Gezeitenliteratur  eine  Seltenheit  bildet  (meistens  ist  der  letzte  Teil  des  Fallens,  wenn  überhaupt
unregelmäßig,  verlangsamt;  z.  B.  Tafel  4,  Nr.  13,  14  u.  a.),  ist  der  entgegengesetzte  Pall  eines  schnellen
Steigern  um  so  öfter  behandelt.  In  den  Sylter  Gewässern  ist  es  namentlich  Südwesthörn,  wo  der  fallende
und  der  steigende  Ast  der  Tidekurve  nicht  allmählich  ineinander  übergehen  (Tafel  4,  Nr.  13),  sondern
einen  scharfen  Knick  bei  Niedrigwasser  büden,  wie  er  bei  den  anderen  auf  dem  seichten  Wasser  beobachteten ­
  Kurven  (Osterley  Süd,  Westerley  Süd,  und  Westerley  Nord)  nicht  in  dieser  Schärfe  auftritt.  Häufig
beginnt  das  Steigen  in  Südwesthörn  aber  noch  unvermittelter;  eine  Reihe  von  Beispielen  bringt  Tafel  4,
Nr.  17.  In  wenigen  Minuten  steigt  das  Wasser  um  mehrere  Dezimeter,  fällt  dann  öfters  eine  kurze  Zeit  und
steigt  mit  etwas  geringerer  Geschwindigkeit,  aber  auch  noch  sehr  schnell,  weiter;  gelegentlich  tritt  auch,
wie  am  16.  August,  nach  dem  ersten,  fast  augenblicklichen  Steigen  kein  Fallen,  sondern  ein  langsameres
Steigen  ein,  worauf  das  Wasser  wieder  schnell,  aber  nicht  so  plötzlich  wie  anfangs,  weiter  steigt.  Die
Pegelkurven  erinnern  außerordentlich  an  die  bei  Boren  beobachteten;  eine  von  Partiot  angegebene 1 )
ist  in  der  Figur  mit  verzeichnet.  Die  Ähnlichkeit  leuchtet  ein,  wenn  auch  die  Erscheinung  in  der  Seine
(„mascaret“)  viel  großartiger  entwickelt  ist.  Durch  Augenbeobachtung  ist  freilich  aus  Südwesthörn
keine  Bore  bekannt,  wie  sie  denn  in  deutschen  Gewässern,  außer  in  der  Ems  vor  ihrem  Ausbau,  nicht
beobachtet  ist.  Möglich  wäre  indessen,  daß  sie  doch  noch  nicht  groß  genug  und  hinreichend  scharf  ausgeprägt ­
  ist,  um  sich  dem  Auge  bemerkbar  zu  machen.  Eine  Bore  im  Wattenmeer  hat  Comoy  beschrieben 2 )
aus  der  Bucht  von  St.  Michel,  wo  sie  vor  der  Mündung  des  Couesnon  entsteht.  In  seinem  Atlas  gibt  er  auch
Tidekurven  von  Boren,  bei  denen  ein  Zurücksinken  nach  dem  ersten  plötzlichen  Steigen  eintritt.  Vorbedingung ­
  für  das  Zustandekommen  der  Bore  ist  nach  Comoy  ein  beschränktes  Fassungsvermögen  des
Flußlaufs,  und  sehr  fördernd  eine  Barre  vor  der  Mündung,  die  bei  Niedrigwasser  trocken  fällt.  Ob  man
das  auf  Südwesthörn  hinführende  Priel  und  seine  Verstopfung  in  der  Höhe  von  Dagebüll  so  auffassen
darf,  würde  jedoch  noch  einer  eingehenderen  Untersuchung  bedürfen.
4.  Doppeltes  Niedrigwasser  in  Husum.  Endlich  soll  darauf  hingewiesen  werden,  daß  in  Husum
gelegentlich  doppelte  Niedrigwasser  auf  treten.  Sie  sind  allerdings  nicht  immer  so  deutlich  wie  am  11.
August  (Tafel  4,  Nr.  18),  sondern  drücken  sich  oft  nur  in  einer  Verbiegung  des  unteren  Teils  der  Tidekurve ­
  aus.  Zwischen  den  beiden  Niedrigwassern  vergeht  rund  eine  Stunde,  bald  etwas  mehr,  bald  weniger.
Schwingungen  um  Niedrigwasser  und  eigentliche  doppelte  Niedrigwasser  wurden  aufgezeichnet  am
5.  August  Nm.,  am  10.  August  Um.,  am  11.  August  Vrn.  und  Nm.,  am  16.  August  Nm..  am  17.  und  18.
August  Vm.  und  Nm.  Diese  Art  des  Vorkommens  scheint  gegen  kosmische  Ursachen  zu  sprechen,  denn
am  3.  August  war  Neumond,  am  10.  August  Erstes  Viertel  und  am  18.  August  Vollmond.  Vielmehr  tritt
das  doppelte  Niedrigwasser  nur  bei  tiefem  Niedrigwasser  auf,  gleichgültig,  ob  dies  durch  Springtide  oder
durch  Windstau  hervorgerufen  ist.  Das  Wasserbauamt  Husum  sieht  die  Erscheinung  als  eine  Entstellung
der  normalen  Tidekurven  durch  Sielzug  an,  da  80  m  vom  Pegel  entfernt  ein  Entwässerungskanal  mündet;
ob  es  sich  um  eigentliche  Schwingungen  handelt,  ist  danach  mindestens  zweifelhaft,  Dagegen  scheinen

*)  Partiot,  Mémoire  sur  le  Mascaret.  Ann.  des  ponts  et  de8  chaussées,  IV.  R.  Paris  1861,  S.  17.—48,  s.  bes.  Taf.  3.
2 )  Comoy,  Etude  pratique  sur  les  marées  fluviales  et  notamment  sur  le  mascaret.  Paris  1881,  S.  354if.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.