Dr. W.K los ter: Bewölkungs-, Niederschlags-u. Gewitterverhältnisse d. westind. Gewässer u. d. angrenz. Landmassen. 19
Während der warmen Jahreszeit wird blauer Himmel nur selten verzeichnet, dagegen erreicht die
Häufigkeit der 10 neben derjenigen der Stufe 1—9 recht hohe Beträge.
Werfen wir noch kurz einen Blick auf die tägliche Periode der einzelnen Bewölkungsgrade, um
dadurch vielleicht einige Aufklärung über die innere Struktur des täglichen Ganges der mittleren
Bewölkung, den wir vorher behandelt haben, zu erlangen. Für das Ozeangebiet ist zu diesem Zweck
von den gleichen Feldern, für die der tägliche Gang der mittleren Bewölkung bestimmt worden war, auch
die Häufigkeit der drei Haupttypen der Bewölkungsgrade für die 6 Beobachtungstermine festgestellt
worden (Tab. IX). Bewölkung 0 weist danach durchgehend eine einfache Periode mit einem Max. in der
Nacht, einem Min. in den Mittagsstunden auf. Die Amplituden sind am schwächsten in der warmen
Jahreszeit (Sommer u. Herbst), am größten in der kälteren Jahreshälfte. Den genau entgegengesetzten
Verlauf zeigt die Periode der mittleren Bewölkungsgrade mit einem Max. am Mittag bezw. Nachmittag
und einem Min. in der Nacht. Die Bewölkung 10 hat mit Ausnahme des Feldes aus der Kalmenregion
nur eine schwache tägliche Periode, doch ist auch in den anderen Feldern durchgehend ein Max. am
Morgen, in einigen Fällen auch ein mehr oder weniger scharf ausgeprägtes 2. Max. am Nachmittage zu
konstatieren. Die tägliche Periode ist also bald eine einfache, bald eine doppelte.
Vergleichen wir nun diese Resultate mit den bei der Betrachtung des täglichen Ganges der mitt
leren Bewölkung gewonnenen, so ergeben sich daraus folgende Vorstellungen:
Das nächtliche Minimum der Bewölkung ist auf ein Maximum in der Häufigkeit der Bewölkung 0
und ein Zurücktreten der Häufigkeit der anderen Bewölkungsstufen zurückzuführen. Das morgend
liche Maximum der Bewölkung ist bedingt durch die größere Häufigkeit gänzlich bedeckten Himmels,
also durch häufige Nebel-, str.- bezw. str.-cu-Bildung. Man könnte es daher auch wohl das Stratus-Maxi
mum nennen. Mit zunehmender Stärke der Sonnenstrahlung lösen sich die Stratuswolken allmählich
auf. Dafür beginnt die Herrschaft gebrochenen Himmels, der sich im aufsteigenden Luftstrom bildenden
cu und cu-ni, die gegen Mittag bezw. am Nachmittag am stärksten ist. Das 2. Maximum könnte daher
auch wohl als das Cumulus-Maximum bezeichnet werden. Das Nachmittagsmax. in der Häufigkeit der
Bewölkung 10 zeigt, daß die Cumulusbildung manchmal, so stark wird, daß eine vollkommene Bedeckung
des Himmels eintritt. Im ganzen können wir feststellen, daß die tägliche Periode der 10 dem Verlauf
der mittleren täglichen Bewölkung am nächsten kommt.
Für Port au Prince konnte die Häufigkeit der 8 Haupttypen der Bewölkung nur für die 3 Ter
mine 7a, 1p, 9p ausgezählt werden (Tab. VIII). ln den Morgenstunden der Monate Dezember bis März
herrscht Bewölkung 0 vor. Die wärmere Jahreszeit zeigt dagegen schon am Morgen gebrochenen
Himmel, der am Nachmittag fast ausschließlich notiert wird, sich am Abend aber mit Bewölkung 10 in
die Herrschaft teilt. Bewölkung 0, die in den Wintermonaten am Abend immerhin noch eine Häufig
keit von 15—19% aufzuweisen hat, geht im Sommer bis auf 2% herunter. Mit dem täglichen (Fange
der mittleren Bewölkung und mit den Notizen, die wir über die Regen- und Gewitterhäufigkeit bei-
bringen konnten, stimmen diese Feststellungen gut überein. Kurz nach Mittag beginnt die Cumulus-
Bildung, die sich steigert, bis im Winter gegen 7 Uhr, im Sommer schon früher die Gewitterregen zur
Entladung kommen, die erst gegen Mitternacht aufhören, worauf dann wieder heiterer Himmel auftritt.
Für Mexiko mag uns die Darstellung in Fig. 3 pjg g Häufigkeit der einzelnen Bewölkungsstufen. Mexiko,
ein anschauliches Bild für die Häufigkeit der ein
zelnen Bewölkungsstufen zu den verschiedenen Tages
zeiten geben. Für jede Bewölkungsstufe ist in jeder
Jahreszeit eine gerade Linie gezogen, die nach
Stunden unterteilt ist, und die stark ausgezogen
wurde, wenn der Bewölkungsgrad zu der betr. Zeit
am häufigsten notiert wurde, schwach, wenn er in
der Häufigkeit an 2. Stelle stand, punktiert, wenn er
als seltenster auftrat. Aus dem Diagramm können
wir folgendes ablesen:
0
1—9
10
0
1—9
10
0
1—9
10
0
1—9
10
12 N 3V 6V 9 V 12 V 3N 6N 9N 12 N
i ■ ■ Winter
- Frühling
. Sommer
Herbst