22
Aus den» Archiv der Deutschen Seewarte. — 1922. Heit 3.
9. + A b v. N E mit - A b w. NA im Juli 1873.
Die Tabelle der Luftdruckabweichungen (liier nicht veröffentlicht) zeigt geringe positive Abweichungen
von den mittleren Druckdifferenzen für die Stationspaare I und IV ») und für Palermo, negative für
Stationspaar II, Kopenhagen—Vardö. Da der mittlere Unterschied der Luftdruckwerte zwischen den
beiden letztgenannten Stationen im Juli 0,9 beträgt, die Abweichung aber 1,9, so bedeutet dies eine
Umkehrung der Gefällsrichtung; Kopenhagen, das im Durchschnitt höheren Druck besitzt als Vardö,
hat jetzt geringeren. Da die Abweichung vom normalen Druckunterschied zwischen Kopenhagen und
Stykkisholm aber + 2,9 beträgt, so muß, da bereits der Luftdruck über Kopenhagen unter dem durch
schnittlichen liegt, derjenige von Stykkisholm besonders tief sein. Dafür spricht auch die positive Ab
weichung der durchschnittlichen Druckdifferenz Ponta Delgada—Stykkisholm.
Für das nördliche Gebiet der nordamerikanischen Ostküste läßt sich die Druckverteilung aus
den Luftdruckabweichungen nicht ermitteln, da für das Stationspaar III — Toronto—Jvigtut — für das
Jahr 1873 keine Werte vorliegen. Ein Vergleich der Tabelle mit derjenigen der Monate Juni 1876,
April 1878, Oktober 1878 und September 1880 zeigt, daß zwischen diesen beiden Stationen die Ab
weichungen negativ sein müssen. Das läßt darauf schließen, daß auch über dem nordamerikanischen
Kontinent der Luftdruck nur gering ist.
Die Luftdruckverteilung dürfte nach alle dem in diesem Monat also die sein, daß zunächst das
Azorenmaximum mindestens normale Intensität hat. Das Isländische Minimum ist stark entwickelt, so
wohl nach Ausdehnung als nach Intensität. Über dem nördlichen Teile der europäischen Westküste
ist der Luftdruck im allgemeinen gering; der relativ hohe Druck im äußersten Norden (Vardö) ist
vielleicht durch eine Zunge hohen Drucks von Norden her zu erklären.
Diese Verteilung des Luftdrucks würde uns die im Norden der europäischen Westküste wie im
Norden der nordamerikanischen Ostküste auftretenden positiven Temperaturabweichungen so erklären,
daß beide Gebiete, d. h. nordamerikanisches Gebiet I als auch europäisches Gebiet I, unter dem ver
stärkten Einfluß des Azorenmaximums liegen, ihre Winde vorwiegend also aus südlicher Eichtling er
halten. Zum Vergleich ziehe ich noch die Isobarenkarte des Juli 1896 heran, wo die Temperatur
abweichungen über den in Frage kommenden Gebieten zwar nicht oberhalb der oberen Grenze liegen
(für den Zeitraum, für den Isobarenkarten vorliegen, tritt dieser Fall nicht mehr auf), aber doch
immerhin positiv sind. Der Blick auf diese Isobarenkarte zeigt, daß die Druckverteilung ganz der
eben aus den Luftdruckabweichungen geschlossenen entspricht. Die Alleinherrschaft des Azoren
maximums ist für die nordamerikanische Ostküste ohne weiteres zu erkennen. Auch für den Norden
der europäischen Westküste bewirken seine nach Norden ausgebuchteten, bis an die Westseite Skandi
naviens vorgeschobenen Isobaren hohen Drucks ein Über wiegen seines Einflusses gegenüber der Zunge
hohen Drucks, die sich von Norden her bis an die Nordküste Skandinaviens erstreckt.
Es ist also ein ausgesprochen ozeanischer Typ, mit dem wir es hier zu tun haben. Ich möchte
diesen Typ, da er im wesentlichen durch die Alleinherrschaft des weit nach Norden reichenden Azoren
maximums gekennzeichnet ist, als „Azorennördlich“ bezeichnen, abgekürzt An.
Die Häufigkeit der Fälle beträgt 6: davon entfallen auf die wärmere Jahreszeit 4, auf die kältere 2.
10.—Ab w. NE mit —Abw. NA im Juni 18 85.
(Siehe Isobarenkarte VII auf Tafel 2.)
Der Blick auf die Karte lehrt, daß zunächst Lage und Intensität des Azorenmaximums der durch
schnittlichen entsprechen. Hingegen ist das Tiefdruckgebiet in 60° Breite nicht nur stärker als normal
entwickelt, sondern erscheint mit seinem Kern auch nach Westen bis gegen die Baffinsbai verschoben.
Ein zweites Tiefdruckgebiet erstreckt sich von Nordosten her mit seinem letzten Ausläufer bis über die
Nordküste von Skandinavien. Über Grönland nimmt der Druck nach dem Innern des Landes zu. Über
dem angrenzenden nordamerikanischen Kontinent ist der Druck gering.
') Kopenhagen -Stykkisholm und Ponta Delgada—Stykkisholm.