Dr. 11. Thorade, Die Schwankungen des Wasserspiegels.
unten, Abschn. 4, S. 45, wird gezeigt werden, wie man die genannte Konstante finden und damit die
relativen Kurven nach e auf absolute zurückführen kann.
Ein anderes Bedenken erheischt jedoch eine besondere Erwägung. In welcher Weise sind die in der
ausgeglichenen Kurve vorhandenen Maxima und Minima (Tafel 4 Nr. 4) durch das Ausgleichen beein
flußt ? Die Höhepxmkte werden offenbar erniedrigt, die Tiefpunkte erhöht. Ist die ursprüngliche Kurve
symmetrisch, so ist es auch die ausgeglichene, und das Maximum fällt auf den gleichen Zeitpunkt; ist
die ursprüngliche Kurve unsymmetrisch, so werden die Ecken abgeschliffen, und der Zeitpunkt des Maxi
mums oder Minimums verschiebt sich in der ausgeglichenen Kurve nach der weniger steilen Seite hin.
Daher ist anzunehmen, daß in der Kurve e (Tafel 4 Nr. 4) für Husum die Maxima und Minima bis zum
11. August, wenn auch abgeschwächt, annähernd an dem ihnen zukommenden Zeitpunkte verzeichnet
sind, daß dagegen der Knick am Vormittag des 12. August in Wirklichkeit etwas früher, derjenige am
13. August Nm. etwas später, derjenige am 15. August Abends etwas später und derjenige am 17. August
Nm. wieder etwas früher liegen sollte; da immer nur die Wasserstände etwa 12% Stunden vor- und nach
her für jeden Punkt gemittelt wurden, so wird dieser Zeitfehler stets erheblich weniger als 12 y 2 Stunden,
vielleicht höchstens 6 Stunden betragen können. Auch andere unternommene Versuche, wie etwa die
graphische Ausgleichung der beobachteten Hochwasser und der Niedrig’tvasser, nachdem deren Abwei
chungen vom mittleren Hochwasser bezw. Niedrigwasser in ein gemeinsames Netz eingetragen waren,
führten auf im wesentlichen gleiche Kurven.
Die größten Unterschiede in der Linie e Tafel 4, Nr. 4, erreichen noch nicht 1 m; mögen sie auch
aus den dargelegten Gründen in Wirklichkeit etwas größer gewesen sein, so erreichten sie doch bei weitem
nicht die Beträge winterlicher Sturmfluten. Das im folgenden Gesagte kann daher nur von den August
beobachtungen gelten und ist nicht ohne weiteres auf wirkliche Sturmfluten anwendbar, zumal auch
die Witterungsverhältnisse der Nordsee zu dieser Zeit nicht die gewöhnlichen waren.
Gleichheit der Windstaukurven. Der Verlauf des Wasserstandes (Tafel 4, Nr. 5 und 6) zeigt
für die untersuchten Punkte des Sylter Gebietes eine so weitgehende Übereinstimmung in allen wesent
lichen Zügen, daß sich die Präge erhebt, über eine wie große Fläche sie sich erstrecken mag. Deshalb
sind in Tafel 4 Nr. 7 die entsprechenden Kurven für Cuxhaven, Borkum, Helder, Grimsby, Blyth (nörd
lich North Shields), Hirtshals (südwestlich Skagen) und Frederikshavn entwarfen 1 ); die beiden letzteren
mußten, da infolge des geringen Hubs die Hoch- und Niedrigwasser sich nicht deutlich abheben, durch
Mittelbildung aus stündlichen Werten über je 25 Stunden berechnet wurden. Es zeigt sich, daß die Er
scheinung in Cuxhaven noch die gleiche ist, und daß sie dann nach Westen und nach Norden stark abnimmt;
aber selbst so weit entlegene Häfen wie Grimsby, Blyth, Hirtshals und Frederikshavn (im Kattegat!)
weisen noch die drei Maxima und das erste Minimum auf mit geringen zeitlichen Verschiebungen. Der
Gang des Wasserstandes, wenn man es so nennen darf, war also in der ganzen südlichen Nordsee großenteils
derselbe. Die Untersuchung seiner Ursachen wird daher vermutlich nicht nur die Witterungs Verhältnisse der
Deutschen Bucht, sondern der ganzen Nordsee berücksichtigen müssen. Nach den Wetterberichten der Deut
schen See warte sind daher die Windverhältnisse in geographischer Anordnung auf Tafel 6 in 43 Kärtchen
dargestellt; hier ist außerdem der Gang des Wasserstandes durch Buchstaben vermerkt. Tafel 4, Nr. 3
verzeichnet den Luftdruck in Keitum und den Druckunterschied Ab Helder-Keitum, Aberdeen—Keitum,
Utsire—Keitum; die Druckunterschiede in der Deutschen Bucht selbst sind wegen ihrer Kleinheit fort-
gelassen. Da ein Steigen des Luftdrucks ein Fallen des Wassers veranlaßt, wurde die Kurve für Keitum
umgekehrt gezeichnet: ein Maximum der Kurve bezeichnet ein Minimum des Luftdrucks usw. Ähnliches
gilt für die Ab—Linien.
Wirkungen des Luftdrucks. Wäre der Luftdruck maßgebend für den Wasserstand, so sollten
1 ) Für die Mitteilung der Beobachtungsw’erte von Cuxhaven, Borkum, Helder, Grimsby, Blyth, Hirtshals und Fre
derikshavn sei auch an dieser Stelle Herrn Baurat Griebel in Hamburg, dem Wasserbauamt Emden, dem Rijks-
waterstaatim Haag, dem Tidal Institute der Universität Liverpool und dem Meteorologischen Instiiut
in Kopenhagen der verbindlichste Dank ausgesprochen. Die holländischen Angaben beziehen sich auf den Amster
damer Pegel, die britischen auf Ordnance Datum, und die dänischen auf das Mittelwasser des August 1921.