Pr. W.Kloster: Bewölkmigs-, Niederschlags-u.Gewitterverhältnisse d. westind. Gewässer u. d. angrenz. Landmassen. 17
20-jährige stündliche Mittel für Temperatur, Luftdruck, relative Feuchtigkeit und Windgeschwindigkeit
— eine große Seltenheit für diese Breiten — gestatten uns, für diesen Ort den täglichen Gang der
Bewölkung mit dem dieser anderen Elemente zu vergleichen (Tab. V). Es zeigt sich, daß ein genauer
Parallelismus mit keinem der Elemente besteht. Der Gang der Temperatur und der Windgeschwindigkeit
ist ähnlich, doch scheint sich das Eintreten des Maximums der Bewölkung diesen gegenüber
etwas zu verspäten. Der Luftdruck weist einen ungefähr inversen Gang auf. Am schlechtesten will
der Verlauf der relativen Feuchtigkeit zu dem der täglichen Bewölkung passen. Wir müssen dabei
freilich bedenken, daß wir hier nur den Gang der meteorologischen Elemente auf dem Erdboden vor
uns haben, während die für das Zustandekommen der Bewölkung in größeren Höhen maßgebenden Verhältnisse
ganz andere sein können. Somit müssen wir einem weiteren Ausbau der aerologischen Forschung
die Aufklärung dieser Zusammenhänge überlassen.
Ganz eigenartig ist der Verlauf der mittleren täglichen Bewölkung von Port au Prince. Er
weicht vollständig von den bisher betrachteten Typen ab und ist überhaupt in keiner der vorhandenen
Typenaufstellungen auf geführt. Das Minimum der Bewölkung findet sich in allen Jahreszeiten am
Vormittag, während am späten Abend und nachts die stärkste Bewölkung auftritt. „Einen Zusammenhang
mit dem täglichen Gang des Barometers, wie er schon supponiert worden ist,“ schreibt Hann
darüber in der Meteorol. Zeitschr. [40, 156], „zeigt dieser Gang nicht, denn die täglichen Maxima des
Luftdruckes fallen sowohl mit dem Min. als mit dem Max. der Bewölkung zusammen.“ Des Rätsels
Lösung scheint sich aus der täglichen Periode der Regen und der Geiwitter in Port au Prince zu ergeben.
Nach den Wiener Jahrbüchern 1893—97 habe ich die stündliche Häufigkeit des Regenfalls und der
Gewitter für die Jahre 1890—94 ausgezählt (Tab. XIV u. XVIII). Der Verlauf beider Elemente zeigt
eine auffallende Übereinstimmung mit der täglichen Periode der mittleren Bewölkung. Ein ähnlicher
Gang der täglichen Bewölkung wird übrigens von Hann von Arequipa und Chosica in den peruanischen
Anden beschrieben [41, 1337].
6. Häufigkeit der einzelnen Bewölkungsgrade.
Von verschiedenen Autoren ist darauf hingewiesen worden, daß Mittelwerte zur Charakterisierung
der Bewölkungsverhältnisse vollkommen unzureichend sind [siehe u. a. 66, 324; 85, 107; 59].
Was kann sich unter dem Begriff der mittleren Bewölkung 3 z. B. alles verbergen? Liegen 3 Beobachtungen
täglich vor, so kann dieser Wert erhalten werden, einmal, wenn an sämtlichen Terminen tatsächlich
3 geschätzt wurde, wenn am ersten 1, am zweiten 5, am dritten Beobachtungszeitpunkt 4 beobachtet
wurde, oder wenn an zweien 0, am letzten 10 notiert wurde. In allen diesen als Beispiel angeführten
Fällen wird sich als Mittelwert 3 ergeben, obwohl es sich dabei um ganz verschiedene Witterungszustände
handeln kann. Wie Koppen und Meyer in ihrer Abhandlung über „die Häufigkeit der
verschiedenen Bewölkungsgrade als klimatologisches Element“ nachweisen, „gibt es weite Gebiete auf
der Erde, in denen die Bewölkungsgrade 0 und 10 viel häufiger beobachtet werden als die zwischenliegenden
Stufen, und in denen die periodischen Änderungen der Himmelsbedeckung durch gleichzeitige
Änderungen in der Häufigkeit jener extremen Grade zustande kommen.“
Wie steht es damit in dem von uns betrachteten Gebiete? Zur Entscheidung dieser Frage sei
ein Feld des Ozeans einer Station des festen Landes gegenübergestellt (Tab. VI und Fig 1 auf S. 6),
Die Kurvendarstellung in Fig. 1, auf der in der Abscisse die einzelnen Bewölkungsgrade, in der Ordinate
die prozentische Häufigkeit derselben dargestellt sind, zeigt, daß auf dem Meere die mittleren
Bewölkungsgrade bedeutend häufiger vertreten sind als die extremen Bewölkungszahlen 0 und 10. Das
arithmetische Mittel kommt hier dem häufigsten Werte ziemlich nahe. Auf dem Lande dagegen — es
sei das in derselben Breite gelegene Port au Prince gewählt —, treten die mittleren Bewölkungsgrade
gegen die extremen zurück; das Bewölkungsmittel deckt sich keineswegs mit dem häufigsten Werte.
Bei Betrachtung der mittleren Bewölkung auf dem Meere wird den tatsächlichen Verhältnissen also