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Full text : 40, 1922

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.

1922.  Heft  1.

3.  Jährliche  Periode  der  Gewittererscheinungen.
Bei  der  engen  Verknüpfung  der  Gewittererscheinungen  mit  den  atmosphärischen  Niederschlägen
werden  wir  erwarten  können,  bezüglich  der  jahreszeitlichen  Verteilung  der  Gewitter  ein  Bild  zu  erhalten, ­
  wie  es  ungefähr  auch  der  Verteilung  der  Niederschläge  über  das  Jahr  entspricht.  Ein  Vergleich
der  Karte  20,  auf  der  die  jährliche  Verteilung  der  Gewittertätigkeit  nach  der  Zeit  der  häufigsten  Gewitter ­
  zur  Darstellung  gebracht  worden  ist,  mit  der  Karte  der  jährlichen  Regenverteilung  (Karte  17),
zeigt  jedoch,  daß  eine  derartige  Übereinstimmung  sich  nicht  überall  findet.  Am  besten  ist  sie  auf  dem
Lande,  z.  B.  auf  dem  Hochlande  von  Mexiko,  wo  das  Gewittermax.  übereinstimmend  mit  dem  Maximum  der
Regenhäufigkeit  in  den  Sommer,  und  zwar  in  den  August  fällt.  Auf  dem  Meere  dagegen  ist  das  Max.
der  Gewitterhäufigkeit  gegenüber  der  Zeit  der  häufigsten  Niederschläge  im  allgemeinen  verfrüht.  In
dem  Winterregengebiete  im  Osten  fällt  es  auf  den  September  bezw.  Oktober.  Das  Herbstregengebièt  hat  die
häufigsten  Gewitter  schon  im  August  bezw.  Juli.  Im  Norden  der  Großen  Antillen,  etwa  zwischen  17°  und
25°  zeigt  sich  ein  doppeltes  Maximum  der  Gewittertätigkeit  im  Juni  und  Oktober,  und  zwar  ist  westlich
der  Linie,  die  etwa  von  der  Mona-Passage  zum  Schnittpunkt  des  60.  Meridians  mit  dem  25.  Breitengrad
führt,  das  Hauptmax.  im  Juni,  während  östlich  dieser  Linie  das  Hauptmax.  sich  erst  im  Oktober  einstellt. ­
  Eine  solche  Doppelperiode  ist  mehr  oder  weniger  deutlich  im  ganzen  Oaribischen  Meere  und  auch
östlich  davon  auf  dem  freien  Ozean  zwischen  10°  und  17°  N  ausgebildet.  Das  zweite  Maximum  der
Gewittertätigkeit  im  September  oder  Oktober  ist  ebenso  wie  das  der  Regenhäufigkeit  das  Hauptmaximum,
während  das  im  Jumi/Juli  nur  schwach  ausgeprägt  ist.  Südlich  von  10°  N  ist  die  jährliche  Periode  der
Gewitter  zwar  nur  gering,  doch  zeigt  sich  eine  gewisse  Abhängigkeit  von  der  Wanderung  des  äquatorialen
Regengürtels,  der  bei  seiner  Südwärtswanderung  in  den  jeweils  bestrichenen  Gebieten  etwas  stärkere
Gewittertätigkeit  auslöst  und  zwar  in  den  Monaten  November,  Dezember,  Januar.
Auf  dem  Lande  ist  der  Sommer  die  ausgesprochene  Gewitterzeit.  So  fällt  in  Florida  und  den
atlantischen  Staaten  das  Maximum  auf  den  Juli,  in  Arkansas  und  Tennessee  schon  auf  den  Juni.  Westtexas ­
  hat  sonderbarerweise  schon  im  Mai  die  meisten  Gewitter,  daneben  zeigt  der  September  noch  erhöhte
Gewittertätigkeit.  Fast  ganz  Mexiko  hat  ein  einfaches  Maximum  im  August,  nur  ein  schmaler  Küstensaum ­
  im  Westen  und  die  Halbinsel  Nieder-Kaliformen  haben  die  Zeit  der  häufigsten  Gewitter  bereits
im  Juli.  Die  beiden  kalifornischen  Stationen  Nordamerikas,  Los  Angeles  und  San  Diego,  haben  merkwürdigerweise ­
  ein  doppeltes  Max.  im  März  und  September.
In  Nordguatemala  fällt,  wie  Sapper  [98,119]  betont,  „die  Gewitterfrequenz  in  manchen  Jahren
ganz  auffallend  mit  dem  Zenithstand  der  Sonne  überein“,  das  wären  also  die  Monate  Mai  und  August.
Aehnlich  sind  in  Costarica  nach  A.  v.  Frantzius  [29]  die  tropischen  Gewitterregen  im  Mai  und  zu  Anfang
Juni,  sowie  im  August  und  September  am  stärksten.  Das  Septembermax.  ist,  wie  die  6-jährigen  Beobachtungen ­
  zu  San  José  dartun,  am  größten.  Auf  dem  Isthmus  von  Panama  sind  nach  Wagners  [122,11]
Schilderung  ebenfalls  Mai  und  September/Oktober  die  Monate  stärkster  Gewittertätigkeit.
In  dem  ausgedehnten  Gebiet  Südamerikas  hält  es  bei  dem  Mangel  an  Stationen  mit  langjährigen
Beobachtungen  schwer,  ein  verläßliches  Bild  über  die  Gewitterverteilung  zu  erhalten,  doch  scheint  sie
sich  im  allgemeinen  eng  dem  Gange  der  Regenhäufigkeit  anzuschließen  und  ein  doppeltes  Maximum
aufzmveisen  zur  Zeit  der  höchsten  Sonnenstände.  Das  Maximum  zur  Zeit  der  2.  Kulmination  bezw\  kurz
danach  scheint  im  allgemeinen  das  stärkere  zu  sein.  Die  Gewdtterarmut  des  Küstenlandes  von  Guiana
wurde  bereits  erwähnt.  Im  Innern  scheinen  dagegen  die  Gewitter  häufiger  zu  sein,  denn  R.  Sehomburgh
  berichtet  von  Piara  am  Amucusee  (30°  39'N,  59°  21'W)  im  Innern  Britisch-Guianas  [37,11,399]:
„Häufige,  heftige  Regenschauer  leiteten  die  Regenzeit  ein,  sie  gingen  bereits  Anfang  Juni  „in  die  schrecklichsten, ­
  wahrhaft  grauenerregenden  Gewitterstürme“  über.  Die  Gewitter  begannen  gewöhnlich  am
Nachmittag,  wiederholten  sich  gegen  Mitternacht  und  verkündeten  den  Anbruch  des  Tages;  diese  letzteren
waren  immer  die  grauenhaftesten,  bei  denen  sich  unter  fürchterlichen  Donnerschlägen  fast  unglaubliche ­
  Regenmassen  niederschlugen.  In  schwächerem  oder  stärkerem  Grade  wiederholte  sich  dieses
            
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