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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1921. Nr. '2.
ist, durch die Annahme eines noch größeren Wertes für den Temperaturkoeffizienten !) zum Ver
schwinden bringen könnte.
Außer der Temperaturschichtung wird auch der Schwingungsbogen zur Erklärung dieser Er
scheinungen heranzuziehen sein. Wenn die Amplitude von der Temperatur abhängt und wenn der
Schwingungsbogen seinerseits den Gang beeinflußt (beides ist mehr oder weniger bei allen Uhren der
Fall), so erscheint auch der Gang der Uhr von der Temperatur abhängig. Der oben für den „Tempe
raturkoeffizienten“ gefundene Wert ,7 — 0 S .02 ist sicher zu groß, als daß er auf einen Kompensations
fehler des Pendels zurückgeführt werden könnte. Inwiefern er der Einwirkung der Temperaturschich
tung' und des Schwingungsbogens seine Entstehung verdankt, läßt sich nicht angeben, weil beide Größen
sich der Beobachtung entzogen haben. Übrigens gelingt es ja auch sonst nur in den seltensten Fällen,
bei Untersuchungen von Pendeluhren die Einflüsse der verschiedenen Faktoren von einander zu trennen,
so daß der für den „Temperaturkoeffizienten“ herausgerechnete Wert fast nie ein sicheres Maß für die
Kompensation des untersuchten Pendels abgibt. —
Ein ähnliches Bild zeigen die späteren Gänge der Uhr, die in Tabelle II bis Ende Februar 1921
gegeben werden. Im Dezember 1920 und Januar 1921 konnten infolge abnorm schlechten Wetters in
Hamburg insgesamt nur drei Zeitbestimmungen erhalten werden. Da diese Zahl nicht genügt, um ein
zuverlässiges Urteil über die Gänge der Hauptuhren zu gewinnen, habe ich von Anfang an für diese
beiden Monate die Gänge verwandt, die sich mit Hilfe der auf funkentelegraphischem Wege über
tragenen Potsdamer Zeitbestimmungen ableiten ließen.
Um bei dieser Gelegenheit nun aber zu zeigen, daß die Funksignale unterVerwendung von zuverlässigen
endgültigen Korrektionen ein vorzügliches Mittel zur schärfsten Untersuchung der Gänge von Prä
zisionsuhren abgeben, habe ich dann auch für den ganzen Zeitraum, vom 25. November 1920 bis zum
23. Februar 1921, die in Tabelle II (s. S. 21) gegebenen Gänge der Uhren einzig auf Grund der in
Potsdam angestellten Zeitbestimmungen und unter Verwendung der von Herrn Wanach ermittelten
Signalkorrektionen berechnet. Die einzelnen Uhrkorrektionen beruhen jeweils auf den drei Mittags
signalen, die den Potsdamer Zeitbestimmungen am nächsten lagen.
Bezüglich der Uhr Rf 223 enthält Tabelle II die mittlere innere Temperatur t und die außen ge
messene Temperaturschichtung s—s 0 , wobei für s Q , um eine direkte Vergleichung zu ermöglichen, der
Mittelwert +0?65 der früheren Periode (Tabelle I) genommen worden ist. Die Schichtung bleibt dauernd
über dem Durchschnittswerte für den ersten Zeitraum. Die Temperatur und ihre Schichtung verlaufen
genau parallel; sie zeigen zwar kaum größere Schwankungen als früher, ändern sich aber mit kürzerer
Periode: Erscheinungen, die auf die Heizverhältnisse und auf die Versuche, den Uhrenraum allmählich
auszutrocknen, zurückzuführen sind. Unter diesen Umständen kann nicht angenommen werden, daß die
Werte von s—s 0 auch nur annähernd die im Innern des Pendelraumes herrschenden Verhältnisse, die
für den Uhrgang maßgebend sind, wiedergeben.
Die Gänge gsss sind bereits auf gleiche Luftdichte reduziert; die Dichtezunahme infolge Ein
dringens von Luft in den Pendelraum betrug für den Zeitraum nur etwa 2 mm. — Die Werte ga^
lassen sich durch den früher gefundenen Temperaturkoeffizienten U = + 0 S .021 nicht darstellen; viel
mehr zeigen die unter g r angegebenen, mit Hilfe jenes Faktors auf + 14?0 C gebrachten Gänge noch
deutlich eine Abhängigkeit von der Temperatur bezw. von der außen gemessenen Schichtung. Eine
Reduktion der Gänge unter Verwendung des oben gefundenen „ Schichtungs - Koeffizienten “
cr = +0 S .022 würde keinen Sinn haben. Durch passende Wahl von <> würde, wie leicht zu erkennen ist,
eine vorzügliche Darstellung zu erzielen sein; aber ein solches Unternehmen hätte nicht mehr als inter-
polatorischen Wert. Eine Ausgleichung der 15 Gänge unter sich scheint wegen der Kürze des Zeit
raumes überhaupt nicht statthaft zu sein; die hervorragende Sicherheit des Ganges der Uhr läßt aber
trotzdem einen Versuch, aus dem kleinen Material einen genäherten Wert für den Temperaturkoeffizienten
abzuleiten, nicht als unbedingt verwerflich und nutzlos erscheinen. Eine kleine graphische Ausgleichung
der Werte g 2S s ergab — +0®.088±0 S .004; der m. F. eines Ganges wurde ±0 S .009; als die größten übrig