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Full text: 39, 1921

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1921. Nr. 1. 
Tiefe feststellen, die so in die Augen springend war, daß die Flasche mit dem reichen flockigen Inhalt an 
Bord bewundernd von Hand zu Hand wanderte. 
Diese Beziehungen zwischen Farbe, Sichttiefe und Plankton gehen auch aus der Gesamtheit unserer 
Beobachtungen hervor. Um die Beziehungen zwischen Farbe und Sichttiefe zu veranschaulichen, bin 
ich dem Beispiele Krümmels gefolgt, 1 ) der die 87 Beobachtungen der „Gazelle“ - Expedition in fol 
gender Tabelle zusammenfaßte: 
„G a z e 11 e“. 
Zahl der Fälle mit Sichttiefen. 
Farbe 
°/ogelb 
über 
40 m 
über 
30 m 
über 
25 m 
über 
20 m 
unter 
15 m 
Mittel der 
Sichttiefen 
Blau 
(0—2°/o) 
7 
25 
43 
53 
3 
26.7 m 
Entfärbt. Blau 
(2—5°/o) 
—• 
1 
4 
6 
1 
23.2 
Grünblau 
(5—9°/o) 
— 
*—' 
1 
2 
5 
16.2 
Grän 
(9-20o/o) 
— 
— 
— 
1 
3 
15.5 
„D eutschlan d“. 
Zahl der Fälle mit Sichttiefen. 1 ) 
Farbe 
°/ogelb 
von 
41-50 m 
von 
31-40 m 
von 
16-31 m 
unter 
15 m 
Mittlere 
Sichttiefe 
0°/o 
u 
19 
i 
_ 
35 m 
1—2°/o 
— 
3 
e 
— 
27 
3—5®/o 
— 
— 
7 
2 
18 
6—10°/o 
— 
— 
2 
8 
12 
11—20°o 
— 
— 
— 
1 
9 
Die 60 Beobachtungen der „Deutschland“ gaben, in etwas anderer Form zusammengestellt, die 
oben rechts stehende Tabelle. 
Auch aus den „Deutschland“-Beobachtungen ergibt sich demnach, daß die geringsten Sichttiefen 
mit grünen, die größten Sichttiefen mit rein blauen Farben der Meeresoberfläche verbunden sind. Der 
Parallelismus ist im großen und in vielen Einzelbeobachtungen gut ausgeprägt, jedoch sind ihm nicht 
alle Beobachtungen streng unterworfen, indem z. B. bei einer Sichttiefe von 18 m sowohl Farbe 1 % wie 
7 % beobachtet worden ist. Während auf früheren Expeditionen Sichttiefen von 40 m bis 50 m nur in 
den tropischen Meeren gefunden wurden, konnten gleich große Sichttiefen von der „Deutschland“ zum 
ersten Mal auch mitten im Treibeis der Weddell-See festgestellt werden. (Leider sind während der Trift 
der „Deutschland“ in der Eisscholle von mir keine Sichttiefenbestimmungen ausgeführt worden, die in 
größeren Waken wahrscheinlich ähnlich große Sichttiefen wie in 62° bis 63° S-Br. ergeben hätten.) Die 
Farbe des Meeres und seine Durchsichtigkeit bei gleichzeitiger Anwesenheit von Treibeis ist un 
zweifelhaft von der Beschaffenheit des Eises abhängig. Dort, wo das Eis sich erst im Anfangsstadium 
des Lösungsprozesses befindet, beobachtet man, daß es in bestimmten Schichten so stark von Diatomeen 
durchsetzt wird, daß eine intensive Gelbfärbung dieser Schichten vorhanden ist. Wenn z. B. das Schiff 
ein starkes Eisfeld forzierte und die frischgebrochenen Schollen sich im Wasser wälzten, so war fast 
regelmäßig eine mehr oder weniger dicke gelbgefärbte Schicht im Eis bemerkbar. Sie ist dadurch ent 
standen, daß im Winter, nachdem die Eisdecke auf der Meeresoberfläche eine gewisse Stärke erlangt 
hatte, die Diatomeen an der Unterseite der Eisdecke ansetzten und im dicker werdenden Eis mit ein 
wuchsen. Der Diatomeengehalt dieser Eisschichten muß ein sehr bedeutender sein, da die Oberflächen 
schichten des Meeres wahrscheinlich durch den Einschluß der Diatomeen so planktonarm werden, daß die 
Durchsichtigkeit in solchem Maße erhöht wird. Denn alle anderen Bestimmungen der Sichttiefe in der 
Weddell-See, welche zur späteren Jahreszeit bezw. in einem Treibeisgebiet, das schon mehr der Ab- 
sehmelzung unterlegen war, ausgeführt wurden, liegen zwischen 9 m und 17 m; hier sind die Diatomeen 
aus dem Eis dem Oberflächenwasser wieder zugeführt worden. Bezeichnend ist, daß die größte Sicht 
tiefe einen Tag nach der Freisprengung des Schiffes aus dem Winterlager gemessen wurde, also zu 
einer Zeit, als der Schmelzprozeß des Eises erst eben eingesetzt hatte. (Die Wassertemperatur be 
trug —1.78°.) 
i) Handbuch der Ozeanographie Bd. I. 2. Aufl. S. 276.
	        
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