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Full text: 41, 1923

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Ans dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1923. Nr. 2. 
Wind noch der an den Eingängen der Nordsee beobachtete, noch endlich die Luftdruck 
unterschiede die unter 1—3, S. 38 — 39 auf gezählten Bewegungen des Wasserstandes be 
friedigend erklären. 
Man könnte daran denken, daß es sich vielleicht um Schwankungen handelt, die vom offenen Ozean 
her in die Nordsee eindringen und hier in dem seichteren Wasser anschwellen 1 ). Bas mag annehmbar 
sein für die englischen Häfen, weil die „Wellen“ des Windstaus in Grimsby später auftreten als in Blyth 
(Tafel 4, Nr. 7), und die geringere Wassertiefe in Grimsby zu ihrer größeren Höhe stimmt. Es mag auch 
sein, daß sie sich in die Deutsche Bucht hinein fortpflanzen, aber ihr Ausmaß ist hier sehr viel größer, 
ohne daß die Wassertiefe gegenüber Grimsby entsprechend kleiner wäre, so daß diese Erklärung den Kern 
der Sache nicht treffen dürfte. Zudem treten die Schwankungen in den dänischen Häfen später ein und 
lassen eher eine Herkunft aus dem Süden als aus dem Norden vermuten. Mag also auch die Wirkung 
geringer ozeanischer Schwankungen, vielleicht unter den Einflüssen des Luftdrucks, der im Weltmeere 
wirksamer ist als der Wind 2 ), bei den englischen Häfen zur Erklärung ausreichen, und mögen sie in der 
Deutschen Bucht mitwirken, so wird .doch für die Deutsche Bucht die Hauptursache anderswo zu suchen 
sein. 
Versuch zur Erklärung der 4 Widersprüche. Nach dem allen gewinnt es den Anschein, als 
ob denn doch die eigentliche Ursache des Windstaus, wenigstens der Deutschen Bucht, in den dort 
herrschenden Winden gesucht werden müßte, wobei man sich den Windstau nicht aperiodisch, sondern 
als einen Schwingungsvorgang vorzustellen hätte. Die Möglichkeit einer solchen Auffassung läßt sich 
auch aus La Cours Mitteilungen über eine Sturmflut 3 ) herauslesen. Ein Wind von gleichbleibender Rich 
tung und Stärke würde dann, wenn er längere Zeit weht, Schwankungen des Wasserspiegels in der Art 
der Nr. 19, Tafel 4 hervorrufen. Er jagt zuerst einen wachsenden Wasserschwall auf die Küste zu, kann 
ihn aber nicht halten, und das Wasser schwingt zurück, infolge seiner Trägheit aber stärker, als es dem 
Gleichgewichtszustände entspricht, wie er durch den Wind bedingt ist, und erst nach einigen Schwingungen 
tritt ein Dauerzustand ein. Naturgemäß erfordert diese Anschauung nicht, daß jeder Windstau sich 
so entwickelt. Wenn z. B. der Wind langsam und stetig zunimmt, wäre es recht wohl denkbar, daß das 
Zurückschwingen unterbleibt, und wenn umgekehrt der Wind seine Stärke und Richtung zu schnell ändert, 
können ebenfalls die folgenden Wellen gewissermaßen zu spät kommen, um sich noch auszubilden 4 ). Im 
vorliegenden Kalle kann nun, um auf die S. 38 und S. 39 genannten vier Kragen einzugehen, der Wind in 
der Deutschen Bucht vom 6. bis 9. August wohl als annähernd konstant gelten, und der Tiefpunkt in 
der Nacht vom 7. zum 8. August, sowie das Kallen am 9. August würde sich damit erklären, vielleicht 
auch die geringere Höhe der zweiten Welle in der Nacht vom 8. zum 9. August, wenn bei dieser auch eine 
geringe Drehung des Windes hinzukommt. Man könnte sich dann vorstellen, daß die dritte Welle durch 
die plötzliche Drehung des Windes nach Süd und Ost am Entstehen verhindert wird; das Steigen des 
Wassers am 11. August wäre dann als ein Zurückschwingen nach zu tiefer Erniedrigung zu deuten, und 
der Knick der Linien am 12. August würde ein verstecktes Maximum sein, dem als zweites Minimum 
der zweite Knick am 13. August entsprechen würde, das infolge Auffrischen des Windes nicht als solches 
zu erkennen ist. Denkt man sich nämlich (Nr. 20, in Tafel 4) der eigentlichen Linie a die Welle b überlagert, 
so ergibt sich durch Addition die Linie c. Auch das Kallen am 16. August könnte sich so erklären, wenn 
man den Zeitfehler der Linie (s. S. 37 und 39) nicht für ausreichend halten sollte. DieWasserstandsschwan- 
*) Nach G. Green, On the motion of waves in a variable canal of small depth and width. Trans. Camb. Phil. Soc. 
1836, VI, TI. 3, Auch Math, papers, London 1871, S. 223—230, ist die Wellenhöhe umgekehrt proportional zur 4. Wurzel 
aus der Wassertiefe. 
2 ) J. P. Jacobson, Hydrogr. Invest, in Faeroe waters, Kopenhagen 1915 (Medd. Komm. Havunderseg., Serie 
Hydrogr. I, Nr. 4) S. 13—18. 
3 ) De La Cour, Abnorme vandstandsforhold i de Danske Farvande, 3?ubl. Danske Met. Inst., Medd. Nr.4, Kopen 
hagen 1917, Vergl. den Bericht darüber in Ann. d. Hydr. 1918, S. 234—238. 
*) Auch A. T. Doodson kommt a, a. O. S. 143 zu gleichen Anschauungen, die durch eine neue mathematische 
Theorie von Jeffreys gestützt werden. Indessen war die obige Arbeit bereits vorher abgeschlossen, so daß ein näheres 
Eingehen hierauf leider nicht mehr möglich ist.
	        
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