H. M ahnkopf: Die Auslösung der funkentelegr. Nauener Zeitsignale durch, die Deutsche Seewarte.
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Die gesuchte Reaktionszeit des Relais ist ax—a 2 . Für die wegen der Relaisverzögerung korrigierte
Ablesung der Signalzeichen ergibt sich also
s 0 = s—(ai—a 2 ),
s 0 ist aber der negative Stand der Arbeitsuhr, wie er aus dem Signal folgt. —
Wenn außerdem die Signale auch noch durch ein Telephon abgehört werden sollen, so ist das
letztere unter Einschaltung eines entsprechend hohen Widerstandes zum Relais R parallel zu schalten.
Unter Anwendung dieser Schaltung für automatische Aufnahme von. Signalen läßt sich bei der
Registrierung eines Onogo-Signals eine Genauigkeit von einigen Tausendstelsekunden erreichen. Bei
den Relaisaufnahmen des Geodätischen Instituts beträgt der m. F. einer Bestimmung der Relaisver
zögerung ±0 S .004. Die Frage ist, inwiefern die heutzutage vorhandenen FT-Empfangseinrichtungen hin
reichen, um eine sichere Registrierung von Zeitzeichen in dieser oder einer ähnlichen Form zu ermög
lichen. Es ist bereits erwähnt worden, daß vorläufig, auch bei Verwendung eines guten Lautverstärkers
und eines zuverlässigen hochempfindlichen Registrierrelais, noch allerlei Schwierigkeiten auftreten. Zwar
sind jetzt alle Fragen, die die mechanische Aufnahme von Funkzeichen betreffen, als gelöst zu betrachten;
jedoch wird vorläufig eine Verwendung der in der funkentelegraphischen Praxis gebräuchlichen Vorrich
tungen seitens wissenschaftlicher Institute in vielen Fällen an der Kostenfrage scheitern. Durch
Anstellung weiterer Versuche wird angestrebt werden, die für die automatische Registrierung von Zeit
zeichen nötige Apparatur zu vereinfachen und zu verfeinern. — Die Registrierung der Signale auf photo
graphischem Wege (also mit dem „Lichtschreiber“) ist, wie noch erwähnt werden möge, auf der Seewarte
bisher nicht angewandt worden. —
Wenn die Zeit des Empfangs von Funkzeichen mit der größten Schärfe bestimmt werden soll, also
z. B. bei den genauesten Ermittlungen von geographischen Längenunterschieden, kann, wie bereits betont
worden ist, die mechanische Registrierung der Zeichen nicht entbehrt werden. In den letzten Jahren
haben nun die Koinzidenzsignale, die man ja als .„wissenschaftliche Signale“ bezeichnet, eine sehr aus
gedehnte Verwendung gefunden. Bei ihrer Aufnahme mit dem Telephon (eine dazu sehr geeignete
Schaltung ist auf S. 29 erwähnt worden) läßt sich eine innere Genauigkeit von wenigen Tausendstel
sekunden erreichen. Aber auch hier gibt die innere Sicherheit der Aufnahme keinen brauchbaren
Maßstab für die Güte der Methode ab. Die bisher angestellten Versuche deuten an, daß man bei der Auf
fassung der Koinzidenzen mit dem Auftreten einer persönlichen Gleichung zu rechnen hat, die bei dem
einzelnen Beobachter nicht konstant ist und deren Existenz sich auch darin äußert, daß Unterschiede syste
matischer Art auftreten, wenn verschiedene Beobachter die gleichen Koinzidenzen auffassen. Mit Hilfe
dieser Signale lassen sich demnach die benutzten Uhren verschiedener Empfangsstationen kaum genauer
als bis auf einige Hundertteile der Sekunde miteinander vergleichen, und die Methode wird hinsichtlich
der erreichbaren Genauigkeit schwerlich geeignet sein, das bei genauen Längenbestimmungen unter
Benutzung der Telegraphenleitung bisher verwandte Verfahren der Uhrvergleichung zu ersetzen. —
Wir kommen also wiederum auf die selbsttätige Registrierung der Zeitzeichen zurück. Die oben behan
delte Bestimmung der Reaktionszeit der benutzten Registriervorrichtungen ersetzt dabei gewissermaßen
den bei der telegraphischen Längenübertragung erforderlichen „Ausgleich der Stromstärken“. Art und
Form der Signale sind bei Amvendung der automatischen Registrierung von untergeordneter Bedeutung.
Eine gewisse Anzahl von Zeichen ist zur Erzielung einer hohen Genauigkeit natürlich erforderlich, bei
Benutzung der oben (s. S. 36) angegebenen Schaltung zur Bestimmung der „Relaisverzögerung“ auch
eine hinreichend große Zahl von Signal-„Striclien“. — Im übrigen wird es wohl noch einiger Unter
suchungen und der Anstellung von Versuchen bedürfen, um alle hier angedeuteten Fragen, die gelegent
lich unserer Betrachtungen über die beim Nauener FT-Zeitdienst gemachten Erfahrungen auf getaucht
sind, voll und ganz zu klären. Indessen gilt es schon jetzt als sicher, daß in Zukunft bei der Ausführung
von sehr genauen Längenbestimmungen die Telegraphenleitung nicht mehr verwandt zu werden braucht,
da betreffs der erreichbaren Genauigkeit die gewöhnliche Telegraphie vollkommen ersetzt werden kann
durch die Funkentelegraphie.